Dezember 31, 2008

Kino: TWILIGHT

Das bisschen Popkultur-Prosa, das heute so die Bestseller- listen anführt, ist mit Literatur ja selbst kaum mehr noch in einen semantischen Zusammenhang zu bringen. Kürzlich erst, anlässlich der Kino-Adaption von "Tintenherz", galt es sich noch über den Erfolg der unlogischen Trivialromane von Cornelia Funke zu wundern, da steht schon die nächste Konvertierung vom jungen Erfolgsbuch zum Erfolgfilm ins Haus: Die Teenie-Schmonzette "Twilight", powered by Jugendbuchautorin Stephenie Meyer, wurde von Catherine Hardwicke zu einer Kinoversion umgemodelt, die in den USA ein Vielfaches ihrer Kosten wieder eingespielt hat. Ein richtiger Hit also, die pubertäre Vampirromanze.

Irritierend allerdings, in jeder Hinsicht. Schon das Summit- Entertainment-Logo zu Beginn wirkt, nun ja, ein wenig trashig - gleichwohl die Independent-Schmiede sich mittlerweile mit Edel-Camp wie "Never Back Down" zumindest finanziell "gemausert" hat - und diesen Eindruck vermag die ebenso unbeholfene wie arg videomäßige Inszenierung in den folgenden zwei Stunden auch nicht so wirklich zu widerlegen. Der Film soll 37 Mio. Dollar gekostet haben, in seinen besten Szenen sieht er gerade einmal nach 10 Mio. aus. Aber gut, das ist nur der äußere Schein - sei's drum, wenn Hardwicke hier eine hübsche Blutsauger-Geschichte zu erzählen hat, dann soll die Ästhetik ruhig mal hinten anstehen.

Doch das Plotchen, in dem sich ein Mädchen in einen Jungen verliebt, der aber ein Vampir ist und sie deshalb nicht küssen, geschweige denn entjungfern mag, dieses Gemisch aus Romeo-und-Julia-Plattitüden und einfallslosen Zitaten des stilbildenden Teen-Vampirfilms "The Lost Boys" ergibt eine inhaltlich einschläfernde und ideologisch äußerst bizarre Biedermeier-Schnulze, die dann doch schickes Bildwerk und ein sicheres Händchen benötigt hätte. Hardwicke setzt den mädchenhaften Impetus des Stoffes zwar ambitioniert mit viel Seitenrascheln um, und gewiss: darin wird das Hitpotential gelegen haben, aber das zähe - nicht etwa bewusst kontemplative, stilsichere oder einem bestimmten sinnlichen Erzählrhythmus dienliche - Dahinplätschern der denkbar unaufregenden Geschichte ist schon irgendwie ziemlich scheiße.

Vor allem, weil sich "Twilight" sehr wichtig vorkommt mit dem, was er da verhandelt: Dem romantischen Leiden des Vampirs, der keine Körperlichkeit besitzt, und den semi-erwachsenen Adoleszenznöten des Mädchens, das ja auch irgendwie nur ein Vampir sein möchte. Die unfreiwillige Unterdrückung sexueller Lust scheint bei Hardwicke jedoch zum Segen verkommen, so denn der Film nichts anderes als Enthalt- samkeit beschwört. Und da erinnert man sich dann irgendwie wieder an ihren letzten Film, an den Bibel-Trash "The Nativity Story", der ein fröhlich-misogynes Loblied auf Zwangs- verheiratung einstimmte, und der auch erklären mag, warum Hardwicke sich wohl für den Stoff empfohlen haben könnte.

Immerhin unterhält "Twilight", vielleicht gerade weil er zutiefst sexuelle Motive mit bravem Kitsch zu verdrängen sucht, gelegentlich durch eine amüsante Absurdität: Schließlich ist Edward, der schöne High-School-Nosferatu, faktisch schon ein uralter Sack, weshalb seine so qualvolle Anziehungskraft zur minderjährigen Bella (!) auch als unfreiwillig originelle Variation einer pädophilen Zuneigung verstanden werden kann. Natürlich muss man sich derlei im Subtext zusammen spinnen, der glatte und keimfreie PG-13-Grusel würde ja im Traum nicht auf die Idee kommen, seine eigentlich gar nicht so uninteressanten Ansätze ein wenig zu phrasieren. Ein Trost vielleicht: Die komplexe Version eines ähnlichen Stoffes gibt es im Kino momentan mit "Let the Right One in" zu be- wundern.


