Januar 31, 2009

Kino: CASTING A SHADOW - Hitchcocks Werkstatt

Das Arsenal-Kino wagt sich im Februar und März mit einem Hitchcock-Special an eine vorsichtige Dekonstruktion des Auteur-Begriffs. Nun ja, sagen wir eher einer Relativierung: Ausgehend vom Vorzeigebesiepiel der Cahiers du Cinéma- Sippschaft für Autorenschaft werden acht ausgewählte Filme gezeigt, die jeweils besonders prägnant eines der Departments der Hitchcock-Filme repräsentieren und somit die starke Teamarbeit seiner Werke hervorheben sollen:

1. Production Design

(Mi 18.2., 20 Uhr, Einführung: Ralph Eue)
SABOTEUR USA 1942 OF 108’

2. Sounddesign

(Sa 21.2., 20 Uhr, Einführung: Nils Warnecke)
THE BIRDS USA 1963 OF 112’

3. Kostümbild

(Mi 25.2., 20 Uhr, Einführung: Barbara Schröter)
STAGE FRIGHT USA 1950 OF 110’

4. Hitchcock und Berlin

(Sa 28.2., 20 Uhr, Einführung: Kristina Jaspers)
TORN CURTAIN USA 1966 OF 128’

5. Kamera und Licht

(Mi 4.3., 21.30 Uhr, Einführung: Peter Mänz)
PSYCHO USA 1960 OmU 109’

6. Studio Produktion

(Mi 11.3., 21.30 Uhr, Einführung: Anja Göbel)
LIFE BOAT USA 1944 OF 96’

7. Spannung und Verführung: Alfred Hitchcocks Filmvorspanne (Sonderveranstaltung)

(Do 12.3., 18.30 Uhr)
Die Filmwissenschaftler Britta Hartmann und Gerhard Midding stellen unter anderem Hitchcocks Zusammenarbeit mit Saul Bass vor, der mit seinen animierten grafischen Filmvorspannen neue Maßstäbe setzte. Im Anschluss um 20 Uhr:
NORTH BY NORTHWEST USA 1959 OmU 131’

Die Ausstellung „Vorspannkino“ in den KW Institute for Contemporary Art (8.2. – 19.4.) vertieft das Thema.

8. Drehbuch

(Mi 18.3., 21.30 Uhr, Einführung: Vera Thomas)
SHADOW OF A DOUBT USA 1943 OF 108’


Ausführliches zum Programm und mehr hier.

Ganz großartig, was die Jungs und Mädels da immer wieder zusammentragen. Einzig zum Thema Vorspanndesign hätte ich mir eher "Vertigo" gewünscht.

Januar 29, 2009

Kino: THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON

Ein Mann kommt greis zur Welt und stirbt als Neugeborenes. Das ist die Idee, die David Fincher zu einem fast dreistündigen Konzeptfilm inspiriert hat. "The Curious Case of Benjamin Button" schildert also eben den seltsamen Fall des Herrn Benjamin Button, der paradoxerweise in einem Altersheim aufwächst. Er lernt ein kleines Mädchen kennen, doch ihr Verhältnis kann nur das eines alten Großvaters zu seiner jungen Enkelin sein. Irgendwann treffen sie sich in der Mitte ihres Lebens wieder – gleichaltrig. Eine tragische Liebes- geschichte ist der Film, aber auch eine Zeitreise durch das Amerika des 20. Jahrhunderts, eine stetig und inbrünstig Kinomagie heraufbeschwörende Filmausstellung – und ganz besonders ist es technokratisches Fincher-Experimentierwerk der fürchterlichsten Sorte.

Die kuriose Idee also, die der Film schon im Titel andeutet, ist natürlich nicht ernst zu nehmen: Sie ist im schlimmsten Fall ein Gimmick, im besten eine Metapher. Finchers Film ist auf den ersten Blick märchenhaft, surreal und träumerisch, er scheint die Idee für ein Gedankenspiel nutzen zu wollen, weniger um aus ihr einen Genreeffekt oder einen dramaturgischen Clou nach dem anderen zu generieren. Doch, nun ja, es ist eben ein David Fincher, der sich daran versucht, und seines nüchternen, reduzierten, dem Sujet verpflichteten Meisterstücks "Zodiac" zum Trotz kann der Regisseur nicht der Versuchung für die Technik dieser Geschichte erliegen, für das Pragmatische, die Filmsprache und ganz besonders die Akribie, die alles Rätselhafte, Magische und Menschliche ausblendet.

Was also ein Film hätte werden können, der sich seine absurde Ausgangsidee zu Eigen macht, um eine allegorische, metaphorische oder – wenn es denn nun sein muss – auch intellektuelle Meditation über die Diskrepanz zwischen Körper und Geist, über Vergänglichkeit, die Wertigkeit von Zeit und natürlich den Irrsinn der Liebe anzustimmen, ist eben doch nur ein Beweihräuchern an der eigenen Genialität. Die Idee, und das ist alles: die Idee, bleibt grotesk, albern und schwachsinnig, weil sie nicht in ein Märchen übersetzt, sondern immer wieder vorgeführt wird. Hier ist der Film, neben zahlreichen banalen Übereinstimmungen in der Plot-Struktur, seinem geistigen Vorgänger "Forrest Gump" am Ähnlichsten. Nicht gerade wunderlich, dass in beiden Fällen derselbe Drehbuchautor zugange war.

Deshalb ist "The Curious Case of Benjamin Button" das sperrige, höchst langweilige und somit uninteressante Auswälzen einer einzigen Idee auf rein ästhetischem Niveau. Er bietet nichts an, das über sorgfältige Ausstattung, wohlfeine Kameraarbeit und vordergründige Spezialeffekte hinausginge. Es ist ein Fincher-Spiel der besonders unange- nehmen Sorte, unterkühlt, ausladend und nur mit sich selbst beschäftigt. Und der Film ist keine Ode an das Leben, sondern seine Tricktechnik. Was Francis Ford Coppola und seiner ambitioniert verkopften Auseinandersetzung mit dem Wesen von Zeit und Alter in "Youth Without Youth" im letzten Jahr nur Häme einbrachte, das taugt hier allerdings in epischer Mainstream-Manier soeben für 13 Oscar-Nominierungen. Wahrlich: ein seltsamer Fall.


30% - erschienen bei den: FÜNF FILMFREUNDEN

Kino: KINOSTARTS - 29.01.2009

  • Die wilden Hühner und das Leben (Kinderfilm, D 2008)
  • Reich des Bösen - 5 Leben im Iran (Doku, D 2008)
  • Stilles Chaos (Drama, I 2008)
  • The Rocker (Musikkomödie, USA 2008)
  • Liebesfieber (Liebeskomödie, TK 2008)
  • Im Schatten des Mondes (Doku, USA 2007)
  • Wen die Geister lieben (Komödie, USA 2008)
  • Teenage Angst (Drama, D 2008)
  • Feuerherz - Die Reise des jungen Awet (Drama, D/A 2008)
  • Der seltsame Fall des Benjamin Button (Drama, USA 2008) [Kritik]

Januar 28, 2009

News: Upcoming Reviews


Demnächst Filmbesprechungen zu: "Milk" (Gus Van Sant), "The Wrestler" (Darren Aronofsky) und "Der Vorleser" (Stephen Daldry).

