Juni 14, 2011

Kino: THE TREE OF LIFE

Jeder neue Film von Terrence Malick ist ein Ereignis, allein weil es ein neuer Film von Terrence Malick ist. Fünf großartige Langspielfilme in vierzig Jahren, keine öffentlichen Auftritte und gerade mal eine Handvoll Photos seiner Person haben zu einer Legendenbildung beigetragen, die ihn als einen der herausragenden amerikanischen Regisseure unserer Zeit ausweist.

Nach
"Badlands" (1973), "Days of Heaven" (1978), "The Thin Red Line" (1998) und "The New World" (2005) nun der "Tree of Life", Malicks ganz eigenes Epos von Schöpfung und anderen überlebensgroßen Themen. In Cannes wurde dieses wahlweise ausgebuht und beklatscht, gewann aber trotzdem die Goldene Palme als bester Film. Das Gemüterspalten zwischen Empörung und Faszination ist eigentlich die beste Voraussetzung für "The Tree of Life", Malicks Magnum Opus.

Eine durchgehende Geschichte erzählt der Film nicht, seine Struktur ist labyrinthisch und streng assoziativ. Gerahmt wird er von Monologen, Rückblenden und Gedankenfetzen eines Geschäftsmannes (Sean Penn), der nach schwerer Kindheit und dem Verlust des Bruders in einer Sinnkrise aus Fragen nach Diesseits und Jenseits gefangen ist. Sein Vater (Brad Pitt) war ein strenger Patriarch, gescheitert an eigenen Lebenszielen, seine Mutter (Jessica Chastain) eine bedingungslos gutherzige Hausfrau.

Malicks Entwurf der archaischen Kernfamilie führt zunächst einmal zum Ursprung aller Existenz. In einer unklaren Mischung aus Kreationismus und Evolutionstheorie gebären seine Bilder den Kosmos, die Welt und das Leben aus dem Nichts, angereichert mit Zitaten Hiobs. Zyniker werden das als aufgeblasene Trash-Esoterik bezeichnen, Polemiker als hochnotpeinliches Schwimmen in der eigenen Ursuppe. Ich nenne es betörenden Größenwahn. Alles oder nichts: Ein audiovisueller Gedankenstrom, ausgetragen aus Bedeutungs- schwangerschaft im ganz großen Stil.

140 Minuten lang zelebriert Malick Bilder von Schöpfung, Entwicklung und vermutlich göttlichen Interventionen. Seine Schauspieler sind Statisten, die mit wenigen Dialogen auskommen und sich den fragmentarischen Zusammenhängen ihres Regisseurs fügen müssen. Zu den anbetungswürdigen Bildern des derzeit besten Kameramanns der Welt, Emmanuel Lubezki, lässt Malick vorzugsweise Musik sprechen und überlegt Urknall und spielende Kinder auf Wiesen mit Mahler, Brahms und Smetana, sowie gelegentlichen Original- kompositionen des wiederum derzeit besten Filmkomponisten der Welt, Alexandre Desplat.


"The Tree of Life"
geht einem quasi universellen Existentialismus auf den Grund. Er fragt, ob der Mensch biologisch oder göttlich ist, ob er sich nur im Erleben seiner selbst verstehen oder doch nur Teil einer allgemeinen Ordnung sein kann. Malicks Film aber ist keine Lehrstunde in Philosophie, viel zu unkonkret sind seine Sinneseindrücke, Gedanken und Ausschnitte, um sie zum Diskurs erklären zu können. Auf eine berauschende Art montiert er Bilder und Musik zu einer ständigen Bewegung, in der der Zuschauer angeregt ist, dem spirituellen Strom gedanklich zu folgen. Anders als bei Ingmar Bergman oder Andrei Tarkowski ist die Beschäftigung mit Gott dabei noch eine Option, keine Voraussetzung.