40% - erschienen bei: DAS MANIFEST

Dezember 28, 2008

Das war's: Rückblick 2008 - Tops & Flops

Im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren werde ich die Tops und Flops zusammenfassen und keine spezielle Flop 10 erstellen. Habe irgendwie keine Lust mehr, den Crap auch noch zu ranken, schlimm genug, dass ich so viel Scheiße sehen musste. Deshalb soll der ausführliche Platz den großartigen Filmen vorbehalten sein. Hier also nun alle Filme des Jahres, die ich gesehen habe, absteigend aufgelistet, beginnend mit der Top 10:


10. Drifter
(Sebastian Heidinger)

Sehr überlegt inszenierter Dokumentarfilm über die Jugendprostitution am Bahnhof Zoo, jenseits von "Christiane F.". Mit emotionaler, nicht aber räumlicher Distanz nähert sich Heidinger einem sozialen Problembereich in der Nische: Das Quasi-Lichten einer Grauzone geschieht mit der nötigen Subtilität und für einen jungen Regisseur von der Film-Uni erstaunlich unprätentiös. Ein Film, der mich nicht zuletzt wegen seines unkonventionellen, szenischen Konzepts beeindruckt hat.


9. Once (John Carney)

Eine wundersame Liebesgeschichte über die Kraft der Musik. Sicher, ein wenig ist der irische Independentfilm cheesy inszeniert, manchmal gar orientierungslos, aber er ist dabei eben auch unbeholfen sympathisch und stets aufrichtig. Mit zwei großartigen Hauptdarstellern und noch großartigerer Musik einer der schlicht schönsten Filme des Jahres.


8. Mamma Mia! (Phyllida Lloyd)

Nach einem Trailer mit hoher Fremdschämgarantie erwies sich die Kinoumsetzung des beliebten Stage-Musicals um die ABBA-Klassiker als unbekümmertes Camp-Fest, das so viel Lebensfreude und Gute Laune versprüht wie kein anderer Film 2008. Eskapismus in Reinkultur, wunderbar besetzt. Und mit Mut zur Peinlichkeit.


7. WALL·E (Andrew Stanton)

Ein Film über die stille Liebe zweier Roboter. Inmitten "Hello, Dolly!" als kommunikativer Vermittler - die Sprache eines jahrhundertealten Films auf Video reift zur einzigen Sprache eines volldigitalen Films, der 700 Jahre in der Zukunft spielt. Die erste Hälfte gar von ungeheuerer Brillanz, eine bewegende und komplexe Studie über Einsamkeit und Verstummung – in einem Kinderabenteuer! Danach schlittert "Wall-E" zwar über bekanntes Terrain, dennoch hat Pixars Quasi-"E.T. 2.0" mein Herz im Sturm erobert.


6. Le Scaphandre et le papillon (Julian Schnabel)

Julian Schnabels Interpretation eines Schicksals. Von Jean-Dominique Bauby, der nach einem Schlaganfall vollständig gelähmt ist – und nur mit seinem linken Auge kommunizieren kann. Bauby schrieb im Krankenhaus ein Buch: Er diktierte es ausschließlich über seinen Lidschlag, nur wenige Tage nach Veröffentlichung starb er 1997. Diese unglaubliche, bewegende Geschichte verarbeitet Schnabel als filmische Rekonstruktion zu einem humanistischen Manifest. Zunächst experimentell, später konventionell, aber immer mit einem Höchstmaß an inszenatorischer Konzentration. Da ich dieses Jahr erstmalig Dalton Trumbos Meisterwerk "Johnny got his Gun" gesehen habe, blieb der große Effekt der filmischen Erzählsubjektive leider aus, dennoch ist "Schmetterling und Taucherglocke" ein großartiger Film. Und es ist fast allein Janusz Kaminskis Film.


