Juni 20, 2010

Noch mal gesehen: AVATAR

Als ich "Avatar" das erste Mal gesehen habe, war ich zwar milde beeindruckt von den visuellen Fertigkeiten des Films, ansonsten hat mich Camerons Technikspektakel aber kalt gelassen. Dem entsprechenden Unmut hatte ich an dieser Stelle vor etwa einem halben Jahr Luft gemacht.

Leider verschließt mir 3D oft den Zugang zum Film. Statt Publikumsdistanz zu überwinden und mich als Zuschauer stärker in die Fantasie einzubeziehen, schafft 3D bei mir zumeist einen gegenteiligen Effekt. Ich verliere den Bezug zu den Bildern, das Interesse und die Konzentration, und ich werde irgendwann müde und entnervt vom Sinnesrausch. Vielleicht hat mir "Avatar" deshalb im klassischen 2D, ganz ohne Gimmicks und Gedöns, nun erheblich besser gefallen. Zwar bleiben größtenteils die Kritikpunkte der Erstsichtung, doch wirkt Camerons Vision nun wesentlich stimmiger. Die banal-simple Geschichte erschien mir jetzt geradezu sympathisch in ihrer unbekümmerten Naivität, und ich war bereit ihr zu folgen. Es ist, als würde Cameron sie zum ersten Mal erzählen. Die vorhersehbare Plotentwicklung, mit allen Archetypen und Klischees, ich habe sie beinahe gebraucht, um die phänomenale Ästhetik dieses Films besser verarbeiten zu können. Irgendwie ist das doch groß, was Cameron hier erschaffen hat. Irgendwie ist das doch ein guter Film. Und irgendwie mag ich ihn.

Kommentare:

  1. Was lernen wir daraus? Einfach alles (TDK, AVATAR) was du im Kino nicht so gut fandest, auf DVD schauen und dann entsprechend bewerten, anstatt erst zu nölen und dann zu grölen. Ich freue mich auf die 75% (Kurz-)Besprechungen von AMERICAN GANGSTER und PUBLIC ENEMIES :D

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  2. Also da gefiel mir die alte Kritk doch um Welten besser!^^

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  3. Hey. Das geht mir inzwischen genau so.
    3D kann ich eben einfach nicht ab. Entsprechend säuerlich kam ich bislang aus dem Kino. Und die armen Filme mussten das ausbaden, unbesehen ihrer eventuellen echten Qualitäten.

    Aber "Avatar" von der BD, auf einem richtig knackigen (und großen) LED, mit dem Surround-Downmix (O-Ton) auf Kopfhörer: Das hat echt was. Schon ein paar Mal inzwischen.

    Ich krieg' aber nicht raus, warum mir das (meiste) jetzt doch gefällt.
    Die Story bleibt doof, die Realszenen sind, abgesehen vom gelungenen Design, irgendwie 80er
    ("Abyss"! Der jetzt auf mich wie die überzeugendere Fingerübung zu "Avatar" wirkt [als DC]),
    die Moral von der Geschicht' ist mir beinahe peinlich, und die finale Luftschlacht ... oh je.

    Aber Worthington und Saldana synchronisieren ihre, äh, Avatare großartig ("...My cup is empty, trust me..." ;).

    Überhaupt müssen die Animators schwer verliebt in Neytiri gewesen sein: Das Hüftenwiegen überzeugt beinahe immer und ihre Mimik (eine fantastische Augenmotilität!) hat mich in den näheren Einstellungen etliche Male berührt. Nicht übel für CGI.

    Wie Du sagst: Irgendwie doch ein vielleicht nicht wirklich guter, aber oft anrührender und gelegentlich (im Wald) großer Film.

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  4. @Flo:

    Nein, nein. Sowas bleibt schon die Ausnahme. Hoffe ich. :)

    @papene:

    Sehe ich fast alles genauso. War dieses Mal emotional auch mehr bei der Sache bzw. überhaupt bei der Sache.

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  5. HA!

    Und wer hat's schon immer gesagt? Na? Na? Hihihi…

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  6. Hatte den Film direkt in 2D gesehen und fand' ihn da auch schon schrecklich. Bis auf die Übermacht an visuellen Effekten bringt Cameron mal wieder nix, was nicht schon seit zehn Jahren kalter Kaffee ist. Fand einige Momente geradezu eklig. Phänomenale Ästhetik - bei der FernGully Plastikoptik? Da zock ich lieber 'nen paar Videospiele, da steckt meistens dann doch mehr Seele drinne...

