April 06, 2009

Retro: TWINS OF EVIL (1971)

Nach Roy Ward Bakers "Gruft der Vampire" (ebenfalls mit Peter Cushing) und "Nur Vampire küssen blutig" von Jimmy Sangster bildet "Draculas Hexenjagd" den Abschluss der als Karnstein-Trilogie bezeichneten Vampirgruselreihe, die sich mehr oder weniger auf die "Carmilla"-Novelle von Joseph Sheridan Le Fanu stützt – jenem lesbischen Blutsauger- mythos, der zum kreativ modifizierten Referenzmaterial zahlreicher Genrefilme mutierte. Carmilla selbst spielt hier jedoch nur noch am Rande eine Rolle: Sie erscheint als Geist, der den snobistischen Grafen Karnstein verführt und in einen Vampir verwandelt.

Dieser hat es daraufhin auf die lüsterne Hälfte eines vollbusigen Zwillingspärchens abgesehen, das nach dem Tod der Eltern unter der Obhut des bigotten Onkels Gustav Weil (Cushing), einem Hexenjäger und selbsternannten Vertreter Gottes, steht. Und der muss sich bald besonders sorgfältig um die "Twins of Evil" – so der wesentlich sinnigere Originaltitel – kümmern.

Aus dieser Plotkonstellation generiert die konfuse und meist ein wenig bruchstückhaft erscheinende Geschichte dann zahlreiche Gothic-Horror-Elemente, die unbekümmert abgegrast und verwurstet werden. Schon die Melange aus den eigentlich gegensätzlichen Motiven Hexenverfolgung und Vampirismus belegt das freimütige Wildern dieser späten Hammer-Produktion in allem, was die Exploitation-Mottenkiste so hergibt: Nuditys wechseln sich mit ungewöhnlich herben Splatter-Einschüben ab, Rollenklischees und Genremoral werden bis zum Exzess reproduziert. Dazu schrillen Harry Robinson Violinen ein traumhaft schönes, süßliches Gemisch, das eher an Western-, denn Horrorfilme erinnert.

Trotz prächtiger Pinewood-Sets und einer selbstredend schaurig-schönen Atmosphäre ist "Draculas Hexenjagd" zu durchsichtig in seinem Konzept, sich mit Schmuddelelementen am zeitgemäß grobschlächtigen Trend des Genres zu orientieren. Was sich damit freilich veritabel gibt, ist im Ergebnis dennoch oft trashig, hölzern und, gemessen an den Hammer-Produktionen der 50er und 60er Jahre, zu billig und effekthascherisch heruntergekurbelt.


50% - (als DVD-Review) erschienen bei: DAS MANIFEST

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