5. Otto; or, Up With Dead People (Bruce La Bruce)

Ein poetischer Zombiefilm. Otto, der queere Untote, watschelt durch die Überreste des Plänterwaldes, fährt mit der U1 durch Berlin – und landet in einem Underground-Film einer lesbischen Kapitalismuskritikerin. Zwischen Gedärm und Blut und Bauchhöhlenficks findet Bruce La Bruce einfühlsame Bilder für Coming-Out-Nostalgie und Sinnsuche. Ein höchst faszinierender, verspielter Film. Mit Sicherheit die größte Überraschung des Jahres.


4. Låt den rätte komma in (Tomas Alfredson)

Der originellste, abgründigste, schönste Vampirfilm seit langer, langer Zeit. Klug und komplex spinnt er Motive von Anne Rice weiter, erinnert dabei manches Mal an Astrid Lindgren. In erster Linie aber ist es ein Film über Kinder, der sich in vielerlei Hinsicht sehr überlegt mit Sexualität und Gewalt auseinandersetzt. Ein bemerkenswertes Seherlebnis.


3. Les Chansons d'amour (Christophe Honoré)

Was zunächst wie eine leicht verrückte Hommage an Jacques Demys "Les Parapluies de Cherbourg" erscheint (immerhin spielt Catherine Deneuves Tochter auch noch eine tragende Rolle), ist nicht weniger als das entzückend schönste Filmmusical des Jahres. Verspielt, leichtfüßig und oft auch sehr frech erzählt Christophe Honoré hier eine ganz wunderbar beiläufig queere Geschichte über Liebe und Tod in regnerischen Bildern. Die Songs sind absolut großartig, die Schauspieler umwerfend. Und das ganz besonders Tolle an diesem Film ist seine Bezugnahme auf die Nouvelle Vague und die ewig gleichen Mann-Frau-Beziehungsgeschichten eines Jean Luc Godard – nur um deren heterosexuelle Klischees zu überwinden. Es ist außerdem der einzige Film, der mir in diesem Kinojahr Freudentränen entlocken konnte.


2. Sweeney Todd – The Demon Barber of Fleet Street (Tim Burton)

Tim Burton hat sich nicht länger vor der Herausforderung eines Realfilmmusicals gedrückt. Und er ist nicht, wie selbst viele Altmeister, an der inszenatorischen Komplexität des Genres gescheitert. Noch dazu hat es der Regisseur nicht gescheut, die heiligste Kuh aller Musicals zu adaptieren, nämlich Stephen Sondheims Jahrhundertkomposition vom teuflischen Barbier auf Rachefeldzug. Das Ergebnis ist überwältigend: So ökonomisch und punktgenau inszenierte Burton seit "Ed Wood" nicht mehr. Die perfekte Schauspielführung, das brillante visuelle Konzept, die betörende Neueinspielung der Musik – auch nach 6 Sichtungen allein in diesem Jahr mein persönlicher Lieblingsfilm 2008.


1. There Will Be Blood (Paul Thomas Anderson)

Nach einem großartigen ("Boogie Nights"), einem herausragenden ("Magnolia") und einem entzückend- schönen ("Punch-Drunk Love") Film hat P.T. Anderson hier sein erlesenes Meisterwerk vorgelegt. Wenn es im Jahre 2008 noch gelingt, ästhetisch so außerordentlich originell wirken und neue filmische Gestaltungsmittel derart beeindruckend für sich beanspruchen zu können, dann gehört das natürlich ganz oben an die Jahresspitze. Andersons Kraft durchdringt dabei jede Ebene der Inszenierung, der Film über ein Monster wird zum Monstererlebnis, im völligen Bewusstsein seiner künstlerischen Mittel. Der beste amerikanische Film seit "Brokeback Mountain".


