Februar 02, 2012

Kino: TINKER TAILOR SOLDIER SPY

Machtspiele und Intrigen im britischen Geheimdienst, komplexe und folgenschwere Verstrickungen im Leben von Agenten und Spionen: In der Welt des englischen Kanonschriftstellers John le Carré verwischen nicht nur moralische Grenzen, seine Protagonisten bleiben auch ungreifbare Figuren, geführt wie Marionetten in einer seltsamen Parallelwirklichkeit. Dutzend- fach wurden die Spionagegeschichten des Bestsellerautors bereits adaptiert, nun probiert sich Tomas Alfredson mit "Dame, König, As, Spion" an einem seiner berühmtesten Stoffe. [...]

Kommentare:

  1. Wirst ja zu einem wahren Alfredson Fan... und wenn man seine letzten beiden Filme ansieht kann man auch nur sagen: "Und mit was??? Mit recht!"

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  2. Der Trailer hatte mich schon gereizt, aber jetzt werde ich ihn mir unbedingt im Kino anschauen. Innovationen im ausgeleierten Genre des Agentenfilms und das auch noch durch eine Klassikerverfilmung. Sehr gut, dein Text treibt die Erwartungen deutlich in die Höhe.

    Ich versuche gerade, meine Erinnerungen an die Erstverfilmung aus den prähistorischen Ablagerungen meines Gedächtnisses auszugraben. Die gehörte nämlich auch schon zu den nachhaltigeren TV-Erfahrungen meiner Jugend.

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  3. Wird mal Zeit, dass es eine Antipode zu den Bourne-Konfektions-Agententhrillern gibt. Vernünftiges Material aus beim Agentenfilm gabs in schließlich in der Tat schon lange nicht mehr.

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  4. "Kanonschriftstellers"

    :-)))

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  5. Der Film ist gut, deine Sicht auf die Besonderheit der Figurenzeichnung sicher eine vertretbare Wahl des Schwerpunktes bei der Wertung. Leuchtet mir ein.

    Kleine Einschränkung. Deine Herabstufung des Plots (ich weiß, das wird langsam Mode) scheint mir nicht berechtigt. Der ist nicht nebensächlich im eigentlichen Sinne. Bei le Carré sowieso nicht, denn so verschachtelt dessen Romane immer waren, das war mit Interesse und Sorgaflt auch im inhaltlichen Detail gestaltet. Da erkenne ich kein bewusstes Beiseiteschieben dieser Qualitäten durch die Verfilmung. Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Was bedeuted die Historizität des Films, das auffällig zur Schau gestellte "1973". Da liegt auch die Originalität von Alfredson, denn die entromantisierend schaurige Kühle im Blick auf den Menschen enthielten schon le Carrés Romane und nebenbei auch sein alten Verfilmungen. Doch le Carré wollte immer Gegenwart, aber dieser Film? Hier müsste man weiterdenken.

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  6. Weiterdenken ist fest für die hoffentlich baldige Zweitsichtung geplant. War beim ersten Sehen schlicht zu weggeblasen, um weiterdenken zu können. Hab den erstmal nur wirken lassen. Leider immer etwas ungünstig, wenn ich Texte zu Filmen, die ich so derart herausragend finde, direkt nach der ersten Sichtung, dem ersten Eindruck schreiben muss. Fiel mir schon beim Malick enorm schwer.

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  7. Nun, der erste Eindruck ist ja auch ein legitimer. Wie gesagt, ich sortiere selbst erst die Eindrücke von eben gerade im Kino (immerhin lief der bei uns zum Glück OmU).

    Nur mir fiel dieses seltsam detailverliebte 1973er Setting in seiner Dinglichkeit dermaßen ins Auge, dass ich fast automatisch mir die Frage stellte: Was genau ist die ästhetische Funktion dieser Elemente? In reiner Ausstattungsschwelgerei schien mir das nicht aufzugehen. Wie kommt das mit der Personenschilderung zusammen? Der BBC-Verfilmung der 1970er Jahre war das Setting völlig gegenwärtig und selbstverständlich, aber dreißig Jahre später und zwanzig Jahre nach dem Kalten Krieg ist sowas eine gewollte Aussage, die auf etwas verweist.

