September 15, 2011

Zuletzt gesehen: THE WARD

Netter Twistorama-Gruselfilm, der als Debüt eines jungen Regisseurs eine unterhaltsame DVD-Premiere abgeben würde. Inszeniert von einem ehemaligen Genregenie, das mit Meisterstücken wie "The Fog" oder "Escape from New York" einst sowohl das Horror- als auch Science-Fiction-Kino bereicherte, ist ein banaler Psychothriller wie "The Ward" hingegen nur ein weiteres Armutszeugnis in der seit 30 Jahren mit mehr oder weniger filmischem Crap stagnierenden Karriere John Carpenters. Den Verlust von visueller Präzision mag man noch verknusen (Dean Cundey, wir vermissen dich), immerhin teilt Carpenter dieses Schicksal mit diversen Genrekollegen, deren Arbeiten die ästhetische (digitale) Wende des Kinos wohl einfach nicht überstanden haben, aber Himmel hilf: Einen so derart pappigen Stoff hätte der frühere Meister in Filmen seiner Hochphase bestenfalls noch während der Exposition (komplett) abgewickelt. Hilflos und vollkommen deplatziert wirken die Versuche, an aktuelle Genreströmungen anzuknüpfen (lästiges Torture-Porn-Gewusel, vgl. auch Dario Argentos "Giallo"), befremdlich und unwürdig das Kleben am schwachsinnigen Plot (inklusive Erklärbär). Und dann, ganz kurz, blickt sie hier und da tatsächlich mal durch, die einstige Brillanz Carpenters. Momentweise. Irgendwie komisch.


40%

Kommentare:

  1. In welchen Zusammenhang hat Burton denn dein Zitat des Monats gesagt? Der ist ja wohl ein Vollarsch.

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  2. Na so wie es da steht, er wurde zum aktuellen Jubiläum von CLOCKWORK ORANGE befragt. Ich find's lustig. Mehr als Kotzen fiele mir bei dem Film auch nicht ein. :)

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  3. So hat er das aber ja offensichtlich nicht gemeint...Sie hat eher gekotzt, weil sie besoffen war und er hat lieber den dämlichen Film geguckt, als ihr zu helfen.

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  4. Ach was? :)

    Liebe zum Kino halt. So muss das sein.

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  5. Naja, wenn er sich lieber so einen lumpigen Film anguckt, anstatt sich um seine notleidende Freundin zu kümmern, spricht das nicht gerade für Burton :(

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  6. Ich kann mich mit dieser Situation identifizieren.

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  7. Kein Wunder, ihr seid doch beide so gesellschaftsfremde, gefühlslose Unmenschen ;)

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  8. Gesellschaftsfremd ja, gefühllos nein!

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  9. Irgendwie interessiert sich hier niemand so recht für den jüngsten Carpenter ;)

    Deine Bemerkung zu den "Momenten", in denen der "alte" Carpenter durchscheint, finde ich sehr, sehr treffend. Das ist mir damals bei "Ghosts of Mars" schon so gegangen. Merkwürdigerweise freue ich mich darüber aber nicht einfach. Mich überkommt dabei immer eine noch größere Traurigkeit, als bei dem überwiegend mäßigen Rest des Films.

    Seit Mitte der 1980er Jahre will dieser Mann künstlerisch nichts mehr und kultiviert eine Lustlosigkeit, ja Wurstigkeit, die zum Gotterbarmen ist. Damals war Carpenter gerade um die Mitte/Ende 30! Man vergleiche das mit Hitchcock oder Eastwood. Ich kann ihm in Interviews kaum mehr zuhören. Neulich habe ich Leones "Spiel mir das Lied von Tod" mit Audiokommentar gehört. Die ödesten und uninteressantesten Passagen waren die Kommentare von Carpenter. Das scheint mir inzwischen sehr, sehr bedenklich.

    Im Rückblick bin ich deshalb schon seit geraumer Zeit etwas skeptisch gegenüber seinen Klassikern geworden. Wenn man genauer hinschaut, kann man die Ansätze des Verfalls auch schon in ihnen entdecken.