Filme, die sich an solch gewaltige Themen wagen, die über Ursprung, Sein und Vergänglichkeit sinnieren, um die passende Entstehungsgeschichte allen Lebens gleich noch mitzuliefern, laufen immer Gefahr, sich zu verheben an der eigenen Überambition. Einem Spät- bzw. Alterswerk wie "Tree of Life" kann und wird man genauso Senilität unterstellen, wie man dies bei Francis Ford Coppolas "Youth Without Youth" oder anderen GGFÜA-Filmen getan hat – den "ganz großen Filmen über alles", wie Ekkehard Knörer sie einst treffend bezeich- nete.

Gerecht wird man einem Meister wie Malick damit gewiss nicht. Sein Film ist persönlich und intim, nicht erhaben. Wenn man
"Tree of Life" mit Stanley Kubricks "2001" vergleichen möchte, so wie zahlreiche Cannes-Kritiker, weil er an dessen Bildgewalt und Auseinandersetzung mit der conditio humana anknüpfe, muss man auch hinzufügen, dass Malick nicht vom Dinosaurierbaby zum menschlichen Säugling wie Kubrick vom Knochen zum Raumschiff schneidet. Er verzichtet auf vordergründige Komplexität und kreiert auch keine Bilder einer bloßen Aussage wegen. Bei Malick geht es um Mensch und Natur, nicht Technik und Technizismus.

Es ist schwer, der Begeisterung für diesen Film sinnvoll Ausdruck zu geben. Das bloße Aufzählen von durchaus widersprüchlichen Eindrücken – ergreifend, metaphysisch, verrückt, transzendal, gigantisch, banal, meditativ, anstrengend, vollkommen – wird ihm nicht gerecht und führt doch nur zu plattitüdenhafter Unklarheit und Behauptung. Es ist ganz profan: Entweder man findet einen Zugang zu diesem Film oder man findet ihn nicht. Es mag eine Frage der Haltung sein, Sinnlichkeit erfahrbar werden zu lassen und anzunehmen, oder eben sich ihr zu verwehren.



95%
- erschienen bei: gamona

Kommentare:

  1. nun gut, also weniger Kritik, als der Versuch einer solchen. Da bin ich ja mal gespannt. Und der beste Kameramann ist natürlich Roger Deakins, da hast du dich nur verschrieben

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  2. Deakins ist mega, aber gegen Lubezkis anbetungswürdige Kameraarbeit in SLEEPY HOLLOW, THE NEW WORLD und vor allem CHILDREN OF MEN hat auch er keine Chance.

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  3. Zu Desplat muss ich Dir recht geben - der gehört derzeit wirklich zu den allergrößten!

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  4. Dass ich das noch erlebe, Rajko streckt die Waffen (obwohl der anscheinend geordnete Rückzug vom Review ja geschickt doch einige Hinweise gibt). Gut, der Film stand eh auf meiner Liste weit oben, den muss und will ich im Kino sehen. Bin sehr gespannt.

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  5. Kino ist hier wirklich Pflicht. Ein Film, der daheim bestimmt 50% an Wirkung einbüßt.

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  6. Der nächste der Beifall klatscht.

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  7. Wie ist denn der 3-D-Effekt?

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  8. Funktioniert der Film "besser", wenn man Malicks bisherige Werke kennt (habe zumindest ähnliches an anderer Stelle gelesen), oder kann man es auch komplett unvorbelastet wagen?

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  9. Kann man auch "unvorbelastet" (welch hässliches Wort angesichts so schöner Filme). :)

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  10. Mein Seminararbeits-Gedöns färbt langsam auf meinen Wortschatz ab, ich bitte um Verzeihung :P
    Malick werde ich mich in nächster Zeit aber sowieso widmen, die Frage war nur, ob vor oder nach meinem Kinobesuch. Ich bin jedenfalls gespannt :)

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  11. Dass Du bisher nichts von ihm kennst ist eigentlich nicht akzeptabel. :P

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  12. Ich gelobe ja schon Besserung :) THIN RED LINE habe ich vor Ewigkeiten mal gesehen, aber meine Erinnerung lässt mich da etwas im Stich :P

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  13. Der bisher einzige Film des diesjährigen Kinojahres, den ich unbedingt im Kino sehen möchte. Und siehe da, er läuft mal wieder NIRGENDS. "There Will Be Blood RELOADED".

