Juli 07, 2009

Zuletzt gesehen: ½ PUBLIC ENEMIES

Von Hollywoods klassischen Gangsterfilmen inspirierte und offenkundig auch mächtig beeindruckte Ausstattungs- und Klischeerekonstruktion in HD-Ästhetik. Die Vorzüge des Formates haben sich mir immer noch nicht erschlossen, dem Heimvideolook konnte ich in der widersprüchlichen Kombi- nation mit klassischen Genrekino-Elementen auch kein akademisches "interessant" abgewinnen, nicht zuletzt deshalb, weil die Bilder oftmals durch eine anstrengende Bewegungsunschärfe entstellt sind. Das eigentliche Problem von "Public Enemies" ist jedoch, dass es der langweiligste Markige-Kerle-Dünnschiss der Kinosaison und die völlig ideenfreie, lustlose und mit den üblichen ausgestellten Michael-Mann-Techniksperenzien versehene Adaption eines durchaus interessanten Kriminalfalls ist. Sehr erhellend immerhin der Moment, in dem Johnny Depp und Christian Bale aufeinander treffen, da sich hier wunderbar anschaulich belegt, wer von beiden ein Schauspieler – und wer nur ein angestrengt dreinschauendes, seltsamerweise ständig flüs- terndes und nervtötend mit der Stirn runzelndes Hollywoodmysterium ist. Nach dem letzten "Terminator" ist das nun hoffentlich endgültig der Abschuss für den meistüberschätzten Schauspieler der letzten Jahre. Ach, noch was zum Film: Nach der Hälfe war der Wille noch immer nicht gebrochen. Und da sich das ermüdende, stereotype und repetitive Männerkino Michael Manns selten auch inszenatorisch so schwachbrüstig präsentierte – wobei die ruckelnden Kamerazooms und der bewusst Bildlücken generierende Schnitt mindestens bei den Regie- und Filmstudenten wieder feuchte Hosen garantieren dürfte – habe ich angesichts meiner dahinschwindenden Lebenszeit nach der Hälfte die Flucht ergriffen.

Kommentare:

  1. Du Loser :P Man muss auch die Hölle durchstehen, das macht einen stärker ... aber stimmt, in DEINEM Alter würde ich auch kostbar mit jeder Sekunde umgehen ... :P
    Aber ich muss sagen, ich finde diese HD - "Ästhetik" auch eher weniger angenehm. Da schau ich mir lieber Video-Kassetten an, die haben wenigsten noch ein gewisses Flair und nicht diese sterile Kälte, die von diesen Bilder kommen.

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  2. Nee sorry, ich habe angesichts der Fülle an miesen Filmen derzeit nicht mehr den Nerv, diese 150minütigen Langweiler bis zum Ende durchzustehen. Hat mir schon bei TRANSFORMERS II gereicht.

    Ansonsten gehe ich allerdings eher selten vorzeitig aus einem Film, zuletzt war das bei AMERICAN GANGSTER der Fall.

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  3. Es kommt ja immer darauf an, was man mit dieser HD Ästhetik macht. Soderbergh ist mit Che zumindest ein sehr cineastischer Film gelungen. Gerade zum Ende hin.

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  4. CHE empfand ich als reine Didaktik und über die gesamten viereinhalb Stunden hinweg äußerst anstrengend.

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  5. Ernüchternd...

    mal noch die anderen Kritiken abwarten, aber so richtig Interesse bestand eh noch nie an diesem Film.

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  6. @rajko
    Natürlich war der anstrengend, aber die HD Kamera hat doch äußerst gute Bilder produziert, da Soderbergh sie einzusetzen wußte. Ich habe den Film jedenfalls nicht als Homevideo empfunden. Nichtsdestotrotz bevorzuge ich natürlich auch echten Film, ganz klar. Schon allein aus dem Grund, da er eindeutig anzeigt "Achtung jetzt kommt Kino".^^

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  7. Aber Soderbergh hat doch sicher noch einmal ganz andere Kameras benutzt, oder? Das sah mir jedenfalls 10mal mehr nach Film aus als das, was Michael Mann da in den letzten Jahren so produziert.

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  8. Ja, Soderbergh dürfte hiermit gedreht haben. Während Mann laut imdb auf Sony setzt.

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  9. Soderbergh hat in der Tat noch andere Kameras benutzt und ja nicht nur digital.

    Camera:
    Aaton 16 mm Cameras
    Panavision Cameras and Lenses
    Red One Camera and Lenses

    Ansonsten ist Public Enemies doch Schrott mit Ansage, der Trailer war schon oberkacke, so geht Mann den Weg des Ridley Scott, ein/zwei gute Filme der Rest für die Tonne.