    ...kurz gesagt: Das erste Review konnte ich nachvollziehen, diese Zweitsichtungssache ist mir dagegen zu versöhnlich.

    Aber eigentlich kein Wunder, fällt doch Disneys "Küss den Frosch" in die selbe durchkalkulierte Retortensparte - und den fandste merkwürdigerweise ja auch gut.

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  7. Camerons erster Draft hatte ja erheblich mehr Umfang, mit wesentlich detaillierteren Ausarbeitungen der politischen Situation und des Konzern-Militär-Ureinwohner-Komplexes, bot also im Grunde genau das, was die Kritiker haben wollten.

    Dann schmeißt der Gute allen Storyballast ab, reduziert sein Werk aufs Allernötigste, bringt es in dieser Form heraus, trifft damit einen Nerv und liefert den erfolgreichsten Film der Gegenwart. Und deswegen ist er James fuckin' Cameron, da hilft alle Kritik nichts.

    Und ich kann es verstehen; mir hat die schlichte Schönheit dieses Films schon im Kino gefallen - in Zeichentrick und mit Miyazaki belabelt: Alle würden ihn anbeten.

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  8. Nein...ich halte "Avatar" noch immer für einen der blödesten Filme des letzten Jahres und für reichlich überschätzt. Zwar schreibst du recht nett, aber deine Meinung teile ich ganz und gar nicht. Ich sehe nichts "Großes" und auch keine "Phänomenale Ästhetik".

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  9. "Und ich kann es verstehen; mir hat die schlichte Schönheit dieses Films schon im Kino gefallen - in Zeichentrick und mit Miyazaki belabelt: Alle würden ihn anbeten."

    Miyazaki braucht aber auch keine knappe drei Stunden für seine Geschichten und beschränkt sich selten auf solch' verbrauchte Plotelemente wie Cameron es bei Avatar getan hat. Mal abgesehen vom schrecklich überschätzten "wandernden Schloss" Film geben seine Geschichten außerdem um einiges mehr her, also inhaltlich jetzt (alleine der populäre Mononoke schon...)

    Der wichtigste Unterschied aber: Miyazakis Filme sind handgezeichnete Schönheiten und verkörpern mit ihren detaillierten Bilder um einiges mehr an Seele und Herz, als es die künstlichen CG-Designs aus Avatar je könnten...

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  10. Er ist umgefallen. Dieser Fall kam unerwartet, wollte ich gerade schreiben, nebst einigen Ausführungen zu Konvertiten und Renegaten, aber dann sah ich: ist alles Quatsch. Ist nur die alte Liebe zu Cameron, die von der spröden, kühlen Vernunft für einige Zeit gebändigt worden war und nun umso stärker wieder hervorbricht. Schon die lautstarken Hammerschläge auf „Aliens“ und „Abyss“ erwiesen sich ja am Ende als mit dem Flauschhämmerchen ausgeteilt ;)

    Wenn man sieht, bei welch genderpolitischem Wetterleuchten sonst dein Misogynieradar anschlägt, wo du den Ideologiehammer kreisen und niederfahren lässt, auf das auch von Unterhaltungsärgernissen der harmlos-banalen Sorte nur Mikrotrümmer bleiben, dann könnte einem bei diesem Damaskuserlebnis schwindelig werden.

    Im Ernst: Diese endlos langen Tauchfahrten durch ein bläulich leuchtendes Korallenriff namens „Pandora“ werden doch nicht dadurch gut, dass sie nicht als Unterwasser-Doku bei „National Geographic“ laufen, sondern aus der Digitalretorte für einen Spielfilm namens „Avatar“ brachial zusammengerechnet worden sind?

    Diese Versatzstücke aus Ethnokitsch und Disneyresteverwertung sollen nicht in der schnöden Einfalt eines Trivialmythos auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner des globalen Publikumsgeschmacks einmünden, sondern allen Ernstes die abgründige Naivität und Unbekümmertheit eines echten Märchens besitzen?

    Und auch Cameron müssen wir nicht beim Zusammenfegen seiner zwanzig Jahre alten Systembausteine zusehen, sondern bei einer „Vision“, gar einer „phänomenalen Ästhetik“? Und der 2D-Aquarium-Bildschirmschoner ist besser als das 3D-Aquarium zum Thema "Bläuliche Wunderwelten".

