September 09, 2011

Zuletzt gesehen: FILM SOCIALISME

Fragmentarisch, essayistisch, assoziativ, dialektisch und leicht senil, irgendwas davon wird schon stimmen. Eindrucksvoll montiert ist er ja, Jean-Luc Godards erhabener Gedankenstrom in 16:9, HD und überaus faszinierend gemischtem 5.1-Ton. Und in gewisser Hinsicht hat das geballte Thesendreschen den Anstrich einer harmonischen Paarung all der emotionalen und intellektuellen Manierismen Godards als Abschlusscollage, aus der man vieles schon kennt, die Haltung zu den Juden in Hollywood genauso wie den Hang zum Kulturpessimismus ("Quo vadis Europa"). Nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt, dass "Film Socialisme" womöglich die letzte Arbeit des Regisseurs bleiben wird, hinterlassen deren radikale Mosaike einen bestimmten Eindruck: Dies ist vielleicht der konsequenteste Godard-Film, den Godard noch hätte drehen können. Danach kann, danach muss Schluss sein. "NO COMMENT".


60%

Kommentare:

  1. o__O

    Na ja, ich kann es ja verstehen. Der Film ist schon auch sehr faszinierend, wenn er nicht gerade die Weißglut entfacht.

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  2. Bei mir bestand keinerlei Weißglutgefahr. Schlimmstenfalls habe ich mich stellenweise stark gelangweilt, unterm Strich aber ist das ein sehr eindrucksvoller auteuristischer Filmessay, den ich eher auf mich wirken lassen habe, statt ihn verstehen und ablehnen zu wollen.

    Ich schaue mir 100 mal lieber derart kraftvoll zusammengesetzte Gedankenfetzen an, als ein witzloses Filmbourgeoisieerzeugnis Marke Emigholz.

    Selbstverständlich aber bleibt Godards Werk auch weiterhin höchst problematisch.

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  3. Ich hätte den Film auch sehr gerne nur "auf mich wirken lassen" - er hätte mir dann wahrscheinlich sehr viel mehr gegeben. Aber ich persönlich empfinde es als unmöglich, Godard nur "wirken" zu lassen, bei dem ganzen Geschnatter und Getuschel und Geflüster. Ich hätte ihn vielleicht, wie zwei meiner verehrten E-Mitträumer, OHNE Untertitel sehen sollen, dann hätte sich bestimmt die Ultra-Sinnlichkeitskunst offenbart.

    "Selbstverständlich aber bleibt Godards Werk auch weiterhin höchst problematisch."

    Das habe ich doch schonmal irgendwo gehört?
    Tja, du bist nunmehr auch bei Godard "eingeknickt", Liebste - um es mit deinen Worten zu sagen.:-)

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  4. You wish. :)

    Ich übrigens habe ihn sogar in der vollständigen, also nicht der Navajo-Untertitelung gesehen, was der "Sinnlichkeit" (davon habe ich übrigens nicht gesprochen, wie Du weißt geben mir solch diffuse Rezeptionsbeschreibungen nichts) keinen Abbruch tat. Aber nun mal halb lang, ich fand ihn ja nun nicht herausragend, sondern eben gut.

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  5. Nonetheless... dubious.;-)

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  6. Nachdem du den grausligen CONFESSIONS mit 60% als "einer der interessantesten Filme des Jahres" bezeichnet hast, müsste demnach auch FILM SOCIALISME im weiteren Kreis deiner Jahreslisten-Kandidaten sein?! Das wär' ja wirklich kaum zu glauben! :)

    Btw: was an "Sinnlichkeit" so diffus sein soll, kapier ich ehrlich gesagt nicht wirklich. Natürlich kann man es prinzipiell mit diffusen sprachlichen Vernebelungen auch übertreiben. Aber andererseits: als ob Worte jemals mehr als nur mehr oder weniger diffuse Annäherungen an "Filmsprache" sein könnten...

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  7. Nein, da dieses Filmjahr bis jetzt bereits wirklich unerwartet viele hochkarätige Filme hervorbrachte, bewegen wir uns mit 60% dann doch nicht ganz im Bestenlisten-relevanten Bereich. :)

    Zum Rest: Ist mir zu intellektuell.

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