Runner Up's:

All the Boys Love Mandy Lane / Australia / Before the Devil Knows You’re Dead / Boy A / Cloverfield / Dead Man’s Shoes / Hellboy II: The Golden Army / High School Musical 3: Senior Year / In Bruges / Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull / Mala Noche / No Country For Old Men / Run, Fatboy, Run / Savage Grace / Wanted / You Belong to Me

Gehobenes Mittelfeld:

Caramel / Control / Diary of the Dead / El Orfanato / Hatsu-Koi / Hellbent / How to Lose Friends & Alienate People / Iron Man / Presto / The Darjeeling Limited / The Dark Knight / The Savages / Transsiberian / Vicky Cristina Barcelona / We Own the Night / Wolke 9 / Youth Without Youth

Annehmbar:

Dan in Real Life / Du levande (You, the Living) / Fireflies in the Garden / I'm Not There / Into The Wild / Jackass 2.5 / Juno / Quantum of Solace / You Kill Me

Kleine Geistesblitze nicht ausgeschlossen:

[REC] / Be Kind Rewind / I am Legend / Lars and the Real Girl / Science of Horror – Wenn die Kettensäge zum Penis wird / Speed Racer

Daneben:

Cassandra’s Dream / Die Welle / Frontière(s) / Rambo / Star Wars: The Clone Wars / The Bucket List / The Good Night / The Incredible Hulk / The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor / You Don’t Mess With the Zohan

Brechmittel:

À l'intérieur (Inside) / Babylon A.D. / Der Baader Meinhof Komplex / Doomsday / Inkheart / KeinOhrHasen / Krabat / Mirrors / Paranoid Park / Prom Night / Saw IV / The Day the Earth Stood Still / The Mist

Körperverletzung:

10,000 B.C. / Bedtime Stories / Camp Rock / Dream Boy / Eagle Eye / Funny Games U.S. / La Terza madre (Mother of Tears) / Never Back Down / Street Kings / The Accidental Husband / The Happening

Guilty Pleasure:

The Women

Dezember 27, 2008

TV: Fernsehtipps vom 27.12.2008 - 02.01.2009

Samstag, 27.12.

16:15 Uhr – Shrek – Der tollkühne Held (Pro7)

Der beispielhafteste Film im Produktionsschema von DreamWorks: Postmoderne, bis zum Erbrechen ausgestellte Filmzitate, schwungvolle Popnummern und ein erhöhter Niedlichkeitsfaktor generieren den ultimativen Familienfilm, der nicht nur wegen seines potthässlichen Helden und der grottigen Animation, sondern auch deshalb unendlich nervt, weil sein ironisches Selbstverständnis nur Maskerade ist.

20:15 Uhr – Enthüllung (RTL2)

Super-Trash, in dem mal wieder eine selbstbestimmte Frau dem sexgierigen Michael Douglas böse mitspielt. Von vorn bis hinten hochgradig albern und schon zur Zeit der Entstehung völlig dated.

22:00 Uhr – Mission: Impossible (ZDF)

Furiose und extrem spannende Kinoadaption der TV-Serie, die sich aber viel zu ernst nimmt und das Team der Vorlage auf eine One-Man-Show reduziert. Cruise spielt stellenweise unglaublich mies, dennoch einer von drei guten De Palma-Filmen.

22:10 Uhr – Christine (Das Vierte)

Es gibt eigentlich nichts Gruseligeres als einen 58er-Plymouth, der die heißen Dates seines High-School-Besitzers aus Eifersucht erledigt. Eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswert blöde King-Adaption von Carpenter.

23:35 Uhr – Herr der Ringe – Die zwei Türme (RTL)

Gerade erst wieder geschaut, wie jedes Jahr zu Weihnachten. Ist einfach ganz tolles und magisches und vereinnahmendes Fantasy-Kino mit einem nahezu perfekt adaptierten Drehbuch und durchdrungen von wahrlich beeindruckendem Inszenierungswillen. Im Fernsehen kann man sich das natürlich nicht anschauen, da a) im falschen Bildformat und b) nur in der völligen unrhythmischen Kinofassung ausgestrahlt. Der zweite Film profitiert von der längeren Version nämlich am Stärksten.

23:40 Uhr – Batman (ZDF)

Der erste große und ernsthafte Batman-Kinofilm. Burton hat damit, was irgendwie vergessen scheint, bis heute den Weg für zahlreiche Comic-Adaptionen geebnet, dennoch ist der Film nicht wirklich gut.

