August 22, 2010

Zuletzt gesehen: DRESSED TO KILL (1980)

Elegant inszenierter Schmuddel-Thriller mit Strapsengarantie, der sich mit deutlichen Giallo-Bezügen im Wesentlichen als Hommage an Hitchcocks "Psycho" lesen lässt. Angie Dickinson ist vorzüglich als Janet Leigh, und Michael Caine gibt einen amüsanten Norman Bates. An die virtuose erste halbe Stunde kann Brian De Palma später nicht mehr anknüpfen, dafür verspricht er einige besonders ordinäre Höhepunkte, die im Kontext seiner nicht unähnlichen Folgearbeiten "Blow Out" und "Body Double" jedoch in gewisser Hinsicht sinnstiftend wirken (exemplarisch dafür die in allen drei Filmen durchexerzierten Duschszenen). Allerdings bleibt mir De Palmas Verständnis von Sex – in keinem Film so deutlich wie diesem – ein einziges Rätsel. Obwohl es um nahezu nichts anderes geht, hat dieser Film nicht den Hauch von Erotik. Sex ist hier stets auf irgendeine Art negativ konnotiert: Er ist Bedrohung, Waffe, Lockmittel, Ehebruch, Anleitung zum Mord. Er ist divant und irgendwie verächtlich, Spaß an Sex hat in De Palmas Filmen zumindest niemand, am Ehesten noch sorgt er für Geschlechtskrankheiten (ist hier tatsächlich der Fall). Wenig verwunderlich demnach, dass der Regisseur seine damalige Frau Nancy Allen gleich zwei Mal in Folge als Nutte besetzt hat. Als thematisches Konzept mag das in "Dressed to Kill" sogar seinen Sinn haben, das Bild vom verwerflichen Sex, aber De Palmas Filme erscheinen mir leider alle irgendwie so verstellt vulgär. Warum nicht mal sorgenfrei vögeln?


60%

Kommentare:

  1. Warum nicht mal sorgenfrei vögeln?
    LOL. Weil das in seinen Thrillern nicht zu suchen hat ;-) Gibt's dafür ja in seinen mainstreamigeren Filmen (Carlito, M2M, Fury) und zum gewissen Grad auch im Früherwerk (Hi, Mom!, Greetings). Außerdem hat er mal im Interview gesagt, dass er visuell nichts langweiliger als Sexzenen findet - da hätte man schon alle möglichen Blickwinkel und Perspektiven gesehen.


    DTK hat ja einen gewaltigen Sprung nach oben gemacht in deiner Bewertungsskala. Freut mich!

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  2. Komische Argumentation. :)

    Außerdem hat er mal im Interview gesagt, dass er visuell nichts langweiliger als Sexzenen findet - da hätte man schon alle möglichen Blickwinkel und Perspektiven gesehen.

    Es hat bis 1996 gedauert, ehe mal ein Regisseur (Cronenberg) Sex so filmt, wie er wirklich ist. Das ist also eine unhaltbare Aussage vom Meister. :)

    Ja, Prozentzahl hat sich verdoppelt. Besonders Caine macht Laune. :D

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  3. Komische Argumentation. :)
    War auch nicht ganz ernst gemeint :-)

    Crash muss ich mir unbedingt noch mal ansehen.

    Zu Caine: Laut DVD-Doku sagte er vor dem Dreh der finalen Strapsenszene in voller Kostümierung und mit einer Zigarre im Mund zu Allen: "I always knew if I worked long enough and hard enough, I'll get to play me mum!" :-)

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  4. SIR Caine hat einfach die nötige Selbstironie. Ist aber auch verständlich, wenn man sich mal anschaut, was der teilweise (besonders in den 80ern) für unfassbaren Crap gemacht hat (JAWS IV?).

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  5. Schon 1975 hat jemand Sex gefilmt, wie er wirklich ist. Und das war Lasse Braun. ;)

    Nix gegen Cronenberg, hab vor nicht allzu langer Zeit eine fast komplette Retro geschaut, bei der eigentlich nur SCANNERS abgenommen hat. Alles andere hat zugelegt oder wurde erstmals gesehen, zB so feine Filme wie FAST COMPANY, DEAD ZONE, DEAD RINGERS.

    Aber deine Bemerkung verstehe ich trotzdem nicht...

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  6. Halte CRASH für den Anfangs- und Schlusspunkt in der Darstellung von Sexualität im Kino. Ist aber eine sehr subjektive Einschätzung.

    Bin übrigens auch nahezu am Ende meiner Cronenberg-Retro - witzigerweise hat SCANNERS bei mir auch etwas abgebaut.

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