Januar 27, 2009

Januar 25, 2009

TV: Fernsehtipps vom 26.01. - 01.02.2009

Montag, 26.01.

22:00 Uhr – Narrow Margin – 12 Stunden Angst (Tele5)

Das okaye Hyams-Remake des wunderbaren Fleischer-Originals. Aus einem etwas schrubbeligen B-Noir ist damit ein starbesetzter A-Liga-Kinohit geworden.

23:25 Uhr – Intolerance (Arte)

Restaurierte Fassung des Monumentaldramas für die filmgeschichtliche Bildung. Mehr als Anschauungsunterricht kann ich Griffith leider nicht abgewinnen.


Dienstag, 27.01.

20:15 Uhr – Phenomenon (K1)

Riesenkitsch mit John Travolta als Messias. Bewegt sich permanent über der Schmerzgrenze – und ist neben Travoltas Schlachtfeld Erde der eigentliche Scientology-Film in dessen Karriere.


Mittwoch, 28.01.

20:15 Uhr – Die Fälscher (ZDF)

Eine starke Holocaust-Geschichte, die handwerklich ziemlich schaurig umgesetzt ist. Ich glaube, ich habe den Film seinerzeit milder besprochen, als er es verdient hatte. Und der Oscar geht natürlich nicht in Ordnung.

20:15 Uhr – Powder (S-RTL)

Rührselig-penetrantes Gutmenschendrama, das durch den Hintergrund von Regisseur Victor Salva eine reichlich bizarre Lesart erlaubt.


Donnerstag, 29.01.

20:15 Uhr – Die Bourne Identität (VOX)

Auftakt zur besten Actiontrilogie der Gegenwart. Clever erzählt, fehlt dem Einstieg allerdings noch ein eigenes Profil – Bourne ist zu sehr Bond-Abziehbild – und in der zweiten Hälfte jegliche Führung. Doug Liman kann es irgendwie nicht, der Greengrass schon.

21:00 Uhr – Wild at Heart (Arte)

Gerne würde ich schreiben, dass Lynchs ultrapostmodernes und m. Road-Movie mittlerweile vergeben und vergessen ist, aber Oscar Roehler beweist mit seiner Hommage im Kino momentan das Gegenteil. Nun ja.


Freitag, 30.01.

20:15 Uhr – Godzilla (Pro7)

Emmerichs trashige US-Interpretation des Monsters, die aber eigentlich nur ein Remake von Spielbergs "Lost World" ist. Die Höhe war damals aber echt Puff Daddys dazugehöriges Led Zeppelin-Cover.

20:15 Uhr – Gilbert Grape (Tele5)

Ich liebe Lasse Hallström und ich liebe diesen Film. Wunderschöne Geschichte, toll inszeniert. Und Leo war schon damals eine Wucht.

22:15 Uhr – Training Day (RTL2)

Auf meiner Top10 der groteskesten Oscarvergaben nehmen beide Auszeichnungen für Washington sicher vordere Plätze ein. Der Film selbst: Blöd. Nervig. Gaga.


Samstag, 31.01.

20:15 Uhr – Be Cool (Pro7)

Natürlich weitaus weniger charmant als der Vorgänger "Get Shorty", aber The Rock ist schon wirklich ziemlich liebenswürdig als schwuler Bodyguard.

20:15 Uhr – Happy Gilmore (VOX)

Ach ja, Adam-Sandler-Filme sind ja wirklich immer eine verdammt lustige Angelegenheit…

22:10 Uhr – Topaz (ARD)

Einer der ödesten Hitchcocks. Bis auf Karin Dor hat der Film eigentlich nichts zu bieten.

22:10 Uhr – Scream – Schrei! (Das Vierte)

Ist nicht nur Wes Cravens Meisterwerk, sondern überhaupt das Beste, was dem Horrorfilm in den 90ern passieren konnte. Ganz, ganz groß. Und hier völlig zerschnippelt.

23:40 Uhr – Buffalo ’66 (RBB)

Vincent Gallo gibt den John Cassavetes. Hat mich trotz toller Besetzung damals ziemlich kalt gelassen, aber eine Zweitsichtung kann 10 Jahre später wohl nicht schaden.

0:20 Uhr – Psycho (ARD)

Gus Van Sants total brillante Dekonstruktion und/oder Bestätigung des Remake-Begriffs, sein megainteressantes Essay über das Re-Maken und überhaupt die einzige wirkliche Neuverfilmung. Nächste Ausfahrt: Prätentionshölle.

0:35 Uhr – Glory (K1)

Ach, das ist ja witzig, Washingtons andere Oscarrolle gibbet auch noch. Obwohl Edward Zwicks unfassbar reaktionäres Bürgerkriegsdrama eh schon Brechmittel genug ist. Der Mann hat das mit "The Siege" allerdings noch getoppt, insofern…


Sonntag, 01.02.

9:55 Uhr – Bei Anruf Mord (Tele5)

Das beste Stück Theater als Film überhaupt. Ein formales Lehrstück, natürlich, und vermutlich der cleverste 3D-Film den wo gibt.

20:15 Uhr – Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Pro7)

Ich kam auf den plastischen Look und die urplötzliche Umschaltung auf ernst und erwachsen überhaupt nicht klar – mag den dritten einfach nicht.

20:15 Uhr – Stirb an einem anderen Tag (RTL)

Weniger als die Über-Gimmicks und erschöpfenden Selbstzitate hat mich am Jubiläums-Bond genervt, dass die zweite Hälfte einfach in allen Belangen zunichte macht, was die erste aufgebaut hat. Und die CGI-Tricks geben dem ganzen natürlich den Rest.

22:55 Uhr – The Punisher (Pro7)

Zweite Kino-Adaption des Stoffes. Sehr unterhaltsam in seiner Dümmlichkeit, oft auch unfreiwillig komisch, aber definitiv sehenswert. In der hier gekürzten Fassung indes absolut unbrauchbar.



TV-Tipps bitte auch lesem beim Tumi, Christian und beim Fincher.