    Mir wird schwummerig. Ich lese in der Bibel: Das Gleichnis vom verlorenen Sohn.
    Und: Die Geschichte vom ungläubigen Thomas. Da möchte ich dann auch mal die Hand in die Wunde legen und frage: Gibt’s noch eine ausführliche Liebeserklärung an Cameron oder schwelgt Dr. Jekyll nur und Mr. Hyde allein ist der Mann des Wortes?

    („Wir brauchen sind: Kontroversen“ Rajko Burchardt 12.4.2010) - sigh.

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  11. @Chili

    Kenne das Draft auch (gefällt mir), kenn' mich aber im Gewerbe aus und (wußte) dachte gleich, dass Cameron nur eine Handvoll davon ins Kino kriegen wird.

    So war's bei "Titanic" auch: Wer z.B. bei der im letzten(!) Script komplett durchexerzierten Parallelgeschichte Fabrizios während des Untergangs nicht anhaltend schluchzen muss, hat kein Herz und muss die komplette Saw-Staffel am Stück sehen, mit eye openern (Clockwork Orange).

    Unfortunately fiel all das dem finanziell begründeten final cut zum Opfer; und JC, dem es wahrscheinlich das Herz zerriss, hatte bis dahin sämtliche Rechte am Werk verscherbeln müssen.
    Scissors out.
    Denn zu lang war er bis dahin auch noch (wie immer). Mehr als drei Stunden sind dem common viewer anscheinend nicht zuzumuten.
    Seufz. Ein Hammerhit war "Titanic" trotzdem.

    Insofern bin ich ganz froh, dass er bei "Avatar" die wesentlichen EMOTIONALEN Leckerli bis zum Schluß überhaupt durchgebracht hat, obwohl mir z.B. Weavers (Augustines) ursprüngliche Geschichte schon sehr gefehlt hat.

    Imho ist Master Cameron generell der bessere Autor ("Aliens"-Script!) als Director (aber was für ein Ingenieur und Techniker).
    Ich mag alle seine Scripts generell lieber als die resultierenden Filme (Ausnahme "T2" im Skynet-Edit, wo sich Buch und Film wunderbar verschränken).

    Dein Verweis auf Miyazaki in dem Zusammenhang übrigens ist grandios. Wenn eine Realversion vom "Wandelnden Schloss", dann bitte von Cameron: Steam-Punk-Fetish-Fantasy meets Johanna Spyris "Heidi" (wunderbare Geschichte, btw), and Cameron is the man, definitely.
    Das Ganze als eigentliche Fortsetzung von "T2", gewissermaßen.
    Denn haben wir wirklich schon Linda "Super-Mom" Hamiltons Handschlag mit Schwarzeneggers iGolem T-800 vergessen?
    Handschlag! Hero und Heroine auf Augenhöhe, beide gleich stark, und gleich zerschunden und verbeult (gab's das schon mal?)
    Kein Gefummel, kein Geknabber, but: Respect.
    Respekt.

    Halte Cameron auch deswegen seit "Aliens" für den einzigen überlebenden Vertreter des von ihm geschaffenen Genres "Heavy Metal Neo Romantic".
    Und ein verkappter Feminist isser obendrein :)
    5 Eheschließungen sind kein Gegenbeweis, im Gegenteil ;)

    Und @bw:
    Doof ist und bleibt das Märchen "Avatar" natürlich, schon im final script.
    Denn der Cameron Jim ist nicht mehr der Jüngste, weswegen der ganze 90er Eso-Öko-Quark der globalen, sich als Mittelschicht verstehenden Amateur-Intelligenzia voll durchschlägt.
    Frieden ihrer Asche.
    Und Asche auf mein Haupt. Und auf Joschka Fischers. Und Gore Vidals. Und eben Jimmy Camerons.

    Aber interessiert mich das, wenn mir CGI-Fräulein Neytiri mit dem süssesten CGI-Augenaufschlag der Filmgeschichte erklärt, dass ich "... may choose a woman ..." Und dass ich "... have a strong heart. No fear ...", während mein außerirdisches blaues Schwänzchen schon lang für ihr, äh, außerirdisches WTF schlägt?

    Romantic is the final frontier
    (und Kohle bringt's auch noch) ...

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