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  14. Ohne TREE OF LIFE gesehen zu haben, so würde ich trotzdem widersprechen wollen. Seit THE NEW WORLD - für mich sein bisher bester - radikalisiert sich Malicks assoziativer Stil immer mehr und stößt sehr vielen Menschen vor den Kopf. Eine gewisse Vorbereitung kann gewiss helfen, seinem Neusten nicht völlig hilflos gegenüber zu stehen.

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  15. Für mich war der Film eine einzige Tortur. Ich mochte The Thin Red Line sehr, konnte dem Pocahontas-Film nicht viel abgewinnen, ging aber mit Vorfreude und extra hellwach gestern Nachmittag ins Kino. Und danach extrem erbost, leer und übermüde wieder raus. Dieser Film ist voll von prätentiösem Müll, noch mehr religiösem Müll und langweiligen Charakteren mitsamt Nullgeschichte. Der Schnitt war für mich der schlimmste, den ich je gesehen habe. Anders: lass einen Filmstudenten einen popelnden Jungen, einen hüpfenden Ball und eine Pfütze im Regen ohne feingefühl zusammenschneiden, dem Ganzen für die Wichtigkeit ein wenig klassische Musik drunterlegen und das Donnerwetter, was er sich anhören kann, ist vorprogrammiert. Aber Malick darf das und kriegt sogar Preise dafür. Ich hatte das Gefühl, dass er, nachdem alles im Kasten war, nicht mehr so recht wusste, wie er daraus nun 'nen Film machen soll. Alles in den Mixer, Musik drunter, Off-Sprecher drüber. Wird schon. Allein dieser billige Sternchenfilter über der Sonne (die IMMER nah am Horizont steht und in jeder 2ten Szene zu sehen ist) nervt gewaltig. Das lächerliche Finale am Strand ist einfach nur noch dümmster Kindergarten, aber da war ich schon zu sauer und müde, um laut drüber lachen zu können.

    Einzig die Genesis-Sequenz in der Mitte war ansprechend, wenn auch egal und nicht neu, aber atmosphärisch sehr, sehr schön.

    Herrlich auch, dass Leute, die diesen Film feiern, zumeist Enter The Void aufgrund seiner Langatmigkeit, Prätentiösität und Inhaltsleere kritisiert haben. Das versteh ich nicht. Doch. Stimmt. Steht ja Malick drunter und der Mann ist wohl so heilig wie der Gott, den er in jeder Sekunde beschwört. Wunderbares Schlusszitat aus der ZEIT: "Gegen den Regisseur Terrence Malick ist Papst Benedikt ein Aufklärer." ...sehr treffend.

    Für mich die größte Filmenttäuschung seit Jahren.

    (jaja, ich weiß, ich hab ja einen entsetzlichen Filmgeschmack)

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  16. Dr. Strangelove17/6/11 17:15

    Stimme hier Silent Rocco vollkommen zu. Nachfolgend kann es zu SPOILDERN kommen.. also Obacht.

    War also Im Kino. Die ersten 40 Minuten waren nervig. Weltraum, Zellteilung, Dinos. Absolut schlecht geschnitten. Was auf den ganzen Film zu trifft.)
    Zwei Szenen wurden immer und immer wiederholt.
    Kamera filmt den Baumwipfel
    Kamera filmt das Meer von unten.
    Dazu absolut grausige Musik (Opernsängerin-lalalala)
    Der Mittelteil war okay. Aber viel zu oft standen die Protagonisten einfach nur im Garten, im Haus, auf der Straße herum und schauten über die Schulter an der Kamera vorbei. Möglichst "Bedeutungsschwanger". Immer wieder "Mutter, Vater, Bruder Geflüster" .. ab und an ein Dialog. Dann "Christliche Texte Gemurmel".