    Das Denkmal von Sockel zu stoßen, traue ich mich noch nicht. Noch will ich nicht.

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  10. Ein Carpenter-Denkmal gibt es bei mir sowieso nicht. Wie Du schon andeutest, sind auch seine tollen früheren Filme für mich jetzt keine Meisterwerke. Finde Carpenter recht überschaubar und nicht gerade abwechslungsreich (die meisten seiner Filme kann man ja eben doch auf Hawks-Variationen herunterbrechen), aber natürlich sind ASSAULT, FOG und ESCAPE großartige Filme (HALLOWEEN finde ich ja leicht überschätzt, DARK STAR mag ich eigentlich gar nicht und THE THING hat bei mir mittlerweile ein wenig abgebaut, trotzdem natürlich alles noch relativ super). Dann folgte von eins, zwei Ausnahmen abgesehen (STARMAN, PRINCE OF DARKNESS) der ganz große Blödsinn, der heute fast wie eine Parodie aufs eigene Schaffen wirkt (ESCAPRE FROM NY <-> ESCAPE FROM LA, ASSAULT <-> GHOSTS OF MARS). Hatte zuletzt irgendwann mal versucht BIG TROUBLE zu schauen, den hält man heute noch weniger aus als einst. THEY LIVE (vor wenigen Wochen geguckt) ist auch unerträglicher Schwachsinn. Weitere Tiefstpunkte folgten mit INVISIBLE MAN und VAMPIRES. Kann den Mann wirklich nicht mehr ernst nehmen, will er selbst wohl auch gar nicht (er soll ja sogar mehrfach gesagt haben, dass er keine Lust mehr hat).

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  11. Ach ihr, ihr mit eurer Genre-Missverstehung!
    GHOSTS OF MARS ist die Ultrakunst.

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  12. Ich sehe das ähnlich wie du, Rajko. John Carpenter hat schon einige sehr beeindruckende Filme gemacht. Für mich sind das "Halloween", "Assault" und "Das Ding aus einer anderen Welt". Davon abgesehen ist jedoch sehr viel Mittelmaß dabei, mit dem ich wenig anfangen kann.

    Bei Carpenter gibt es einfach das Problem, daß viele seiner Filme nach dem gleichen Muster gestrickt sind, so daß Verschleißerscheinungen auftreten (etwas, das Hitchcock beispielsweise durch genügend Variation seines gleich dutzendfach verwendeten "unschuldiger-Mann-auf-der-Flucht"-Lieblingsthemas seine gesamte Karriere hindurch vermeiden konnte). Dieses Gefühl bekam ich erstmals bei "The Fog". Zuvor hatte ich "Halloween", "Assault" und "Fürsten der Dunkelheit" gesehen, und alle laufen sie gleich ab: langsamer Spannungsaufbau, Etablierung der Atmosphäre, schließlich Belagerungszustand und - wenn man so will - zu guter Letzt noch eine kleine Pointe. Folglich fehlte mir bei "The Fog" das Aha-Erlebnis, das sich möglicherweise noch eingestellt hätte, wäre dies mein zweiter und nicht mein vierter Carpenter gewesen.

    Sicherlich, später kommen auch andere Stoffe dazu, wie das eher durchwachsene "Dorf der Verdammten"-Remake oder sein wirklich kaum durchzustehender "Big Trouble in Little China" oder der mißglückte Komödienversuch "Jagd auf einen Unsichtbaren" dazu. Aber zu dem Ursprungsthema kehrte er mit "Ghosts of Mars" wieder zurück. Von seinen Filmen nach "Das Ding..." für sehr gelungen halte ich eigentlich nur noch "Die Mächte des Wahnsinns".

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  13. Welcher in der zweiten Hälfte komplett einkracht und sich damit m.E. in die lange Liste der halbgaren Carpenters seit 1982 einreiht.

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  14. Für ein Carpenter-Comebackversuch schon recht mager geworden. Schade. Aber ein wirklich mieser Film ist "The Ward" nicht. Es gibt weitaus schlimmere.

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