Mai 30, 2009

TV: Fernsehtipps vom 30.05. - 05.06.2009

Samstag, 30.05.
20:15 Uhr – Monster House (SAT.1)
Computeranimierter Kindergrusel im Retro-Design. Reines Produzentenkino, bei dem Spielberg und Zemeckis noch einmal den Hauch ihrer 80’s-Perlen versprüht wissen wollen. Ist im Ergebnis viel zu brav und viel zu schlecht animiert.
20:15 Uhr – Marie Antoinette (Pro7)
Sofia Coppolas Pop-Interpretation des Prinzessinnenmythos. Ein schwer verdaulicher Film, dessen geballter Camp in Kombination mit angehäuften Großmädchen-Plattitüden wahrscheinlich erklärt, warum er bei jungen Schwulen so nahezu ausnahmslos beliebt ist.
22:05 Uhr – Freeze (Das Vierte)
Bornedals eigenes US-Remake seines größten Hits. Flüssiger als überflüssig und zu alledem ohne Schniepeleinstellung von Ewan McGregor.
22:15 Uhr – Butterfly Effect (RTL)
Geschickter und schlicht unterhaltsamer Zeitreiseschmu für die Donnie-Darko-Generation.
0:15 Uhr – Alpha Dog (RTL)
Behaupteter Jugendmilieu-Sozialtrash von John Cassavetes’ ungleich untalentierterem Sohnemann Nick. Das Over-Acting von Sharon Stone bleibt in Erinnerung.
2:00 Uhr – House of Wax (Pro7)
Saftiges Remaken eines Uralt-Genretopos mit frischen Gesichtern und Paris Hilton. Der Hang zur Überlänge stört, das deftige Abmurksen der Teeniegören hingegen ist höchst vergnüglich.

Sonntag, 31.05.
12:05 Uhr – E.T. – Der Außerirdische (ARD)
21:45 Uhr – Hulk (RTL)
Ang Lees Familientragödie im Comic-Gewand. Mit Multi-Screens und raffinierten Übergängen findet er dennoch die ultimative formale Entsprechung für die Adaption des stillen ins bewegte Bild. Referenzfilm.
22:15 Uhr – Matrix (Pro7)
Ach ja, immer mal wieder. Hab schon so oft was zu dem geschrieben. Finde ich mal sensationell, mal ziemlich käsig. Bin da inkonsistent.

Montag, 01.06.
20:15 Uhr – Hellboy (Pro7)
Fügt sich wunderbar ins Del-Toro-Oeuvre. Dessen Gespür und Verständnis fürs Phantastische ist, von Burton und Gilliam abgesehen, derzeit einzigartig. Das Sequel war dann sogar noch toller.
20:15 Uhr – Das Parfum (SAT.1)
Wie es Tykwer zunächst gelingt, vielfältige Sinneswahrnehmungen über Bilder zu vermitteln, ist wirklich bemerkenswert und eindrucksvoll. Bis zum orgiastischen Finale durchläuft der Film aber auch einige Durststrecken und leidet unter seinem lustlosen Starensemble und der theatralischen Ausstattung.
22:10 Uhr – Memento (Das Vierte)
Es gibt fast nichts Schlimmeres als Filme, die sich penetrant und ekelhaft an ihrem ostentativen Drehbuchspiel ergötzen, und da gibt es unter all diesen einst neuerlichen Twistorama-Erscheinungen einige.
22:30 Uhr – Snakes on a Plane (RTL)
23:05 Uhr – Das Schweigen der Lämmer (SAT.1)
Die finale Montage allein lässt das viele Bemühen von Thriller-Prototypen und die eigentlich höchst alberne Plot-Konstruktion nichtig erscheinen. Stilbildender Film, den man kaum mögen, aber schätzen kann.

Dienstag, 02.06.
Nur Kacke.

Mittwoch, 03.06.
20:15 Uhr – Million Dollar Baby (K1)
Eine Emanzipationsgeschichte. Einfühlsam, intensiv, radikal bricht Eastwood ideologische Muster auf, ohne seinen konventionellen Stil aufzugeben. Dass der Film von der intellektuellen Filmkritik als reaktionär empfunden wurde, erscheint mir weiterhin rätselhaft. At least it’s großartiges Schauspielkino.

Donnerstag, 04.06.
23:02 Uhr – Krieg der Welten (ARD)
Mit verblüffender Detailverliebtheit und Präzision entwirft Spielberg in seinem E.T.-Gegenentwurf ein düsteres, bedrohliches Invasionsszenario, das von seinen beklemmenden Bildern, den mehr oder weniger subtilen 9/11-Anklängen und einem souveränen Tom Cruise lebt. Der Mittelteil ging in die Hose, und über den zwar zweideutigen, aber tendenziell eher verkitschten Schluss kann man streiten. Dennoch Spielbergs bester Film seit Jahren – und absolut beispielhaft in der Kombination von CGI und Live-Action.

Freitag, 05.06.
23:55 Uhr – Mad Max 2 (RTL2)
Ein Film, von dem noch immer so viele zehren. Nach Neill Marshall hat nun auch McG ganz tief in die "Road Warrior"-Mottenkiste gegriffen. Angucken, würde er nur nicht so gekürzt versendet werden.