Januar 22, 2009

News: ACADEMY AWARDS 2009 - Nominees

Die Oscar-Nominierungen sind raus. Keine Überraschungen. Außer vielleicht, dass "Revolutionary Road" nur drei Mal und in keiner Hauptkategorie nominiert ist. "Forrest Gump II" hat sein Ziel erreicht - 13 Nominierungen für den Fincher- Schwachfug. "Milk" hat es, wie von mir erhofft, auf Nominierungen bei Film und Regie gebracht, insgesamt sogar auf satte 8 Nominierungen (inkl. Elfman, der ja immer dann nominiert wird, wenn er eigentlich nicht besonders gut ist). "Dark Knight" ist auch gut vertreten (8 Mal!), was natürlich ein "bisschen" lächerlich ist. Und leider kam die Eichinger- Grütze auch wieder an. Schön allerdings, dass endlich mal wieder die Nominierungen bei Film und Regie übereinstimmen, alles andere ist nämlich auch sinnlos. Jetzt geht das Warten los, am 22. Februar ist es soweit.

Alle Nominierten hier.

Kino: VALKYRIE

Man wird ja nun wahrscheinlich niemals erfahren, wie "Valkyrie" denn eigentlich ausgesehen hätte, wenn die gesamten Produktions- und Distributionsbedingungen nicht von Anfang ein derart reges, öffentliches, mediales Interesse auf sich gezogen hätten. Und der Film dadurch nicht mit allerlei Bedeutung aufgeladen worden wäre: Drehverbot im Bendlerblock, Scientology-Diskurs, verletzte Statisten. Fast zwei Jahre nun, nachdem die erste Klappe fiel, einen Courage-Bambi und mindestens fünf freiwillige Cruise- Lobgesänge von Florian Henckel von Donnersmarck später kann der fertige Stauffenberg-Film natürlich keine seiner Erwartungen erfüllen – es ist weder das vermutete peinliche Trash-Debakel, noch ein sehenswerter Geschichtsfilm. Oder überhaupt so etwas wie ein Film. Eher noch erinnert es irgendwie an eine Faschingssause, für die sich Cruise mal in ein hübsches Grafenkostüm schmeißen durfte.

Dass Bryan Singer hier nur als ausführender Handwerker angeheuert wurde, durfte wohl zu Recht vermutet werden. Immerhin war "Valkyrie" von Anfang an als Prestigeproduktion vorbelastet, es musste der Film werden, der Cruises neu erworbenes Studio United Artists wieder in die Gewinnzone manövriert, nachdem der hübsch ambitionierte und ebenso hübsch harmlose "Lions for Lambs" gewaltig floppte. Insofern durfte man davon ausgehen, dass der Film die Versprechen einer One-Man-Show einlösen würde, nachdem gar gemunkelt wurde, dass die Produktion für die Cruise-Sekte so etwas wie ein dämonischer Plan sei, in Zuge dessen der Hollywoodstar Kraft seiner Scientology-Fähigkeiten die Deutschen vor dem Untergang errettet. Aber nun ja, erstens war das dem Grafen ja ohnehin nicht vergönnt, und zweitens hat die Über-Präsenz des Hauptdarstellers und der Produktion das ganze Projekt erst einmal für ein Jahr ins Abseits befördert.

Was sich da jetzt zu Deutsch "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" nennt, ist – wie man es sehen möchte – nun der Torso dessen, oder das bestmögliche Ergebnis, oder vielleicht auch Plan B. Dass Singers Film in seiner jetzigen Form zweifellos erst im Schneideraum zu einer Form gefunden hat, merkt man zumindest in jeder Szene: Die ständigen Parallelmontagen wirken in ihrer Aufdringlichkeit und Redun- danz dabei wie die verzweifelte Bemühung, der bekannten Geschichte so etwas wie Suspense zu implementieren. Überhaupt ist "Valkyrie" lediglich ein Thriller, ein braver Krimi, durch den Singer ein laues Lüftchen Spannung zu blasen versucht. Es geht über zwei Stunden um nichts außer der Vorbereitung eines Attentats – und wie dieses erwartungs- gemäß scheitert. "Rififi" im Nationalsozialismus, sozusagen.

Aber selbst für ein bisschen Genre-Verschwörungstaktik im historischen Gewand hat es nicht mehr gereicht. Der Film ist ja viel zu flach und unraffiniert erzählt, viel zu spannungslos inszeniert, als dass man ihn zumindest als Heist-Thriller annehmen könnte. Lediglich die Musik ist darum bemüht, dem Ganzen etwas Schwung zu verleihen, aber sie bleibt ein oberflächlicher Gefühlserzeuger, vermutlich weil Komponist und Cutter John Ottman schon genug damit beschäftigt war, die Ego-Show zu einer Ensemble-Parade hinzueditieren.

Und damit ist es ja auch nicht getan, sich vielleicht zu begnügen mit einem vielleicht guten Thriller. Denn das verschenkte Potential wird dadurch auch nicht wiederhergestellt: Wen interessiert schon Geschichts- verfälschung (außer Guido Knopp), wenn der Film gar nichts zur Fälschung anbietet – seine Figuren haben keine Eigenschaften, keine Motivationen, keine Ziele. Es gibt schlicht keinen politischen Kontext in dieser Geschichte, man weiß nicht einmal, warum da jetzt soundso viele Männer an einem soundso geheimen Plan tüfteln, und was die Erfüllung desselbigen für eine Bedeutung haben würde. Mal ein wenig anzudeuten, wer dieser Stauffenberg eigentlich ist, dieser ideologische Nazi-Beförderer, der fest entschlossen den Führer zu stürzen bereit ist – das hätte schon mal eine gute Vorraussetzung für einen … ähm … soliden Thriller ergeben können.


35% - erschienen bei den: FÜNF FILMFREUNDEN

Kino: KINOSTARTS - 22.01.2009

  • Das Gesetz der Ehre (Cop-Drama, USA 2008)
  • Destere (Krimi-Komödie, TK 2008)
  • Derek (Doku, GB 2008)
  • Operation Walküre (Thriller, USA 2008) [3/10] [Kritik]
  • Alles für meinen Vater (Drama, D 2008)
  • Der fremde Sohn (Drama, USA 2008) [7/10] [Kritik]
  • Lulu und Jimi (Liebeskomödie, D 2009)
  • Man on Wire (Doku, USA/GB 2008)
  • Das Morphus-Geheimnis (Kinderfilm, D/CH 2008)
  • Bolt - Ein Hund für alle Fälle (Animation, USA 2008) [6/10]

Januar 20, 2009

Kino: CHANGELING

Im Kalifornien der End-20er schickt Clint Eastwood die verzweifelte Angelina Jolie auf eine unerbittliche Suche nach ihrem verschwundenen Sohn. Der wohl nimmer müde Regisseur streift bei seiner Rekonstruktion der - gemäß Vorspann - "true story" eine Vielzahl an Themenkomplexen und erzählt nach "Million Dollar Baby" noch einmal die große Emanzipationsgeschichte vom Widerstand einer kämpfe- rischen Frau gegen hartnäckige Altmännersysteme. Für Eastwood ist "Der fremde Sohn" ein weiterer souveräner, starker und klassisch inszenierter Film, für Jolie die erste schauspielerische Herausforderung ihrer Karriere.