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  10. Naja, also die Vorteile sind schon recht offensichtlich, schau Dir doch mal CRANK 2 oder Manns MIAMI VICE an. Außerdem dürfte es dem Editor auch eine Menge Arbeit abnehmen ... Aber ja, die Optik stört mich bei solch einem period piece auch gewaltig.

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  11. Naja, bei Crank2 sehe ich generell keine Vorteile.*gg*

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  12. @Rajko:

    Über das "Warum?" der Optik äußert sich Mann unter anderem beim AK zu Miami Vice (als Crockett und Tubbs gegen Ende per Speedboat in den Hafen kommen). Auch im Interview mit AICN (http://www.aintitcool.com/node/41556) äußert er sich ein wenig dazu.

    Ich bin weiterhin rallig wie nix und bleibe dabei, dass hier der zweitbeste Film des Jahres für mich (nach AVATAR) anstehen wird. :)

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  13. Mr. Hankey8/7/09 00:13

    Die Sache mit der Optik ist so ne Sache. Klar ist allerdings, dass sich die Digitaltechnik früher oder später wohl doch nahezu komplett durchsetzen wird und dann dürfte für Rajko wohl das Kino entgültig gestorben sein. Vielleicht wird er dann ja Musik-Kritiker!
    ;-) ;-) ;-)

    Spaß beiseite:

    Ich mag die neue Digitaltechnik durchaus, denn schließlich ist unsere Zeit nun einmal im Fortschritt und das man da nun gerade beim Film stehen bleiben soll, kann ich nicht ganz nachvollziehen, zumal es schon viele Filme gibt, die die Vorzüge der Technik nur allzudeutlich zeigen, auch wenn 70 mm natürlich trotzdem das Beste bleibt, was es je gegeben hat.

    Was Mann jedoch angeht bin ich auch recht zwiegespalten, nachdem mir "Miami Vice" auch nur sehr bedingt zugesagt hat. Aber mit Udo und Rene, die sich ja schon beim Trailer die Höschen vor Freude genäßt haben ;), werde ich da wohl trotzdem reingehen, vor allem wegen Johnny UND Christian, die beide extrem gute Schauspieler sind. Bales Leistung in "Der Machinist" ist immer noch eine der überwältigendensten Performances, die ein Schauspieler je hingelegt hat. Aber so ist das nun mal. Wen Rajko nicht mag, der hat unter ihm zu leiden! ;)

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  14. ist mir erst am MO bei FIGHTING auch passiert. Was sind das nur für schreckliche Filme?

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  15. "und dann dürfte für Rajko wohl das Kino entgültig gestorben sein. Vielleicht wird er dann ja Musik-Kritiker"

    Oh ja, da dürfte ich dann aus dem Lachen überhaupt nicht mehr rauskommen.

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  16. Gesehen und für groß (wenn auch nicht für großartig) befunden ;)

    Brauchte etwas Einegwöhnungsezeit, was jedoch nicht an der viel diskutiertern Digital-Technik sondern eher an der Erzählstruktur lag.

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  17. @Mr Hankey

    Ich glaub Rajko gehts auch nicht generell um Digitaltechnik, sondern um den bewusst beschissenen Heimvideolook den Mann hier wählt. Selbst Collateral sah nicht so käsig aus und viele Filme die heute digital gedreht sind, wirken sehr filmisch.

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  18. Was für ein herbe vernichtende Kritik. Derweilen hab ich mich so auf den Streifen gefreut. Johnny, Christian, Marion...alle drei und dann noch in einem Gangsterfilm, mit Tommyguns, Trenchcoats, Oldtimers und Hüten...eigentlich genau mein Ding. Der Film wird trotzdem geguckt, aber ich gehe mit einem flauen Gefühl ins Kino. Ich hoffe, ich kann trotzdem etwas abgewinnen.

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  19. James Larry26/10/09 04:17

    Da hat mir Herr Burchardt aus der Seele gesprochen. Endlich mal jemand, der das ausspricht. Ich halte Christian Bale auch für einen völlig überschätzten Schauspieler, als "American Psycho" und als übler Gesell im "Shaft"-Remake fand ich ihn ja noch ganz gut, aber das war's dann eigentlich auch schon. Na ja, aber vielleicht gab es noch keinen Regisseur, der Christian Bale mal so richtig herausgefordert und alles aus ihm herausgekitzelt hat, wie jüngst wohl Werner Herzog bei Nicolas Cage.

    Mit bestem Gruße,

    JL

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