    Das Ende des Films ist ein einziger Christentum Werbespot. Wie aus dem Heft "Erwachet" von den Zeugen Jehovas entsprungen. Da kommen alle Menschen noch mal zusammen. Der ältere Bruder trifft auf seine Mutter, auf seinen jüngeren Bruder, den Vater, auf schwarze Menschen die einfach so vorbeilaufen. Die Mutter hält mal eine alte Hand, dann eine junge Hand. Hände in der Sonne... Kitschbilder.

    Absurdeste, dümmste Bilder EVER:

    1. Eine Maske (wie in Venedig) versinkt im Meer!
    2. Sean Penn im Anzug watscht durch eine Wüste wo eine Holztüre steht, und schreitet bedeutungsschwanger hindurch.


    Und ich bin jemand der Filmemacher wie Takeshi Kitano mag, "Hanna-Bi" oder selbst mit meditaiven Filmen wie "Spring, Summer, Fall, Winter... and Spring" von Kim-KiDuk was anfangen kann.

    Einige Weltraumbilder waren auch echt schön. Aber es aht oft nicht gepasst, war schlecht geschnitten, schwarzblenden. Der Charakter der Frau war überhaupt nicht präsent.

    Ich fand es schön das einfach so Kinder beim spielen gezeigt wurde, ohne größere Handlung. Das finde ich SUPER. Aber man sah nie die Frau mal Teller abspülen. Nur immer Brad Pitt wie er seinen Söhnen oder anderen Kindern den Kopf tätschelt oder andere absurde Gesten die natürlichkeit zeigen sollten... aber es nicht schafften.

    Manchmal hatte ich auch den Eindruck das der Regisseur die Bilder dann einfach verwendet hat, den Ton abdrehte.. und irgendeinen christlichen Text drüber sprechen lies. Und alles war mit Musik zugekleistert.

    Und die Geburt eines Kindes... meine Güte... der Vater lauscht am Bauch und hält ein kleinen Fuß in die Hände. Das war wie eine Werbung für eine Sekte. Ich fand es stellenweise unerträglich.

    Und ich schätze und mag frühere Werke des Regisseurs sehr. Und mag auch wenn es noch abstrakter wird. Super. Aber dennoch ist der Film nur so mittel... bis hin zu schlecht... wegen den religiösen Kitschbildern. Komet rottet Dinowelt aus.... das hätte er sich auch sparen können.

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  17. Dr. Strangelove17/6/11 17:17

    Maske sinkt ins Meer hinab. Sean Penn schreitet in der Wüste durch eine Tür. Christliche Zeugen Jehovas Bilder am Ende. Wasn Schrottfilm.

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  18. "Absurdeste, dümmste Bilder EVER:

    1. Eine Maske (wie in Venedig) versinkt im Meer!
    2. Sean Penn im Anzug watscht durch eine Wüste wo eine Holztüre steht, und schreitet bedeutungsschwanger hindurch."

    Haha, ja, neben dem Strandbild am Ende waren das wirklich DIE zwei Szenen, bei denen es mir auch innerlich hochkam. So lächerlich.

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  19. Onaniert ihr eigentlich gegenseitig auf eure abgeklärte Bescheidwisserei?

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  20. Du magst den Film, wir mögen ihn nicht. Gibt sehr viele, die ihn lieben, gibt sehr viele, die ihn scheiße finden. Bescheid wissen tut keiner von uns.

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  21. Und jetzt auch noch mit 'nem Konsenskommentar einknicken.