Es ist der Alptraum einer jeden Mutter: Als Christine Collins eines Tages von der Arbeit nach Hause zurückkehrt, ist ihr neunjähriger Sohn Walter spurlos verschwunden. Monatelang ist die Polizei von Los Angeles auf der Suche nach dem Jungen, ehe Christine eines Tages die erlösende Nachricht erhält - ihr Sohn wurde unversehrt gefunden. Sie könne ihn am Bahnhof abholen, Presse und Polizei würden den Fahndungserfolg gebührend feiern. Doch nun erst beginnt der eigentliche Leidensweg der hilflosen Mutter.

Denn der Junge ist nicht der gesuchte Sohn, sondern ein von den Behörden instrumentalisiertes Kind, das nur behauptet Walter zu sein. Ehe sich Christine versieht, befindet sie sich inmitten einer handfesten Verschwörung machtgieriger Lokal- politiker und des korrupten LAPD. Als sie sich der Presse zuwenden und die Suche nach ihrem wirklichen Sohn weiter vorantreiben möchte, wird sie für unzurechnungsfähig erklärt und in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Einzig der beliebte Radioprediger Gustav Briegleb schlägt sich auf ihre Seite im Kampf gegen die staatliche Gewalt.

Bis hierhin ein Konglomerat aus Familienmelodram und Thriller, wird die Geschichte in der zweiten Hälfte schließlich noch durch einen mit Horrorelementen angereicherten Handlungs- strang ergänzt. Vom Mutter-Sohn-Drama zum Serienkillerfilm und Gerichts-Thriller, erzählt Eastwood dann alles auf einmal. Doch die Stofffülle ist bei ihm stets logisch angeordnet - fast organisch entwickeln sich die einzelnen Plot-Teile in- und auseinander.

In erster Linie ist "Der fremde Sohn" aber natürlich ein sorgfältiges Period Piece. Der auf einem aktenkundigen Kriminalfall von 1928 basierende Film ist als faktische Nachstellung konzipiert, bei der Eastwood erstaunlich nüchtern und unsentimental im Recherchestil eine nahezu unglaubliche Geschichte bebildert. So unglaublich gar, dass sie in Filmform nicht selten konstruiert erscheint, und es deshalb eines starken Erzählers bedarf, um sie in zweieinhalb Stunden glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen.

Eastwood hat sich mehrfach als solcher bewährt. Seine Inszenierungen sind formal stilisiert, aber dennoch schmucklos und minimalistisch vorgetragen, sein Casting stets überlegt und seine Geschichten immer von einer deutlich moralischen Haltung gekennzeichnet. Spätestens seit "Erbarmungslos" ist Eastwoods konventionelles und ebenso konservatives Erzähl- kino auch das Kino einer unerbittlichen Selbstreflexion: Das anfängliche Misstrauen, das dieser Film beispielsweise rechtsstaatlichen Prinzipien entgegenbringt, schlägt nicht in Dirty-Harry-Polemik um, wird gleichzeitig aber auch nie für liberale Bekenntnisse zerstreut.

In gewisser Hinsicht ist "Der fremde Sohn" natürlich durchaus eine sehr altertümliche Geschichte über die Korrumpierbarkeit staatlicher Systeme und die vermeintliche Notwendigkeit von Selbstjustiz. John Malkovich darf hier sogar den geistlichen Erretter und damit Vertreter einer über alle Widerstände der Ordnung triumphierenden Kirche geben. Doch sind das selbstverständlich (auch) Zugeständnisse an die zeitliche Verortung des Films während der Großen Depression und seiner Nähe zur wahren Beschaffenheit des Stoffes.

So klassisch Eastwood inszeniert, und so fremdkörperartig sich seine Filme dementsprechend im heutigen Kinogeschehen anfühlen, so sehr ist er mittlerweile auch daran interessiert, nicht die ideologischen Muster seiner Generation nachzu- zeichnen. "Der fremde Sohn" erscheint somit als melo- dramatisches Stimmungsbild von Los Angeles irgendwo zwischen "Chinatown" und "L.A. Confidential", das Fragen nach Machtmissbrauch jedweder Art und zuletzt selbst dem Sinn der Todesstrafe verhandelt - mit einer fast übermodernen, für ihre Bürgerrechte kämpfenden Frauenfigur im Zentrum.

Angelina Jolie gibt sich in permanenten Close-Ups viel Mühe, den Erwartungen ihres Regisseurs gerecht zu werden. Mit starkem Ausdruck, prägnantem Make-Up und stilvoller Kostümierung schlüpft sie in die Rolle einer klassischen Hollywood-Diva und schultert den thematisch ja durchaus ein wenig überfrachteten Film mit Bravour: Selbst die aufge- setzten Szenen in der Psychiatrie - hier denkt man natürlich an Jolies Oscar-Part in "Durchgeknallt" - wirken dank ihres konzentrierten Spiels weniger klischeehaft, als sie es eigentlich müssten.

Was als fast banale zeitgenössische Familiengeschichte beginnt, beansprucht mit zunehmender Laufzeit immer mehr Größe für sich. Eastwood hat viel zu erzählen und will es auch erzählen: Elegant und mit sicherer Hand bringt er verschiedene Handlungsstränge, moralische Fragen und Genreelemente zusammen. "Der fremde Sohn" ist packend, spannend und bewegend, aber in letzter Konsequenz doch ein wenig zu überambitioniert, um an Eastwoods jüngste Meisterwerke heranreichen zu können.


60% - erschienen bei: gamona

Januar 18, 2009

TV: Fernsehtipps vom 19.01. - 25.01.2009

Montag, 19.01.

20:15 Uhr – Die Chaoscamper (SAT.1)

Robin Williams gibt den blödelnden Familiendaddy, der sich mit seiner Sippschaft in einen turbulenten Urlaub stürzt. Erinnert schwer an die Abenteuer der Familie Griswold, nur fehlt bei Barry Levinson jeglicher Biss und Witz – dafür gibt es umso mehr Schmalz, Rührseligkeit und die übliche Portion Williams-Familienideologie.

0:10 Uhr – Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber (Arte)

Habe mein Versprechen eingelöst und artig den Greenaway geschaut. Dürfte die schlimmste intellektuelle Prätentionsbombe gewesen sein, die ich jemals ertragen musste. Ein eitles, zur Kunst um der Kunst willen hochstilisiertes Theaterstück voll manierierten Spiels, für den Film anschaffen gehender Musik und einer widerwärtigen, abstoßenden Geisteshaltung, deren Pseudoprovokation nur ermüdend wirkt. Was wohl gern "Salò" oder "Das große Fressen" wäre, ist nur beklagenswert verkopfter Bildungsbürgermurks.


Dienstag, 20.01.

22:55 Uhr – Die letzte Mätresse (3SAT)

Catherine Breillats Romanverfilmung mit Asia Argento jetzt schon im Fernsehen – sehr schön! Wird geschaut.


Mittwoch, 21.01.

