März 15, 2009

Ein kurzer Beitrag...

... über: Ideologie und Kino. Von: Slavoj Zizek. Aus: einem Interview mit der Berliner Zeitung.


In den 1970er-Jahren, als die Psychoanalyse schon einmal sehr intensiv zum Studium des Kinos herangezogen wurde, gab es immer noch eine zweite Größe: die herrschende Ideologie. Wo ist die bei Ihnen geblieben?

Wir sind einfach noch nicht so weit gekommen, deswegen wird es einen zweiten Teil geben: "The Pervert's Guide to Ideology". Ich glaube, dass Filme uns am besten zeigen, wo wir ideologisch stehen. Nehmen wir Beispiele aus der jüngsten Zeit: "The Dark Knight", den ich übrigens nicht zur Gänze gesehen habe, weil ich ihn leicht langweilig fand. Da gibt es diese reaktionäre Idee der Rehabilitation einer Lüge. Das soziale Gebilde funktioniert hier nur, wenn eine Lüge bestehen bleibt. Diese Idee einer Lüge als strukturierendes Prinzip ist reine Ideologie. - Ich mag es zum Beispiel auch gar nicht, wie im Moment alle Superhelden mit einer mensch- lichen Seite ausgestattet werden. Batman, Superman, Spider-Man - das sind lauter gebrochene Jungs, die eigentlich so sind wie wir. Was soll das? Ich mag stupide Helden. Sie entsprechen viel besser der schwierigen Politik. Uns aber sagt man: Politik gibt es nicht, alles ist menschlich. Der deutsche Spielfilm "Der Baader Meinhof Komplex" funktioniert auch so: Ulrike Meinhof ist die neurotische Identifikations- figur, Baader und Ensslin sind die flachen Monster. Was bleibt daneben noch? Nichts. Oder nehmen wir "Kung Fu Panda" - die ganzen asiatischen Klischees werden dadurch noch verstärkt, dass man sich darüber lustig macht. Man täuscht sich mit Ironie darüber hinweg, dass wir immer noch an all das glauben. Das ist wie in der Geschichte mit dem Hufeisen, das der Physiker Niels Bohr in seinem Arbeitszimmer aufgehängt hatte: Ich selber glaube nicht daran, hat er mal geäußert, aber man hat mir gesagt, dass es auch so wirkt. So wirkt Ideologie heute: Niemand glaubt dran, aber sie wirkt trotzdem.


"The Pervert's Guide to Cinema", in ausgewählten Kinos.

Kommentare:

  1. Sehr schön. Nicht nur wegen des DK Bashings.

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  2. Wirklich sehr schön. Trotz des DK-Bashings.

    Wobei er mit der menschlichen Seite der Superhelden nur bei Superman so argumentieren könnte (Spider-Mans Reiz ist es, eine einzige Schwäche zu sein), aber interessant nevertheless.

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  3. Na sowas. Das ausgerechnet du etwas über diesen Menschen und diesen Film postest, das ist schon fast subversiv.^^

    Wir zeigen ihn wahrscheinlich bei uns im Kino, ich freue mich schon darauf:-) Nach zwei Clips auf YouTube war ich davon überzeugt, der Typ ist klasse.

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  4. Ah ja... total subversiv und ungewöhnlich, dass ich auf Ideologiekritik(er) stehe, stimmt's? :)

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  5. Nö,

    ich vergaß vielleicht zu erwähnen, dass Slavoj Zizek offenbar einer von Sanos Lieblingskritikern ist (hihi) und ich mir beim Begutachten besagter Clips auf YouTube dachte: "Toll, aber natürlich nichts für die Gaysha.":-)

    Im übrigen hat der Herr, glaube ich, eine andere Vorstellung von Ideologiekritik als du. Es fehlt ihm nämlich scheinbar der Stock im Arsch.;-)

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