Kommentare:

  1. Bis zum orgiastischen Finale durchläuft der Film aber auch einige Durststrecken und leidet unter seinem lustlosen Starensemble und der theatralischen Ausstattung.Einige Durststrecken ist gut. Der Film ist eine einzige Durststrecke. Am schlimmsten, daß Tykwer aus dem nihilistischen gefühlskalten Serienmörder, der nur an Düften interessiert ist, einen verklemmten Spätpubertierenden strickt. Völliger Schrott, da gibt es nichts zu loben. Sich an die Zielgruppe Bunte- und Galaleserbriefschreiber anbiederndes deutsches Anti-Kino. Baaaaahh.

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  2. Oha, böses Urteil. Kann ich aber nachvollziehen, bin ja außerdem Nicht-Kenner der Vorlage. :)

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  3. @rajko
    Die Vorlage kann ich dir nur empfehlen. Der Stoff eignet sich garantiert nicht für eine europäische Gemeinschaftsproduktion.;)

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  4. So schlecht finde ich Tykwers Ansatz gar nicht. Das ist natürlich kein sonderlich guter Film, aber das Buch kann man auch nicht verfilmen, zumindest nicht in dem Maße, dass der Kern der Vorlage enthalten wäre. Das merkt man schon alleine an dem Kapitel in der Höhle. Wie will man das auch, eine rein olfaktorische Geschichte in ein visuelles Medium transferieren?

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  5. Die Vorlage ist genial und die einzigen Regisseure, die ich mir fuer eine Film-Adaption vorstellen koennte, waeren Kubrick (der es leider nicht mehr geschafft hat), Antonioni oder ganz besonders Robert Bresson gewesen.
    Tykwer ist wirklich DIE Regie-Fehlbesetzung fuer diesen Film gewesen, da haette ich ja selbst Scorsese (den ich zwar sehr schaetze, aber irgendwie nicht mit diesem Stoff verbinden kann) und Forman, die angeblich ebenfalls interessiert waren, mehr zugetraut.

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  6. Mr. Hankey30/5/09 21:05

    Ist im Ergebnis viel zu brav und viel zu schlecht animiert.Verstehe immer noch nicht, was Du so wahnsinnig schlecht an der Animationsart findest. Gut, bei "Beowulf" siehts wirklich käsig aus, aber hier? Na ja, aber wird dir umgekehrt wohl nicht anders gehen! ;) Ich freue mich jedenfalls riesig auf "A Christmas Carol" :-)

    "Das Parfum" liegt immer noch ungesehen bei mir rum (Schon seit Jahren), aber erst vor kurzem hat mir Udo wieder davon vorgeschwärmt (übrigens ein Kenner der Vorlage) und seinen 9 Punkten wird man doch wohl glauben können, oder? ;) ;) ;) Ach ich lass die DVD einfach noch ein bisschen vor sich hinstänkern. Irgendwie will ich hier gar nicht wissen, was wirklich drinsteckt.

    Apropo, an kotzigen "Alpha Dog" ist mittlerweile wirklich nichts gutes mehr zu finden. Früher konnte ich den alten Mann damit wenigstens noch ein wenig aufziehen (du kennst ja seine Wertung), aber mittlerweile läßt ihn das anscheinend auch kalt. Verdammt... ;( ;)

    Ansonsten kann man alles soweit stehen lassen, außer das Memento nichts von dem ist, was Du hier behauptest (ist eigentlich weit besser) und "Krieg der Welten" in Wirklichkeit auch anders aussieht (ist eigentlich weit schlechter). ;)

    Aber sonst... :-)

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  7. Doch, doch. Das Parfüm kann man schon verfilmen, da muß man nur genügend Mut und Gefühl für den Stoff haben.

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  8. "Wie will man das auch, eine rein olfaktorische Geschichte in ein visuelles Medium transferieren?"
    Häh? Wie will man Geruch überhaupt in ein ihm fremdes Medium transferieren, sei das nun Sprache oder Visualutät? Die Frage ist vielmehr - wie hat Süsskind Wörter eingesetzt, um olfaktorische Reize zu beschreiben und für den Leser fast spürbar zu machen? Durch einen famosen Einsatz von Sprache. Und wie hat Tykwer Bilder und Töne dazu eingesetzt, um olfaktorische Reize fast spürbar zu machen? Genau, so gut wie gar nicht und wenn, dann stümperhaft. Ein Mindestmaß an Einfallsreichtum und Kreativität hätte man sich bei der Umsetzung wünschen können...

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  9. @ bekay:

    D'Accord. 100 %.

    Darueber hinaus halte ich es fuer vermessen, DAS PARFUM als eine "rein olfaktorische Geschichte" zu bezeichnen denn ich persoenlich finde nicht, dass Gerueche und Riechen im Mittelpunkt des Romans stehen, sondern etwas ganz anderes. Aber das haben Tywker, Eichinger & Co eben nicht verstanden. Der Film ist eine reine Plot-Adaption, nicht mehr.

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