20:15 Uhr – Highlander (K1)

Alles an diesem Film ist unglaublich 80’s. Ich weiß nicht, ob man den heute noch einfach so sehen und gut finden kann, habe den jedenfalls ewig nicht mehr geschaut. Läuft hier übrigens schön zerschnippelt.

20:15 Uhr – Held der Gladiatoren (S-RTL)

Ralf Moeller ist zweifellos eine der trashigsten deutschen Film- und Fernsehgestalten überhaupt. Der schläft vermutlich jede Nacht mit einer "Gladiator"-DVD unterm Kopfkissen, weshalb er hier für RTL wohl auch noch mal in ausgedehnter Form in die antike Kämpferrolle schlüpfte. Ist aber bestimmt nicht so gut wie "Hai-Alarm auf Mallorca".

0:35 Uhr – Candy (ARD)

Schmucklos inszeniertes Drogendrama ohne romantische Verklärung. Hat einige sehr eindringliche Bilder auf seiner Seite, wirkt aber auch unrealistisch und bemüht. Ist mit Heath Ledger, Abbie Cornish und Geoffrey Rush aber in erster Linie sehr toll besetzt.


Donnerstag, 22.01.

21:00 Uhr – Sprich mit ihr (Arte)

Völlig unterschätztes M-e-i-s-t-e-r-w-e-r-k. Wer den nicht mag, hat keine Ahnung. So.

0:35 Uhr – The Stepfather (Tele5)

Terry O’Quinns Paraderolle. Strukturell altbackener, ästhetisch aber sicherlich stilbildender Psycho-Thriller mit wunderbarem Finale.


Freitag, 23.01.

22:25 Uhr – Oliver Stone’s W (Pro7)

Joa, na ja, so funktioniert deutsche Verleihpolitik. Vom Film selbst verspreche ich mir nichts. Stone hat schon lange ausgedient. Und ist spätestens mit seinem WTC-Heuler unter unzurechnungsfähig einzuordnen.

23:25 Uhr – Stauffenberg (ARD)

Mäßige TV-Interpretation, bei der Sebastian Koch der Figur aber zumindest Persönlichkeit verleiht, was Tom Cruise im völlig verschenkten Kinofilm nicht ansatzweise hinbekommt.


Samstag, 24.01.

20:15 Uhr – Starsky & Hutch (Pro7)

Kinoversion der Serie, die ganz auf Ben Stillers und Owen Wilsons Humor zugeschnitten ist. Im Kino habe ich darüber gelacht. Spricht wohl nicht gerade für mich.

20:15 Uhr – Schatten der Wahrheit (RTL2)

Dümmliche Hitchcock-Hommage, bei der Zemeckis die Raffinesse des Meisters auf dessen plakative Klischees reduziert und sich dabei auch noch clever vorkommt. Für Leute, die "Psycho" der Duschmontage und "Vertigo" des Zoomeffekts wegen für Klassiker halten.

22:20 Uhr – Conan – Der Zerstörer (K1)

Irrwitziges Sequel zum reaktionären Milius-Debakel, das sich völlig selbst vertrasht. Mag ich.


Sonntag, 25.01.

20:15 Uhr – Mission: Impossible 3 (Pro7)

J. J. Abrams macht alles richtig, was De Palma teilweise und Woo in Gänze vergeigt haben. Ganz wunderbarer dritter Kinofilm, der nicht nur der Serie, sondern auch den Ansprüchen ans moderne Actionkino gerecht wird. Bravo.

23:30 Uhr – Irina Palm (ARD)

Habe ich auf der Berlinale damals verpasst, aber große Nachholnotwendigkeit besteht eigentlich nicht, oder?


TV-Tipps gibbet auch beim Tumi, Christian und beim Fincher.

Januar 16, 2009

Diverses: XENOGENESIS



Wer ihn noch nicht kennt: Den Sci-Fi-Kurzfilm "Xenogenesis" von 1978, James Camerons erste Regiearbeit. Teil 2 gibt's hier.

Januar 15, 2009

Kino: KINOSTARTS - 15.01.2009

  • Saw V (Folter-Horror, USA 2008)
  • Ihr Name ist Sabine (Doku, F 2007)
  • Teufelswerk (Komödie, T 2008)
  • Strange Culture (Doku, USA 2007)
  • Die Klasse (Schuldrama, F 2008)
  • Zeiten des Aufruhrs (Melodram, USA 2008) [Kritik]
  • Chandni Chowk to China (Komödie, IND/USA 2009)
  • Die Verborgene Welt (Drama, GB 2007)
  • Manda Bala (Doku, USA 2007)
  • Citizen Havel (Doku, CZ 2008)
  • The Boss of It All (Komödie, DK 2006)
  • Die dünnen Mädchen (Doku, D 2008)
  • Twilight - Biss zum Morgengrauen (Teenie-Vampirgrusel, USA 2008) [Kritik]
  • Streik(t)raum (Doku, F 2007)
  • Für Gott, Zar und vaterland (Doku, F 2007)
  • Gesetzgeber (Doku, USA 2007)
  • Monsanto, Mit Gift und Genen (Doku, D/F 2008)
  • Ruhnama - Im Schatten des heiligen Buches (Doku, D/CH/DK/FIN 2007)
  • Zuoz - Hinter Internatsmauern in der Schweiz (Doku, F/A 2007)
  • Die Schuld, eine Frau zu sein (Doku, USA/PK 2006)

Januar 14, 2009

Kino: REVOLUTIONARY ROAD

In "American Beauty" hat er genüsslich die bürgerliche Mitte attackiert und die US-Suburbs zur zynisch-komischen Hin- richtung verdammt. Nach dem Oscarsiegeszug dann adap- tierte er die düstere Graphic Novel "Road to Perdition" zu einem stilisierten Film Noir-Reigen, während sich seine dritte Regiearbeit, "Jarhead", schließlich als überraschend miss- glückte Kriegssatire erwies, die besonders unter dem Verlust der Bilder von Kameramann Conrad L. Hall litt. Nun legt der einstige Theaterregisseur Sam Mendes mit "Zeiten des Aufruhrs" nach - und zwar back on track, wie es im Englischen so schön heißt.

Es ist der Anfang vom Ende: Nachdem sich April (Kate Winslet) und Frank (Leonardo DiCaprio) kennen und lieben gelernt haben, vergehen nur wenige Minuten, ehe der Film sie einen handfesten Ehestreit ausfechten lässt. Der Ton ist angestimmt, noch vor Einblendung der Titel - und die Figuren aufgegeben, das Schicksal besiegelt: Das wird die nächsten zwei Stunden gewiss kein harmonisches Zusammensein.

Nicht zuletzt die Konventionen und Ansprüche der 50er Jahre befördern das unaufhaltsame Leiden des jungen Glücks. Am Anfang ist die Liebe frisch und aufregend, dann stellt sich rasch der erste Trott ein. Die herkömmlichen Maßnahmen werden ergriffen - Kinder gezeugt, ein schönes Haus bezogen - und bleiben dennoch längerfristig wirkungslos: April genügt sich nicht in der Rolle von Hausfrau und Mutter, Frank tut sich schwer als Vorzeige-Patriarch, der das Essen nach Hause und die Familie in Einklang zu bringen hat.

