August 07, 2011

Kino: THE SMURFS

La la la-la la la, sing a happy song – so beginnt er, der Schlumpfwahnsinn. Die blauen Pilzhüttenbewohner des Belgiers Pierre Culliford alias Peyo haben sich in Comics, Liedgesängen und der amerikanischen Zeichentrickserie durch die ganze Welt geschlumpft. Über 50 Jahre begeisterten die Schtroumpfs, so sie eigentlich heißen, Groß und Klein – und wohl ein jeder hielt sie schon in Form winziger Hartgummifiguren in der Hand.

Hierzulande gelang es nicht zuletzt Vader Abraham und seiner irritierend erfolgreichen Hitsingle ("Sagt mal, von wo kommt ihr denn her? – Aus Schlumpfhausen, bitte sehr!"), die kleinen Mützenträger im kollektiven Bewusstsein zu verankern, dicht gefolgt von nicht minder kuriosen Techno-Liedchen. Nach diversen Lizenzschwierigkeiten und Startverschiebungen wollen die Schlümpfe jetzt in einer Mischung aus CGI- und Realfilm die Leinwand erobern – als Familienkomödie, klar.

Da Comickreaturen im Kino nicht selten aus ihrem phantastischen Kontext gerissen und in unsere Welt gebracht, zumindest aber mit menschlichen Sidekicks kombiniert werden müssen (siehe "TMNT" oder "Garfield") spielt der neue Schlümpfe-Film nicht im heimeligen Pilzdorf, sondern kurioserweise in New York. Dorthin verschlägt es Papa Schlumpf und Co., als sie auf der Flucht vor dem hinterlistigen Hexenmeister Gargamel (Hank Azaria) und dessen Kater Azrael durch ein magisches Portal gelangen.

Die unschön computeranimierten Däumlinge purzeln direkt in den Central Park, und ihr Widersacher ist ihnen natürlich geradewegs auf der Spur. Schlumpf sei Dank finden die blauen Quälgeister Schutz bei einem Werbefachmann (HIMYM-Star Neil Patrick Harris, nun also einer der ganz wenigen offen schwulen Schauspieler, die im Kino noch als heterosexuell durchgehen dürfen) und seiner schwangeren Verlobten, die ihnen bei der Reise zurück ins Verwunschene Land behilflich sein wollen.

Das bereits mit dieser aufs Simpelste herunter gebrochenen Prämisse stark überforderte Drehbuch lässt fortan keine Gelegenheit aus, den vermeintlichen Kulturcrash mit zotigen Schwachsinnswitzen und aalglattem Windelweichhumor anzureichern. Da knallt dann irgendein Schlumpf gegen den anderen, weil ihm die Mütze zu tief ins Gesicht hängt, oder rammt (der nur noch halbböse) Gargamel einen fahrenden Bus. Diese Anhäufung langbärtigster Bananenschalengags muss 100 Minuten Schlumpf-Spaß decken, und die Kinnings, die sollen’s lieben.

Die Kinoversion der "Schlümpfe" ist leider eine ziemliche Zumutung, was angesichts ihres Potenzials und der zumindest noch leicht niedlichen Trailer im Vorfeld doch ein wenig überrascht. Dass man die winzigen Racker derart leb- und lieblos zu einem keimfreien Kleinkinderabenteuer adaptieren, ihnen jeden Charme und jede (versteckte) Derbheit rauben würde, war so nun wahrlich nicht absehbar und dürfte zumindest die Fans (sofern es hiernach überhaupt noch welche geben sollte) enttäuschen.

Von einer einzigen gewitzten Anspielung zu Beginn des Films abgesehen, bei der Gargamel schnippisch auf die unterrepräsentierten weiblichen Schlümpfe hinweist, ist das alles nur ein ätzend harmloser, einschläfernder Nonsens. Von A bis Z formelhaft abgewickeltes Family-Entertainment, frei von jedweder Ambition und einfallslos heruntergespult vom "Scooby Doo"-Regisseur und Auftragsfilmer Raja Gosnell, der sich ein ums andere Mal als Spezialist für konsequente Franchise-Verwurstung und müde Späße erweist.

Das alles ist schon erst recht gar nicht damit zu entschuldigen, dass "Die Schlümpfe" ja für Kinder gedacht sei. Diese nämlich werden so penetrant mit US-familienfilmtypischen Ansprachen, allerschlimmstem Versöhnungskitsch und moralinsauren Belehrungen übergossen, dass man jüngere Zuschauer sogar eher noch vor dem verlogenen Friede-Freude-Eierkuchen-Unfug schützen sollte. Da der Film die Verblödungsgrenze weit unten ansetzt, muss man ihn schlussendlich sogar als bevormundend missverstehen – und das kann ja nun garantiert nicht im Interesse der kleinen sein.