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  22. Dr. Strangelove17/6/11 20:45

    @Rajko Burchardt: Auf jeden fall. Ich habe ja gewisse Szenen herausgepickt... die ich als besonders schrecklich fand. Spiegel und Co. halten sich ja mit der "Deutung" des Films sehr zurück. Ich finde es ein wenig schade das keiner der Kritiker/Journalisten diese extrem flache Symbolik in dem Film "anprangert" oder so... sondern im Gegenteil die super Bilder des Kameramannes lobt. Die auch wirklich toll sind. Aber teils sind die Szenen halt echt bescheuert.

    Und zweitens sollten sich die Kriitker echt mehr über den christlichen Aspekt des Films schreiben. Das war für mich unterträglich. Da waren Bilder im Film die man sonst nur von Scientology und Zeugen Jehovas kennt. Reine Propaganda.

    Ich finde Gott in einem Film zu thematisieren super. Auch als Atheist. Aber dann bitte nicht so flach wie in "The Tree of life". Und es kann mir keiner sagen das man die "Paradies Bilder" am Ende auch ganz anders deuten kann.

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  23. "Ich fühlte mich verarscht, manipuliert usw. Und dieses ganze Gebrabbel von Meisterwerk geht mir ziemlich auf den Senkel. Wobei ich glaube, dass die Trennlinie zwischen Fans und Gegnern des Films generell die gleiche ist wie zwischen Gläubigen und Skeptikern/Atheisten. Der Film ist ein Gottesdienst - leer, geschwätzig, formelhaft. Aber ich kann es verstehen, wenn er bei gewissen Leuten gewisse Saiten zum Klingen bringt."

    Ein hauptberuflicher Filmkritiker in einer Nachricht heute an mich. Leider wird öffentlich bei vielen Rezensionen der Ball aus Geschäftsgründen ein wenig flacher gehalten. Die intellektuelle Elite muss doch zusammenhalten, Kunstfilm kritisieren - auch, wenn er total missraten ist - bedeutet ja doof sein.

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  24. Den nächsten Kommentar von solch schwachsinnigem Ausmaß veröffentliche ich nicht mehr.

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  25. Dein hauptberuflicher Filmkritiker ist in jedem Fall überbezahlt. TREE OF LIFE ist doch kein Gottesdienst. Ich wusste nicht, dass es tatsächlich noch Leute gibt, die nicht an Dinos glauben. Es ist einfach ein sehr natürlicher, spiritueller Film mit einer uneingeschränkten pantheistischen Sichtweise, die nichts verbietet.

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  26. Joe Giilis18/6/11 02:02

    »Hauptberuflicher Filmkritiker« klingt ein bißchen nach »hauptberuflicher MfS-Mitarbeiter«.

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  27. Silent Rocco18/6/11 08:49

    Ich möchte nur keinen Namen und Seiten nennen, weil es eben eine private Nachricht an mich war. Aber klar, hätte wissen müssen, dann dann gleich rumgetrollt wird. Naja, wie man zumindest an unseren Kommentaren erkennen kann, es ist wieder so ein Liebe/Hass-Film, immerhin, das würd ich ihm anrechnen. Sowas ist immer besser als egal aka 80% des normalen Filmoutputs.

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  28. Gerade gesehen, empfand ihn irgendwie als ubergroß, deine Review finde ich toll und wird dem Film vollkommen gerecht.

    Ich will auch gar nicht mit Leuten diskutieren, ob der Film gut oder schlecht war, da er eher einer persönlichen Erfahrung gleich kommt - aber folgendes kann ich mir nicht verkneifen:

    "Allein dieser billige Sternchenfilter über der Sonne"

    Das ist irgendwie das Ignoranteste, aber zugleich auch Lustigste, das ich seit langer Zeit gelesen habe^^

    Nichts für Ungut ;)

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  29. Guten Abend Rajiko,...ich störe nur ungern so spät , aber hast du vielleicht Booh gesehen? Er hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht THE TREE OF LIFE an allen Ecken, Fronten und Blogs zu verteidigen, was ja für sich betrachtet in Ordnung geht, aber da er seit 4 Tagen nicht mehr zum Abendessen erschienen ist mache ich mir schon langsam Sorgen...