In der Revolutionary Road, der Straße, die April und Frank Wheeler beziehen und die natürlich vergeblich den hoffnungs- vollen Umbruch im Namen trägt, findet sich für Mendes ein konventionelles, aber noch immer treffendes Sinnbild: Hier, wo glückliche Familien und der Schein des Perfekten gedeihen, tun sich die größten Abgründe auf - und lässt sich das beste klassische Dramenmaterial produzieren. Schließlich erzählen alle Mendes-Filme letztlich höchst melodramatische Geschich- ten im wechselnden Genre-Gewand.

Im Drei-Akt-Drama "Zeiten des Aufruhrs" nun wirkt genau das gänzlich auf die traditionellen Basics reduziert. Ja, man könnte meinen, dass Mendes hier ganz den Douglas Sirk gibt, jenen begnadeten Melodramatiker, der der Filmgeschichte in den 50er Jahren Meisterwerke wie "Solange es Menschen gibt" schenkte. Und so lieben sich hier Mann und Frau unschuldig und rein, ehe sie mit der Zeit erkennen müssen, dass sie eigentlich nicht für einander gemacht sind.

Das dramatische Potential ergibt sich daraus von selbst: Der Prozess des Voneinanderlösens fällt schwer und verläuft uneinsichtig, weil gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Wertvorstellungen ein anderes Idealbild zeichnen - umso stärker in den konservativen Fifties, die ein regeneriertes Ehe- und Familienmodell und optimale Lebensentwürfe vor- geben: Arbeits- und Haushaltsstruktur, die Organisation von Karriere und Kinder sind von klar gegensätzlichem Verständnis gekennzeichnet und entsprechend aufgeteilt.

Für diese gewiss nicht neue, aber intensive Dekonstruktion des Ehe-Modells hat der Regisseur das größte Leinwandpaar der 90er erneut zusammengebracht. Erstmals seit "Titanic" spielen Kate Winslet und Leonardo DiCaprio wieder die Liebenden. Doch was im Cameron-Epos noch stärker auf den Ursprung des Genres zurückging, ja, sich beinahe literarisch verstand, nämlich eine Liebesgeschichte, die sein will, aber nicht sein darf, wird von Mendes verkehrt: Seine Leinwand- liebe muss das äußere Mittelstandsglück ergeben, ist im Innen jedoch gespalten.

Wenn sich die Eheleute hier dann verbal in Stücke reißen und schönstes Möbelinventar zu Bruch geht, möchte man Winslet und DiCaprio eigentlich bei gar nichts anderem mehr zusehen. Das mag so klingen, wie es gewiss nicht inszeniert ist - Mendes hält sich mit ausgestelltem Zynismus, so wie er in "American Beauty" einen faden Beigeschmack hatte, auffällig zurück -, doch lässt sich schwer leugnen, dass die beiden Hauptdarsteller ganz und gar in ihren intensiven Rollen aufgehen. So dramatisch flogen Ehe-Fetzen im Kino seit "Wer hat Angst vor Virginia Wolf?" nicht mehr.

Es scheint, als demonstrierten Winslet und DiCaprio dabei fast stolz, wo sie 10 Jahre nach dem erfolreichsten Film aller Zeiten nun stehen, als etablierte Ikonen eines modernen Erzählkinos, die sich erfolgreich der Typbesetzung ihrer Typrollen schlechthin erwehren. Ihr beklemmendes physisches Schauspiel wird nicht zuletzt durch Roger Deakins' intime Nah-Photographie zum Ereignis: Mit ihnen hat das ameri- kanische Melodram die Würde der großen Geste zurückerlangt. In Sam Mendes' bislang stillstem Film, der manchmal auch ganz laut - und ganz groß sein muss.


80% - für: gamona

Zweitsichtung 26.04.2010: 60%

Januar 12, 2009

News: GOLDEN GLOBES 2009 - Gewinner

Ganz wunderbar unterhaltsame, entspannte und gemütliche Verleihung. Die ominöse Foreign Press Association hat mitunter erwartungsgemäß unamerikanisch entschieden und sich damit dieses Jahr vermutlich besonders weit von den Oscars entfernt (noch mal zur Erinnerung: die Globes sind in keiner Weise ein Gradmesser für die Academy Awards). Persönliche Highlights: Spielbergs Rede für seinen Cecil B. DeMille Award und der wundervolle Zusammenschnitt seines Schaffens, Colin Farrells Drogenauftritt, das Schlusswort: Fuck, die hinreißend pathetische Kate Winslet, der ihr zu- schmachtende großartige Leo DiCaprio und kein Preis für "A Beautiful Mind 2" von David Fincher.

Die Gewinner: hier.

Januar 11, 2009

TV: Fernsehtipps vom 12.01. - 18.01.2009

Montag, 12.01.

20:15 Uhr – Sister Act 2 (SAT.1)

Singende Nonnen, die zweite. Was im ersten Film noch ein vergnügliches Späßchen war, verkommt in der Fortsetzung zum müden Gag über sich selbst.

22:30 Uhr – Bordello of Blood (Das Vierte)

Wird im Fernsehen nur als Torso versendet, in der ungeschnittenen Fassung ist die Tale from the Crypt aber ein herrlicher Unsinn mit einem köstlichen Dennis Miller in der Hauptrolle.

23:00 Uhr – Good Bye, Lenin! (SWR)

Gut gemeintes DDR-Rührstück, das nach einer skurrilen ersten in eine verkitschte zweite Hälfte umkippt. Yann Tiersen muss es dann richten.

Dienstag, 13.01.

22:10 Uhr – Der Hauch des Todes (WDR)

Da kann es noch solche TV-Dürreperioden geben, auf die alten James Bond-Master der Dritten ist immer Verlass.

0:00 Uhr – Die fetten Jahre sind vorbei (SWR)

Fürchterlich studentisches Filmhochschule-Theater von bemerkenswerter Naivität. Der Film für den modernen Tocotronic-Hörer.

0:20 Uhr – Underworld (ZDF)

Also ein wirklich guter Film ist jetzt was anderes, aber die Latex-Kate macht auf ihrer Jagd nach Werwölfen durchaus Spaß. Und Bill Nighy ist dabei. Gibt schlimmeres.

Mittwoch, 14.01.

23:15 Uhr – Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber (Arte)

Da ich mein bescheinigtes Prätentionspotential verstärkt nutzen möchte, und weil ich es jemandem versprochen habe, werde ich Greenaways Sittengemälde auf jeden Fall anschauen. Mal gucken, ob das Regisseursego hier auch durch jedes Bild flüstert wie in "A Zed and Two Noughts".

