Januar 21, 2012

Zuletzt gesehen: AMER

Ein Meisterwerk formaler Könnerschaft, das in der akribischen, ja geradewegs punktuellen Nachempfindung spezifischer Genremotive und ihrer Eigenschaften gleichförmig vor sich hin illustriert, während sich das ästhetische Flirten mit ruchbaren Symbolen und Inszenierungstricks nach und nach als bloße Anfertigung erweist. Statt den dargestellten (sexual-psychologischen) Horror zu ergründen, konzentriert "Amer" ihn von der ersten Minute an lediglich pittoresk auf der Bildebene, die seine ausufernden Einfälle in der Summe unsichtbar wie Fliegen auf grauem Samt werden lässt (lärmenden akustischen Signalen zum Trotz). Eindrucksvolle Kunstfertigkeit verklumpt zur wirkungslosen und bald auch lästigen handwerklichen Demonstration, die Aneignung der Grundlagen behauptet, aus ihnen aber keine eigene Kraft, geschweige denn genuine Sinneslust schöpft (oder nachvollziehbare Eindrücke). Was über dem Verpuffungseffekt bleibt, ist passivierendes Anschauungsmaterial, das seltsam zwischen Experimentalfilm und Giallo-Gebilde hängt, und dessen Potenzial in eine gesamtfilmische Form gepasst so viel realiter effektiver wäre. Ein laues stilistisches Lüftchen, das wohl nur in die hoffnungsvoll offenarmige Gunst der Genre-Aficionados wehen kann.


40%

Kommentare:

  1. ...muß man natürlich auch im Kino gesehen haben um sich der gesamten Visu-Masturbation gewahr zu werden...

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  2. Hätte gedacht, dass Du völlig auf den Film abfährst. Mich hat er auf Kopf- und Gefühlsebene jedenfalls ziemlich gepackt. Deine Kritik ist, wie eigentlich fast immer, nachvollziehbar aber fand ich gerade den Verzicht auf einen konventionellen narrativen Rahmen eine konsequente Entscheidung von den Machern, da dieser beim Giallo häufig eh uninteressant ist.

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  3. Sollte aus dem Kommentar hervorgehen, dass ich mir vom Film einen konventionellen narrativen Rahmen gewünscht hätte, so ist das ein Missverständnis.

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  4. Alles klar, hätte mich auch zutiefst schockiert :)

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  5. Kostverächter. Man merkt diesem Kommentar durch und durch an, dass du dich nicht loslassen konntest und wolltest, für den Film. Well... it's your loss.

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  6. Du scheinst in die Adam-Kesher-Phase deines Schreibens eingetreten zu sein :D

    Dehydration als Stilideal.

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  7. Das verstehe ich als Kompliment. Adam Kesher mag ich sehr.

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  8. "Hirn aus, Elusivität an."

    Ja und Nein. Man kann auch auf reflektierte Weise sein Gehirn ausschalten. Aber das kann man lernen, kein Grund zur Besorgnis.

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  9. Guter Kurzkommentar. Ging mir ähnlich. Man merkt, dass das der erste Langfilm der Regisseure ist, und sie nicht wirklich wussten, was sie mit all ihren Ideen machen sollten. Typisch style over substance. Aber man kann sichs durchaus anschauen (wie ähnlich gelagerte Filmhochschülerfilme/Enthusiastenfilme auch).

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  10. Cool, ihr kommt euch immer näher, macht weiter so! Es macht Spaß, zuzusehen.

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  11. Tatsächlich wollte ich noch nie einen Kommentar von Sano so sehr unterschreiben wie diesen. An der Regiedebütkrankheit leidet der Film wirklich in hohem Maße, das hatte ich so gar nicht bedacht gehabt. Erklärt auch vieles.

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  12. Natürlich haben Hélène und Bruno davor schon um die 6 Kurzfilme gemacht. Aber wie gesagt, es macht Spaß, zuzusehen. Leider habe ich gerade die Filmszene, aus der dieses Zitat entnommen ist (aus THE LOST EMPIRE) nicht parat.:-)

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  13. ja ja ja. Danke Rajko. Eingetrocknetes Cineasten-Sperma.

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  14. Eingetrocknetes Cineasten-Sperma... knorke.

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  15. Ekkehard Knörer gibt 42 %.

    Die Herren Burchardt und Cestnik befinden sich somit in standesgemäßer Gesellschaft.

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  16. Lustig, hier reihe ich mich mit einer ähnlichen Wertung ein. Der Film hat 2 (längere) Passagen, die für sich genommen so etwas wie aufregend waren, der Rest ist so fürchterlich uninteressant, dass es mich selbst wundert, dass ich mir das dann nach dem ersten ungläubigen Frust doch noch komplett, wenn auch mit ein bisschen FF, angeschaut hab.

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  17. Nach der ersten Episode kann man eigentlich auch vorspulen.

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