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  30. Ehm, keine Ahnung. Vielleicht gönnt er sich ja mal eine Onlinepause. Sorg' Dich nicht, Bartelein.

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  31. Sein Film ist persönlich und intim, nicht erhaben.

    Oje.

    Nach dem "Genuss" (dem partiellen, neben der häufigen Qual) des Films kann ich dir da nur kräftig wiedersprechen. Und verwundert den Kopf schütteln, wie du die Augen über soviel Göttlichkeitsduselei und semi-philanthropischer Didaktik (im sehr wohl sehr narrativen und das auf durchaus triste Weise, Mittelteil) verschließen konntest. Jedenfalls finde ich es ziemlich unfassbar und irgendwie auch total toll, dass du dem Film völlig erlegen bist, während die intellektuelle deutsche Filmkritik - eher zurecht als zu unrecht - "Bäh!" schreit.
    Mit letzterem kann ich mich eher identifizieren, setze mich dabei aber auch gerne zwischen die Stühle und finde den Film einen duften Schangel-Spaß UND eine bescheuerte Eso-Schlockbombe mit ebenso vielen tollen, suggestiven wie auch megapeinlichen, schämenswerten und schmerzhaften Momenten. Ingesamt definitiv mißlungen, aber natürlich nicht unbemerkenswert.

    PS:

    "This is where god lives!"

    Jauuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuullllllllll!!!!!!!

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  32. Sehr interessant, wie der Film einen Riss durch die Cinewelt zieht. Und ebenso interessant, dass Du Dich hier dem Kritikerkanon fügst. :P

    Ich freue mich jedenfalls auf die Sechs-Stunden-Fassung. :)

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  33. Malick ist Materialist. Punkt. Dass wir Menschen trotzdem meinen können, irgendwo da oben, im kosmologischen Nichts, sei Gott, fasziniert ihn natürlich ungemein.

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  34. Boah musste den jetzt nach 33 Minuten ausmachen...habe unerträgliche Kopfschmerzen bekommen. Eine halbe Stunde Windows Deskopthintergrundbilder sind mir echt zuviel. Wenn mir der intellektuelle oder wie auch immer geartete Zugang fehlen mag, seis drum... Unfassbar das dies dein Film des Jahres sein soll... ich weiß nichtmal ob ich den jemals zu Ende...

    Wie kann man sich nur gut unterhalten fühlen von dieser musikalischen und optischen Vergewaltigung?

    Bitte jetzt nicht als Angriff werten, ist nur mein Eindruck!

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  35. Könnte den jeden Tag sehen. Meisterwerk.

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  36. Ok als ich gucke ihn mir Zuende an... aber nur wenn du endlich wie versprochen Barney`s Version... :D

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  37. So wie versprochen... der Mittelteil ist mit das beste was ich je gesehen habe... die erste und letzte halbe Stunde sind aber nach wie vor unerträglich!

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  38. Zitat des Monats:

    Ein Versuch über Heideggers Sein und Zeit, incl. sämtlicher Ambivalenzen bis Probleme, die das mit sich bringt.

    Angesichts solch gewitternd-herbeizitierter Autoritäten: Nicht nur hier frage ich, ob überhaupt noch jemand die Werke liest, die er entweder aus dritter Hand zitiert, nicht verstanden oder komplett in den falschen Hals gekriegt hat. Weia. Malick und Heidegger, sicher, sicher, beide beschäftigen sich im weitesten Sinne mit der "Zeit" und dem "Sein". Aber SEIN UND ZEIT klingt natürlich formschön und da eh 99% es ebenfalls nicht gelesen haben, ist's echt ein toller Heckspoiler am Review.

