August 29, 2011

Zuletzt gesehen: MIDNIGHT IN PARIS

Nach großzügigem Cannes-Buzz, begeisterten Feuilletonarien und sogar klingelnden Kinokassen versprach "Midnight in Paris" einen Woody Allen in alter Form, bestenfalls sogar in Tradition seiner filmreflexiven Vergnüglichkeiten à la "Purple Rose of Cairo". Erwartung vergebens. Auch im alten Europa, das Allen zuletzt noch einmal zu später Frische anregte (so frisch ein Film von ihm eben sein kann), haben nun erneut Altherrenulk und formale Lethargie den Regisseur fest in ihrer Hand. Mit der Idee, Owen Wilson als Woodys Alter Ego auf berühmte historische Persönlichkeiten aus Kunst, Musik und Literatur treffen zu lassen, weiß der Film nichts anzufangen. Statt einen künstlerisch diskursiven Dialog zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu eröffnen, betreibt Allen ausschließlich Namedropping. Übrig bleibt ein einziger Leerlauf zwischen Paris-Postkartenstrecke und "gewitzten" Beziehungs- problemchen – eine müde pointierte, betagte Komödie für Bildungsbürger jedweder Couleur, in der es wieder einmal um rein gar nichts geht.


30%

Kommentare:

  1. Dr. Strangelove29/8/11 13:05

    Endlich schreibt das mal einer. Danke! Allen dreht solide Filme. Schön. Aber jedes Jahr heißt es: "die Film sticht heraus". Und es stimmt nie. Ich fühle mich unterhalten. Jahr fürs Jahr. Nicht mehr, nicht weniger. Aber richtig aufregend, spannend ist das halt nicht.

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  2. Puh, klingt erschreckend glaubwürdig, wie immer, wenn du über Allen schreibst. Es ist aber auch wirklich unfassbar: Ich musste als Vorführer die Trailer der letzten vier Allen-Filme teilweise bis zu 40 Mal über mich ergehen lassen und die wirken auch schon immer gleich, monoton, nicht einmal von Trailer-Manipulationen umgebürstet, einfach Szenen aus den Filmen - die immer gleich und filmisch langweilig aussehen - auf 2 Minuten ausgekotzt. Ich fürchte, dass Allensche Spätwerk ist beherrscht von einem Zynismus, der so tief sitzt, dass er nur von routiniertem Bürgerkitsch kontrolliert werden kann. Es wäre aber vielleicht um Einiges interessanter, wenn sich Allen diesem Zynismus mal so richtig ergeben und eine ultraassige Mega-Sauerei drehen würde.

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  3. ANSÄTZE davon waren in VICKY CHRISTINA BARCELONA erkennbar, auch wenn das immer noch weit entfernt ist von Sauerei.

    Zur "filmischen Langeweile": Was Allen m.E. immer noch beherrscht, und weshalb ich selbst seine schlechten Filme wie MIDNIGHT IN PARIS immer noch erträglich finde, ist eine recht präzise Mise-en-scène, in deren Szenenbild er seine Figuren schön artifiziell anordnet. Und Dialoge schreiben kann er natürlich auch. Aber das jedes Jahr auf's Neue und stets gleich ist einfach so schrecklich langweilig.

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  4. Mr. Hankey2/9/11 17:36

    War mir irgendwie klar das Du den nicht magst, denn mich hat der Film langsam echt zum Allen-Fan gemacht. Fand seine Filme ja meist ganz in Ordnung, aber auch nie herausragend. Doch "Whatever Works" und nun "Midnight in Paris" lassen meine Meinung über Allen langsam schwanken. Für mich ist "Midnight in Paris" definitiv einer der besten Allen seit langen. Heute morgen das zweite Mal drinnen gewesen und immer noch begeistert. Der Film steckt voller wunderbarer Ideen, packt in seiner Ruhe (da waren viele Allens weit langweilliger) und der künstlerisch diskursive Dialog ist besser und unterhaltsamer denn je!

    90% für diesen "Altherrenulk", der kaum besser sein könnte. Nur was für "Bildungsbürger"? Von wegen...

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  5. Gerade gesehen und muss dir zum Teil zustimmen: Die grundsätzlich gute Idee des Films wird leider nicht konsequent genug genutzt, sondern für eine recht banale Liebesgeschichte geopfert. Aber: Sind nicht alle Liebesgeschichten letztlich banal?

    Schade, das hätte ein ganz großer Allen werden können. Aber ganz so schlecht, wie du ihn hier machst, ist er nun auch nicht. Immerhin hat er es geschafft, mich über die gesamte Laufzeit bei Laune zu halten :)

    Mein persönlicher Favorit in seinem Œuvre ist übrigens "Deconstructing Harry". Der liegt nun auch schon 15 Jahre zurück *seufz*

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  6. Das Problem des Films ist nicht die Liebesgeschichte, sondern dass ihm zu seiner Idee nichts weiter einfällt als bloßes Namedropping und runtergespulte historische Klischees.

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