2:15 Uhr – Damönisch (Pro7)

Bisserl arg simpel konstruiertes, aber effektives Regiedebüt von Bill Paxton. Gut gespielt und manchmal sogar etwas unheimlich, ist das okaye Thrillerkost der besonders blasphemischen Art.

Sonntag, 28.12.

13:35 Uhr – Der Polarexpress (RTL)

Tom Hanks als PC-generierter Lokomotivfahrer zeigt den Weg nach oben – so schön kann Weihnachten mit Leni Riefenstahl sein.

20:15 Uhr – The Village – Das Dorf (Pro7)

Das bisschen Getöse um angedichtete Metalevel oder Farbdramaturgie beeindruckt mich herzlich wenig, der Film hat bis auf wenige Momente nichts zu bieten außer dem üblichen Shymalan-Budenzauber. Neben Nolan das meistüberschätzte "Wunderkind" der End-90er.

0:10 Uhr – True Lies (Pro7)

Die letzte Sichtung liegt noch gar nicht lang zurück. Der Film macht immer noch sehr viel Spaß, ist in der ersten Hälfte geradezu königlich geschrieben und gibt Schwarzenegger viel Gelegenheit für ein, na ja, ähm, einigermaßen facettenreiches Spiel. Der Star ist zweifellos Jamie Lee Curtis (ich liebe sie!), aber was schon noch erwähnt werden muss: Halleluja, ist Cameron hier wieder im Hardcore-Chauvi-Modus unterwegs. (habe ich gerade halleluja geschriebn?)

Montag, 29.12.

22:15 Uhr – Batman Begins (ZDF)

Ich bin Bruce Wayne, ich runzle mit der Stirn. Ich kann auch Batman sein, dann spreche ich ganz tief. Und ich stecke in einer persönlichen Krise, das erkennt man daran, dass sich meine Gesichtsmuskeln verziehen. Deshalb ist in meinem Film alles ganz ernst und düster und wichtig.

23:35 Uhr – Beim Sterben ist jeder der Erste (Tele5)

Ich verzichte jetzt mal auf den Ideologieeinwurf und sage, dass das ein toll inszenierter Genre-Prototyp mit sehr interessanten Entwürfen von räumlicher und gesellschaftlicher Struktur ist.

Dienstag, 30.12.

Nix.

Mittwoch, 31.12.

Nix.

Donnerstag, 01.01.

7:10 Uhr – Rent (SAT.1)

Aus der kritischen Geschichte über urbane Lebensräume bastelt Columbus ein glatt poliertes From-Stage-To-Screen-Musical, das um jegliche Zwischen- und Grautöne bereinigt wurde, völlig oberflächlich bleibt und mit dem queeren Input der Vorlage kaum noch was gemein hat. Columbus entwickelt keinerlei Gespür für den Stoff – was in der Vorlage temperamentvoll, unangepasst, dreckig ist, verkommt hier zum angepassten Wohlfühlballett mit einfallslos inszenierten Musicalnummern. Sehr schade.

20:15 Uhr – X-Men: Der letzte Widerstand (RTL)

Ziemlich bräsiger dritter Mutanten-Film, dem das Fehlen von Bryan Singer jederzeit anzumerken ist. Gibt zwei, drei gute Action-Pieces, ansonsten werden viele Figuren und Geschichten verschenkt (besonders Phönix) und augenscheinlich nur versucht, möglichst effizient auf ein überladenes Finale hinzusteuern. Nicht schlecht, aber enttäuschend.

20:15 Uhr – Forrest Gump (SAT.1)

Das Loblied auf den American Dream trägt Robert Zemeckis mit Bravour vor. Leider fehlt der absurden, sinnbildlich die (vermeintliche) Einzigartigkeit der US-Geschichte demonstrierenden Geschichte nahezu jede Ironie – die Beschwörung einer Kultur-Fantasie ist ebenso naiv wie ernst gemeint und filmt hübsch an jedem Schatten vorbei. Die verklärende Pseudoleichtigkeit des Films ist dabei natürlich nur ein Ablenkmanöver, Zemeckis hat hier freilich einen hübsch reaktionären Hollywoodzauber entworfen.