0:35 Uhr – Lady Vengeance (ARD)

Und ich hab den Rachefilm-Abschluss noch nicht gesehen, obwohl ich die ersten beiden Versionen so toll fand. Ja, wird schon noch nachgeholt.

Donnerstag, 15.01.

20:15 Uhr – Kevin – Allein in New York (VOX)

Hat mit Tim Curry zwar ein echtes Argument auf seiner Seite, aber eigentlich ist das Sequel eine ziemlich dreiste Wiederholung, die Szene für Szene das Erfolgsrezept des Vorgängers nachkocht. Hat als Kind noch funktioniert, heute nicht mehr.

22:40 Uhr – Piranhas (Das Vierte)

Meiner Sympathien für Joe Dante zum Trotz – die Ironie dieses 70s-Tier-Horrors hat sich mir nicht erschlossen. Der ist einfach nur irgendwie blöd.

Freitag, 16.01.

20:15 Uhr – Last Samurai (Pro7)

Was man Clint Eastwood anlässlich seines Kriegsdoppels zum Teil vorgeworfen hat, nämlich die Aufarbeitung fernöstlicher Sujets mit westlicher Ästhetik, ist im Falle von Edward Zwicks Möchtegernepos tatsächlich ein Problem: Was ein dezenter Versuch hätte sein können, ist eher eine kolportagehafte Imitation mit Trashpotential. Gekürzt.

Samstag, 17.01.

22:10 Uhr – Red Eye (ARD)

Ich mochte den sehr gern, wohl als einer der ganz wenigen. Eine kleine hübsche Thriller-Handwerksdemonstration von Wes Craven, die nur im Finale übers Ziel hinausschießt.

0:00 Uhr – Kap der Angst (MDR)

Scorseses Remake. Habe ich kürzlich wieder entdeckt, im Sinne von: neu schätzen gelernt. Hatte den als spröden filmgeschichtlichen Anschauungsunterricht im Gedächtnis, tatsächlich ist der Film aber eine sehr niveauvolle Vorführung, wie man mit postmodernen Erzählstrategien umgehen kann. Wirklich guter, unterschätzter Film.

1:10 Uhr – Heat (ARD)

Ich gehe mit eigentlich nichts konform, was dieser Film zu vermitteln hat, aber Michael Mann hat das Teil einfach unglaublich inszeniert. Die Ideologiekritik unterliegt dem finessereichen Regieblendwerk, sozusagen. Nee, toller Film. Aus, Ende.

Sonntag, 18.01.

0:00 Uhr – Elementarteilchen (SWR)

Hiermit hat sich Fassbinder-Wannabe Roehler für mich endgültig ins Aus befördert. Eine Tortur, jenseits von Gut und Böse.

1:10 Uhr – Mission: Impossible 2 (Pro7)

Cruise Control. Auf Zelluloid gebannter Egotrip des Scientology-Äffchens, und leider auch Armutszeugnis für John Woo. Technokratenschrott, der mit der Serie noch weniger zu tun hat als De Palmas Vorläufer.


TV-Tipps gibbet auch beim Tumi, Christian und beim Fincher.

Januar 10, 2009

News: Upcoming Reviews


Demnächst Filmbesprechungen zu: "Zeiten des Aufruhrs" (Revolutionary Road, Sam Mendes), "Der seltsame Fall des Benjamin Button" (The Curious Case of Benjamin Button, David Fincher) und "Der fremde Sohn" (Changeling, Clint Eastwood).

Januar 08, 2009

Kurioses: THE RETURN OF THE GOOGLE SEARCH

Mal wieder die jüngsten Suchanfragen, die seit letztem Mal auf diesen Blog führten:


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When there's no more room in hell...

Kino: KINOSTARTS - 08.01.2009

  • Jerichow (Drama, D 2008)
  • Warten auf Angelina (Komödie, D 2008)
  • Alter und Schönheit (Drama, D 2008)
  • Die Perlmutterfarbe (Tragödie, Bayern 2008)
  • Transporter 3 (Action, USA/F 2008)
  • Warlords (Kriegsaction, CN 2008)
  • Sieben Leben (Kannibalismus-Drama, USA 2008)

Januar 06, 2009

Zuletzt gesehen: BLACK NARCISSUS

Man will gar nicht glauben, dass "Black Narcissus" bereits 1947 produziert wurde. Andererseits ließe sich so einfach auch gar kein zeitlicher Bezug ausmachen: Das Gefühl für Orientierungslosigkeit ist Michael Powells und Emeric Pressburgers Film in beinahe jeder Einstellung eingeschrieben – und die Verortung wird noch zusätzlich mittels extremer Stilisierung erschwert: So ist der Film nahezu komplett in den Pinewood-Studios gedreht, verwirrt und begeistert jedoch ununterbrochen mit spektakulären Außenaufnahmen Indiens, die keine sind. Jack Cardiffs Kameraarbeit ist schlicht sensationell, atemberaubend und übermächtig, die Matte Paintings und Farbgestaltung bis heute unübertroffen (und der ungeheure Einfluss auf Regisseure wie Dario Argento nicht zu übersehen). Ein Technicolor-Rausch von einem Film, wahrlich. Powell und Pressburger erweisen sich im Umgang mit ästhetischen Prinzipien dabei überraschend verspielt, sie nutzen changierende Farb- und Lichtsetzung mal zugunsten einer fiebrigen Atmosphäre, die die an und für sich konfuse Handlung begleitet, dann wieder für melodramatische Effekte oder Orientmärchen-Pomp. Dass "Black Narcissus" dabei als sorgfältiges, filmisch interpretiertes Stimmungsbild ebenso wie als Film über Wahnsinn und Hysterie erscheint, liegt nicht zuletzt am enervierenden Spiel insbesondere Deborah Kerrs, deren Rolle zu einem Karriere-Archetypen werden sollte – eine Variation der ‚repressiven Nonne’ gab sie später noch einmal meisterhaft in Jack Claytons "The Innocents".


75%

Januar 05, 2009

Retro: BAD BOY BUBBY (1993)

Mit Begeisterung wurde "Bad Boy Bubby" bei den Filmfest- spielen von Venedig 1993 aufgenommen und mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Der große Erfolg blieb im Anschluss zwar trotz überragender Kritiken aus, dennoch scheint sich Rolf de Heers Kaspar-Hauser-Variation als Kultfilm bewährt zu haben. Dementsprechend wurde eine ange- messene Veröffentlichung auf DVD nicht nur hierzulande lang erwartet. Das Nachwuchs-Label Bildstörung hat, nach eigenen Angaben in enger Zusammenarbeit mit dem Regisseur, der Wartezeit nun ein Ende bereitet. Der gute Ruf des Films, in dem der 35 Jahre lang in einer dreckigen kleinen Wohnung eingesperrte Bubby erstmals ans Tageslicht gerät, gibt hingegen Rätsel auf: Hinter ihrer aufgesetzt bescheidenen Indie-Fassade ist die australische Produktion schlimmster Mainstream-Sozialkitsch.