Über so viel Ärgernis möchte man dann schon gar nicht mehr fragen, warum der Film den Handlungsort des Comics bzw. der Trickserie in den Big Apple verlegt, um damit das ja eigentlich so reizvolle Prinzip einer geschlossenen Schlumpfgesellschaft hinter sich zu lassen. Aber womöglich geben sowohl der unverhältnismäßige Einsatz schrecklich doofer Popsongs, als auch ein Übermaß an Product Placement darauf eine ziemlich klare Antwort: Hauptsache Ausverkauf.


20% - erschienen bei: gamona

Kommentare:

  1. Das kann man sicherlich alles so kritisieren, aber dies ist kein Film, der auf Erwachsene abzielt. Für die Zielgruppe bis 12 Jahre ist er genau richtig.

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  2. Das klingt so als hättest Du was anderes erwartet...

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  3. Das einzige denkbare Format wäre ein Trickfilm alà Simpsons gewesen. Man hätte das ganze ja etwas moderner aufpeppen können, ähnlich wie die Heinzelmännchen vom ZDF.

    Ist der eigentlich auch in 3D? ;-)

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  4. @Okami:

    Stimmt auch. Mein Fehler. :(

    @Dude:

    Natürlich wieder 3D. Was sonst. :(

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  5. Eigentlich schade, da man einen atmosphärischen Mittelalterfilm hätte produzieren können. Die Schlümpfe könnten für die Kinder eine schöne Unterhaltung bieten und bei Erwachsenen Nostalgie auslösen, jedoch muss man bewährtes neu anpassen.

    In einer fremden Großstadt, mit stereotypen Figuren und Inhalte, welche wie angesprochen in keinster Weise amüsant sind. Das Gesamtwerk wird dann selbstverständlich in 3D angeboten.
    Verschenktes Potential, aber anscheinend ein netter Nebenverdienst für Neil Patrick Harris.

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  6. Manche deiner Reviews lassen das künstlerische Grauen so plastisch in meiner Leserphantsie aufleben, dass ich mich fühle, als hätte ich den Film zwangsweise doch erleben müssen :)

    Aber im Ernst: Ich hatte nur von ferne und nebenbei von diesem Film gehört, aber selbst das hatte genügt, um schnell weiterzuklicken. Hast du tatsächlich auch nur den Hauch eines Grundes gehabt anzunehmen, hier hätte irgendjemand von Anfang an etwas anderes im Sinne gehabt als Abgreiferei?

    Na gut, schön, dass du für den Rest der Menschheit auch hier in der vordersten Frontline der Rezeption durchgehalten hat. Ab und an muss man ja auch den unteren Rand der Geschmackskala nacheichen und kann bei gamona möglicherweise ja tatsächlich jemanden noch warnen, folglich also Gutes tun. Mir wäre das ein zu hartes Berufsleben ;)

    Verleiht irgendwer sowas wie das goldenen Verwundetenabzeichen für Reviewschreiber?

    P.S.: Ich hoffe, niemand in meinem Umfeld kommt auf die Idee, ich solle doch bitte mit ins Kino kommen, um die Kinder mit den "Schlümpfen" zu bespaßen. Das Grauen, das Grauen...

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  7. Ich weiß nicht wieso, aber ich dachte aus irgendeinem Grund, dass der Film niedlich werden und mich eventuell über anregende Gedanken zum Dadaismus inspirieren würde. Meiner Naivität sind keine Grenzen gesetzt.

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  8. Mr. Hankey12/8/11 17:16

    Ich werde mir diesen Frevel von einem Film niemals geben. Dafür liebe ich die Schlümpfe in ihrer alten Form viel zu sehr! Der einzige Reiz wäre der 3D-Effekt, denn der Film ist ja wirklich in 3D gedreht worden und wurde nicht konvertiert. Aber das allein reicht nicht (mehr) aus und die Schlümpfe gehören einfach von Hand gezeichnet und in den Wald. Basta!

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  9. Wie ich gerade erfreut feststelle, hast du deine Reviews aus der OFDB genommen. Volle Zustimmung dazu von mir.

    Achja, der Film Blue Moon war auch wieder cool. Allerdings ist inzwischen der Anteil der Stammanrufer zu hoch, das ist alles sehr vorrausschaubar. Da muss mal ein neuer Wind rein.

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  10. Volle Zustimmung dazu von mir.

    Wieso das? :)

    Zum FBM: Stimmt wahrscheinlich.

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  11. Weil es bei der OFDB meiner Meinung nach bei zu vielen nur daurm geht, ihr Ego in den Vordergrund zu rücken und die Filme dazu benutzt werden, aber eigentlich stark in den Hintergrund rücken. Mit anderen Worten, es wird mehr über die Leute als über die Filme diskutiert.
    Bin aber auch schon seit vielen Jahren nur noch selten da, von daher weiss ich nicht, wie es inzwischen aussieht. Es ist aber defintiv für niemanden ein Verlust, dort nicht präsent zu sein.

    Wobei der Blue Moon natürlich immernoch toll ist und da es im deutschen TV irgendwie kaum Kinomagazine gibt, auch eine sehr hohe Relevanz hat.

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