20:15 Uhr – Planet der Affen (K1)

Das Original. Ganz, ganz großartiger Science-Fiction-Film, der viel mehr zu bieten hat als offensichtlich verhandelte ethnische Fragen. Erwähne ich jetzt Burtons Remake? Nee, erwähne ich nicht.

22:40 Uhr – Poseidon (ARD)

Sehr trashige Neuverfilmung des Katastrophen-Klassikers. Petersen will so schnell zur Sache kommen, dass eigentlich irgendwie gar nichts kommt – völlig unspektakulärer, unepischer Wassertank-Film, der aber schwer unterhaltsam ist.

Freitag, 02.01.

20:15 Uhr – Der Anschlag (Pro7)

Jack Ryan-Mission. Der Anschlag selbst ist eine hübsche kurze Computerdemo, der Rest gepflegte Langeweile.

20:15 Uhr – Harry Potter und der Feuerkelch (ZDF)

Fand ich wieder besser als den plastischen dritten Film. Kann mich aber ehrlich gesagt an nichts mehr erinnern seit dem Kinobesuch.

22:50 Uhr – Sleepy Hollow (ZDF)

Visuell nichts anderes als ein Meisterwerk. Aber der Film ist auch ein komplexer Gender-Kommentar, und natürlich auch eine ganz großartige Auseinandersetzung mit Zeitepochen und darüber hinaus noch eine astreine Genrearbeit. Vielleicht Burtons stärkster Metafilm. Demnächst mehr im zweiten Teil meiner kleinen Retrospektive. Auf ZDF übrigens dringend zu meiden: Die senden den Film in einer völlig veränderten Fassung, bei der Farben und Helligkeit grauenhaft modifiziert wurden.


TV-Tipps gibbet auch beim Tumi, in Kürze beim Christian und beim Fincher.

Dezember 25, 2008

DVD: WE OWN THE NIGHT

"We Own the Night" startet als ein mit üblichen urbanen Milieus, rüden Dialogen und sonstigen Genreklischees verhandelnder Retro-Cop-Film samt gängiger Gangster- und Mafiaelemente, stellt jedoch rasch klar, dass er auch gern als Familiendrama und existenzialistische Lebensphilosophie verstanden werden darf. Der Film entwickelt zahlreiche interessante Ansätze, während er viel zu trocken und linientreu einen mehr als simplen Plot herunterspult: Es geht einzig um Joaquin Phoenix, der sich zwischen Polizeifamilie und exzessivem Nachtleben als Clubbesitzer entscheiden muss, als Cop-Bruder Mark Wahlberg ins Visier jener Drogenhändler gerät, die bei ihm ein- und ausspazieren. Natürlich gerät er zwischen die Fronten und natürlich hält der Film der moralischen Verführung nicht stand und bekehrt Phoenix’ Figur zu einem Biedermeierleben als Polizist, so wie Vater und Bruder es sich immer gewünscht haben.

Tendenziell, aber leider nicht deutlich genug, ist zu erkennen, dass Regisseur James Gray die Rückkehr zur scheinbaren Normalität und Familientradition des Antihelden als fast willen- lose, zwanghafte Erniedrigung schildert, und auch ebenso, dass das wilde Partyleben gar kein so schlechtes gewesen sein muss – verglichen mit der jedwede Individualität unterdrückenden Zugehörigkeit zum Cop- und Familien-Clan. Bedauerlich, dass hier nur phasenweise und in der Gesamtheit zu unsauber eine Geschichte herausgearbeitet wird, die in beklemmend leisem Tonfall von Fatalitäten und Familien- zwängen berichtet.

Und immer dann, wenn der Film höchst reizvolle Momente der Ambivalenz zu schaffen vermag, und seine Gut-Böse- Dramaturgie zu bröckeln beginnt, verunsichert die Regie mit deplatziertem Pathos und schwer indifferenter Schauspiel- führung. "We Own the Night" bleibt deshalb, bei aller Ambition, nur halbherzig Umkehrung und Ergänzung des besonders im Gangstergenre langbärtigen Motivs vom Einzelnen, der sich unfreiwillig den Strukturen seiner Herkunft unterwerfen muss – und funktioniert somit lediglich teilstückartig als moderne "Godfather"-Variation.