Der erste Akt schildert in 30 eindringlichen Minuten noch das Martyrium des Titelhelden, dem Opfer einer Lebenslüge der Mutter. Ständige Schikanierungen und inzestuöser Missbrauch bilden den Alltag des zurückgebliebenen Mannes, bis er seine Eltern schließlich einfach tötet und sein Wohnloch verlässt. Hier vollzieht sich dann auch der radikalste Wechsel des Inszenierungsstils, als Bubby die Welt außerhalb zu erforschen beginnt. In der ursprünglichen Originalfassung ändert sich das im Widescreen zusätzlich eingepferchte Vollbild-Format des ersten Drittels, das am ehesten einem Guckkasten gleicht, in schönstes Cinemascope – bereits das ist ein Ausdruck der einfallslosen, plakativen Strategie des Films, adäquate Bilder für die absurde Geschichte zu finden. Was daran jedoch einzig fasziniert ist der ungebrochene Einfluss, den der "Wizard of Oz" offenbar noch heute zu haben scheint, nicht die ausgestellte Indifferenz der Photographie.

Auf seiner Selbsterkundungsreise erlebt Bubby dann natürlich einige verrückte Dinge: Er wird verprügelt und in den Arsch gefickt, landet im Knast und danach gar als Pfleger im Behindertenheim, ehe er letztlich zum Rockstar aufsteigt. Im Prinzip nimmt der Film auf einem provinziellen Niveau die dümmlich-naive Gutmenschenmoral eines "Forrest Gump" vorweg, alles ist dabei mit klebriger Melancholie und prätentiösem Kunstwillen samt Pseudo-Theodizee in Szene gesetzt. Ein schrecklich schwachsinniger Film mit einem bedauernswerten Mangel an Aufrichtigkeit. Und schlimmer noch: Wenn Bubbys Leidensweg schließlich durch Frau, Kind und Reihenhaus ein Ende findet, möchte man nur noch Kotzen.


30% - (als DVD-Review) erschienen bei: DAS MANIFEST

Januar 04, 2009

TV: Fernsehtipps vom 05.01. - 11.01.2009

Montag, 05.01.

21:00 Uhr – Frühstück bei Tiffany (Arte)

Entzückender Film, aber vermutlich wirklich die Fehlbesetzung des Jahrhunderts.

22:15 Uhr – Armageddon (ZDF)

Gut: Das Getrickse. Schlecht: Der Film.

0:10 Uhr – Stadt der Frauen (HR)

Halte ich nach wie vor für einen der schwächeren Fellinis. Wirkt wie ein spätes Werk-Resümee an Bildern, denen irgendwie der Inhalt fehlt.

1:05 Uhr – Buddenbrooks (ARD)

Die Version mit Liselotte Pulver. Ist jetzt zwar auch keine besonders aufregende Verfilmung, aber besser als der TV-Trash von Breloer, der momentan in den Kinos läuft, sicher allemal. Hat übrigens eine sehr bewegte und spannende Produktionsgeschichte.

Dienstag, 06.01.

15:30 Uhr – Cry-Baby (RTL2)

Ein Traum.

20:15 Uhr – The Sentinel (ZDF)

Dröge inszenierter Thriller mit ausgelutschter Handlung und geliftetem Michael Douglas. Versucht verzweifelt TV-Strategien aus "The Shield" und "24" aufs Kino zu übertragen, kommt aber eigentlich rund 15 Jahre zu spät.

22:05 Uhr – The Game (RBB)

Eine leere Fingerübung. Als Plot-Film unlogisch und vorhersehbar, als Versuchsanordnung über (Computer)Spiel-Mechanismen zu durchsichtig. Den besseren Beitrag über filmische Konstruktion hat da Michael Mann mit "Collateral" abgeliefert.

23:00 Uhr – Eden (Arte)

Ein Film übers Kochen mit Charlotte Roche. Keine Ahnung, muss man das sehen?

Mittwoch, 07.01.

22:30 Uhr – Fortress – Die Festung (K1)

Herrlich bizarrer Sci-Fi-Edel-Trash über den Babyboom von Stuart Gordon, läuft allerdings stark gekürzt.

Donnerstag, 08.01.

20:15 Uhr – Kevin – Allein zu Haus (VOX)

Nostalgie-Liebling. Wirklich exzellentes Sendedatum...

20:15 Uhr – Beverly Hills Cop (SAT.1)

Buddy-Film, der alles bietet: Einen Helden mit Ödipus-Komplex, genretypische Homo-Chiffres, Synthie-Musik und Judge Reinhold. Mehr dated geht nicht.

23:45 Uhr – Der Pate 3 (Arte)

Coppola ist natürlich nicht mehr ganz bei der Sache. Einiges ist schludrig inszeniert, die Besetzung nicht immer geglückt, aber dennoch wurde der zu Unrecht gescholten. Ist immer noch 10mal besser als sämtliche amerikanischen Mafiafilme der 80er.

Freitag, 09.01.

22:15 Uhr – End of Days (Pro7)

Horror-Action-Gemisch zum Milleniums-Hype. Wenn der Film überhaupt einmal funktioniert hat, dann nur zur Kinoaufführung.

Samstag, 10.01.

20:15 Uhr – Body Heat / Heißblütig – Kaltblütig (Das Vierte)

Lawrence Kasdans Film Noir-Hommage. Ich habe und hatte eine Schwäche für den Film, was vor allem an der gottgleichen Kathleen Turner und John Barrys Musik liegt.

22:30 Uhr – 13 Geister (Pro7)

Den Charme des Originals ersetzen blutige und einfallsreiche CG-Tricks. Von allen Dark Castle-Remakes noch das netteste.

22:30 Uhr – Nightwatch (Das Vierte)

Lange nicht mehr gesehen. Habe ich aber als einen der effektivsten Thriller überhaupt in Erinnerung. Bornedal lässt nichts aus, verzichtet aber dennoch selbst im Schlussteil auf die üblichen Genre-Grobschlächtigkeiten.

Sonntag, 11.01.

20:15 Uhr – Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Pro7)

Großartig, wie Chris Columbus die Waage hält zwischen kindlicher Erlebniswelt und den nahenden Schrecken des Erwachsenwerdens. Mein Lieblingsfilm der Serie.

23:30 Uhr – Chanson d’Amour (ARD)

Depardieu als Schlagersänger. Klingt gruselig, aber Mathieu Almaric ist immerhin dabei. Bestimmt typisch beschwingter französischer Mainstream.

23:35 Uhr – Terminator 3: Rebellion der Maschinen (Pro7)

Kurzweilige Franchise-Wiederbelebung im PG-Gewand mit guten Actionszenen. Macht im Großen und Ganzen Spaß, funktioniert aber auch nur noch als Zitat.


TV-Tipps gibbet auch beim Tumi, Christian und Fincher.