    Neenee, wenn man Malick mag, soll man's aufrecht begründen, aber nicht sich hinterm Wiki-Heidegger-Geschnibbel verschanzen. Der Film spielt in Texas und nicht in Todtnauberg in jeder Beziehung.

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  39. "Sein und Zeit" heißt doch eines seiner zentralen Werke. Verstehe die Empörung nicht. Der Film bzw. Malicks Kino wurden nicht nur von Möller in Beziehung zu Heidegger gebracht (belieibges Beispiel). Malick im Übrigen schrieb über Heidegger seine Dissertation.

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  40. Danke für den Link, aber ob dieser Text die These stützt, wage ich zu bezweifeln. Immerhin ist er sich der fatalen Probleme solcher schnittigen Annahmen bewusst und gefällt mir in seiner vorsichtigen Argumentationsweise. Lieblingsstelle:

    To read from cinematic language to some
    philosophical metalanguage is both to miss what is specific to the medium of film and
    usually to engage in some sort of cod-philosophy deliberately designed to intimidate the
    uninitiated.


    Natürlich - das legt Malicks Biografie nahe - hat er sich mit existenzphilosophischen Fragestellungen befasst (und also mit Heidegger), aber ich halte es für fatal, Malicks später erarbeitete künstlerische Verfahren auf Heidegger wieder zurückzubiegen und als Erklärung des Malickschen Kinos anzubieten. Malick war (wie einer den Coen-Brüder, bei denen das noch viel präsenter ist) philosophiegeschichtlich belesen, aber sein Weg führte eben weg davon, hin zur künstlerischen Praxis in ameikanische Diskurse, die - salopp gesagt - so heideggerfern wie irgend denkbar sind.

    Erinnert mich gewissermaßen spiegelbildlich an die heute völlig unlesbaren Verwüstungen, die der Heidegger-Jargon in den 1950er Jahren in Literatur- und sonstigen Kunstwissenschaften angerichtet hat. (Und gibt meiner gehässigen Privatannahme neue Nahrung, die Filmtheorie folge mit 10-20 Jahren Abstand den verblichenen Theoriemoden von anderswo nach).

    Keine Empörung also, nur Granteln eines sich sehr alt fühlenden Mannes. Dein Reviewtext gefiel mir in den entsprechenden Abschnitten da besser, weil näher am Film.

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  41. Natürlich - das legt Malicks Biografie nahe - hat er sich mit existenzphilosophischen Fragestellungen befasst (und also mit Heidegger), aber ich halte es für fatal, Malicks später erarbeitete künstlerische Verfahren auf Heidegger wieder zurückzubiegen und als Erklärung des Malickschen Kinos anzubieten.

    Das Zitat spricht doch deutlich von einem Versuch, und damit soll auch nichts erklärt, sondern lediglich eine mögliche Rezeptionsebene betreten werden. Die für mein Empfinden durchaus sinnfällig ist.

    Irgendwie sehr rätselhaft, Deine Intervention. Mit dem falschen Fuß aufgestanden? :D

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  42. @ Sieben Berge

    Die Filmtheorie folgt ganz anderen Dingen. Die Kulturwissenschaften sind es, die sich seit Jahrzehnten kreuz und quer durch den Gemüsegarten arbeiten. Völlig planlos, wie sie Film und die Komplexität der Welt erfassen sollen. Und auch sonst stimme ich Dir zu, stimme Rajko aber auch zu.

    Sorry, dass ich mich so blöd zu Wort melde, aber als Popperist (na ja, auch nicht mehr so ganz) wollte, nein musste ich meinen Furz mal ablassen. Da Heidegger der Hitler der Philosophie ist (beide haben im 20. Jahrhundert eine Menge Verwirrung geschaffen, die plausibel klingen konnte, weil man sie plausibel finden wollte) und ich Malick eher, wie alle Ami-Regisseure, die was drauf haben, bei Charles Sanders Pierce verorten würde.

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