Es ist dennoch, unterm Strich und bei all seinem verschenkten Potential, ein spannender und düsterer und deprimierender Thriller, dessen ungelenke Inszenierung und inkonsequentes Ausstattungskonzept – die Spät-80er sieht man dem Film zu keiner Sekunde an, selbst die Musik fällt völlig aus dem Rahmen – durch einige unerwartet mitreißende Sequenzen von großer Nachhaltigkeit entschuldigt werden: Allein eine höchst effiziente und originell gefilmte Verfolgungsjagd, fast ausschließlich über ihr Tondesign gestaltet, muss wohl als besonders großartiger Moment eines an großartigen Momenten in den letzten Jahren bemerkenswert armen Genres gewürdigt werden.


60%

Kino: KINOSTARTS - 25.12.2008

  • So Finster die Nacht (Vampir-Drama, S 2008) [Kritik]
  • Bedtime Stories (Fantasy-Komödie, USA 2008)
  • Stella und der Stern des Orients (Kinderfilm, D 2008)
  • Australia (Melodram, AUS 2008) [Kritik]
  • Kleine Geheimnisse (Drama, L 2006)
  • Buddenbrooks - Ein geschäft von einiger Größe (Drama, D 2008)

Dezember 23, 2008

Kino: AUSTRALIA

Ein erstes großes Epos wollte er seiner Heimat Australien schenken, die erste kleine Enttäuschung seiner bisherigen Filmkarriere ist es geworden. Nun scheint Baz Luhrmanns gewaltige Ambition – und alles an "Australia" ist irgendwie gewaltig gewollt – jedem Bild fest eingeschrieben: Mit jener Inszenierungsfreude, jenem Elan und Stilwillen ins Leben gerufen, die schon seine Red Curtain-Trilogie zum unver- wechselbaren Theatralikrausch ausschmückten, ist das fast dreistündige Mega-Melodram in erster Linie eine Beschwörung an die Filmgeschichte – weniger an Down Under.

Weil sie glaubt, ihr Mann betrüge sie am anderen Ende der Welt, macht sich Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges von London nach Australien auf. In Darwin trifft die ungehobelte Dame auf ihren Führer durch das Nothern Territory, den raubeinigen Vieh- treiber Drover (Hugh Jackman), mit dem sie nicht nur verbal aneinander gerät. Nachdem Sarah vor Ort überraschend vom Tod ihres Mannes erfährt, versucht sie dessen verbliebene Rinderfarm zu retten. Gemeinsam mit Drover und dem Aborigine-Mischling Nullah (Brandon Walters) muss sie sich auf ihrer Reise durch das australische Land gegen den zwielichtigen Vorarbeiter Neil Fletcher (David Wenham) und dessen Handlanger durchsetzen.

"Australia" ist ganz oft alles und irgendwie auch immer nichts. Er ist Liebesschnulze, nein, Schmachtfetzen par excellence, und er ist auch Kriegsspektakel, Rassismusdrama, Western- abenteuer. Er meint viel über die Kultur seines Landes, die Aborigines, die Kolonialisierung, die Städteentwicklung zu erzählen, und dazu gibt es weite Landschaftsaufnahmen mit untergehenden Abendsonnen und hüpfenden Kängurus, viel Outback-Romantik und noch viel mehr Ethno-Kitsch serviert. Aber eigentlich bildet all das nur historische Kulisse, deren Ausstattungsstaffage einzig Hintergrund sein darf für die mächtige Liebesgeschichte zwischen Nicole Kidman und Hugh Jackman. Und hier kommt der deutlichste Bezugspunkt zustande: Luhrmanns Postkartenepos wähnt sich als Gefühls- kitsch in der Tradition von "Gone with the Wind", als Geschlechterzwist wie in "African Queen" und als Kolonial- romanze à la "Casablanca".