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  8. Vielleicht aufs Kino. Alfredsons Lieblingsfilm ist Coppolas THE CONVERSATION, dessen Echos hier in der Rückkehr zur visuellen Präzision des 70er-Jahre-Spionagefilms durchaus hörbar gemacht werden. So präzise gar, dass man eine Überhöhung vermuten könnte. Vielleicht wollte Afredson ja den besten Spy-Thriller der Seventies drehen, der in den Seventies nie gedreht wurde. Eine vergleichbar beschwörerische Zeitgeistästhetisierung gelang ihm ja schon in LET THE RIGHT ONE IN, auf unendlich subtile Weise.

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  9. Ach, du bist ja so post-postmodern, Liebste!

    "...auf unendlich subtile Weise."

    Damit sinken die Rajko-Aktien diese Woche wieder erheblich. Was ist denn das für eine klebrige Formulierung? Igitt.

    Den Film will ich unbedingt sehen, immer mehr, aber die Vorstellung, extra für eine 35mm-Projektion (alles andere scheint mir nach Besichtigung des Trailers nicht in Frage zu kommen) nach München zu fahren, schreckt mich angesichts monetärer Engpässe und der fürchterlichen Temperaturen doch sehr. Vielleicht hätte ich doch nach Berlin kommen sollen, da wäre OmU und 35mm ja sicherlich kein Problem.

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    1. Waren sie jemals gestiegen?

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    2. Und die Formulierung findest Du nur klebrig, weil Du mit Subtilitäten noch nie was anzufangen wusstest. Siehe Deinen Filmgeschmack. :D

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  10. Okay, jetzt ist nicht mehr nur klebrig, sondern schon unterleibszentriert, also unter der Gürtellinie. Ergo ist wohl Subtilität die Stärke deiner Schlagfertigkeit nicht, du Arme.:-) Mein Filmgeschmack ist stellenweise so unvergleichlich subtil, dass du nur die Segel streichen könntest, würdest du ihn tatsächlich kennen. Aber macht nichts, du bist trotzdem so geil, dass es mich fast aufwärmt in dieser tiefsten Winternacht, die mir die Nasenspitze kristallisiert, was dann wohl in etwa das physische Äquivalent zu ausgestellter Subtilität (= plakativer Subtilität) sein dürfte, und auf die stehst du doch mal total!

    Never mind. Ich hab zuwenig geschlafen, davon werde ich immer so unsubtil.

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  11. Ich hätte ja eigentlich nur schreiben brauchen, dass jede Subtilität absolut endlich ist, da Subtilität ja doch grundsätzlich mehr Fassung vorraussetzt als Plakativität. Sano würde allerdings bestimmt widersprechen, wenn ich nun tolldreist behaupten würde, dass Letztere die besseren Transzendenz-Vorraussetzungen mitbringt.

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  12. Hilfe! Bärenmutti entdeckt die praktische Linguistik. McKenziesche Filmphilosophie mit neuem Seitenschlag.

    Lass mich doch in Ruhe mit sowas. Natürlich war die Formulierung ein bisschen stullig. Hätte auch "zutiefst" schreiben können, würde ähnlich dramatisch klingen.

    Musste übrigens vorhin an Dich denken. Ich las etwas über IM SCHLOSS DER BLUTIGEN BEGIERDE und als ich den Film in der ofdb nachschaute, stolperte ich just über eine hohe Wertung von Dir. Keine Schundrecherche ohne meine Liebste. :-)

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  13. 8 oder 7/10 (Letzteres, bilde ich mir fest ein - bin zu faul, nachzusehen) ist doch laut dir bei mir keine hohe Wertung, dachte ich?^^ Sano und Andi sind die großen Fans, ich fand ihn "nur" sehr interessanten Schund, einen zusätzlichen Punkt gab es allerdings für eine Mega-Bärenszene und bizarren Real-Gore.

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  14. Adrian Hoven, der vergessen auteur des deutschen Kinos. Der kommt sogar noch vor Alexander Titus Benda. 8-D

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  15. Tsss. Da hättest du dir, bzw. ihr euch wirklich auch irgendeinen anderen deutschen Genrefilmer aussuchen können, die völlige Willkür, bzw. höchstens gesteigerte Misogynophilie hinter dieser Kürung von Adrian Hoven ist wirklich bar jeder Rationalität.

    (Ich mag die Filme ja auch, teilweise sogar sehr, aber das... das ist mir angesichts der viel interessanteren Alternativen auf diesem Sektor dann doch ein Rätsel. Ich schiebe es in deinem Fall auf deine mangelhaften Kenntnisse der Materie und in Andis auf den Fragwürdigkeitshaushalt^^)

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