Und es weht mehr als nur ein Hauch Filmgeschichte durch "Australia". Noch während der großartig überladenen, comic- artigen und fast anti-epischen Exposition erlaubt sich Luhrmann jene ungenierten Frechheiten, für die man seinen letzten Film "Moulin Rouge" so lieben musste. Jackman wird als Leone-Eastwood eingeführt, Kidman als, very sophisti- cated, aristokratische Zicke in Anlehnung an Katherine Hepburn. Der Übermut ist wunderbar, der Gestaltungsdrang zum Verlieben – die erste Hälfte ist brillantes Hülsenkino, in das Luhrmanns Liebe in großen Massen einströmt. Sie besteht aus Fetzen, Zitaten, Relikten, alles gebündelt zu denkwürdig schönen Szenen, einem Best-Of filmgeschichtlicher Ingre- dienzien. "Australia" ist lange Zeit ein Musical, dessen Songs durch postmoderne Magic Moments des Kinos ersetzt wurden. Die noch immer erfrischenden Brüche in Luhrmanns Umgang mit Referenzvorbildern, die nie ostentative Ironie sind auch hier, in seinem vierten Film, noch von bemerkenswerter Qualität.

Doch dann läuft "Australia" noch knapp 90 Minuten weiter. Und es zeigt sich, dass die Beschwörungseffekte keine weitere Bedeutung tragen, ja, fast penetrant ausgereizt werden: Der immer wiederkehrende Verweis auf den "Wizard of Oz" (Oz ist im Englischen die Abkürzung für Australia) verkommt ohne größeren Bezug zum repetitiven und später leider redundanten Einwurf, immer dann, wenn der Film gerade nicht zu wissen scheint, was er zu tun hat. Er offenbart seine Indifferenz, und vor allem, ja leider, dass es eigentlich nichts zu erzählen gibt. Dem Film fehlt die Tragweite, das wirklich Epische, das echte erzählerische Gewicht. Paul Thomas Anderson entwarf jüngst mit "There Will Be Blood" ein ätzen- des Nationaldenkmal, das auf ästhetischen Bildern der Filmgeschichte aufbaut. Luhrman nutzt dieselben Eindrücke, doch es reicht gerade einmal für den Rohbau, vielleicht nur gar ein paar Skizzen. Ein ansehnlicher Film ist es dennoch, aber einer ohne großen Atem und mit viel offener Luft nach oben.


65% - erschienen bei: den Fünf Filmfreunden

Dezember 21, 2008

Kino: LAT DEN RÄTTE KOMMA IN

In den USA macht derzeit ein Film richtig Kasse. "Twilight" heißt die Horrorromanze, in der sich ein Mädchen im wahrsten Sinne des Wortes unsterblich in einen gut aussehenden Vampir von der High School verliebt. Während diese sexy Adoleszenz-Reanimation des Blutsaugerklischees mit Romeo- und-Julia-Überzug also momentan ihren Überraschungserfolg feiert, wartet jedoch ein unauffälliger schwedischer Vampirfilm noch auf seine große Entdeckung.

"Let the Right One in" berichtet, wie die meisten Filme des Subgenres, vom unendlichen Dasein eines Vampirs. Doch was andernorts derzeit Anlass gibt für viel Teenie-Herzschmerz und aufgepeppte Dracula-Romantik, wird in Tomas Alfredsons stiller Mischung aus Coming-of-Age-Drama und Horrorthriller als melancholische Geschichte über das schmutzige Geschäft des ewigen Überlebens erzählt – mit zwei Kindern als Protagonisten.

Im Mittelpunkt der Handlung, die zu Beginn der 80er Jahre spielt, steht der zwölfjährige Oskar (Kåre Hedebrant), der seit der Scheidung der Eltern mit seiner Mutter im Plattenbau eines durchschnittlichen Stockholmer Vorortes lebt. Der belesene Junge ist ein Außenseiter: In der Schule wird er angefeindet, verspottet und gehänselt, daheim geht er merkwürdigen Hobbys nach und sammelt Zeitungs- ausschnitte, in denen über rätselhafte Morde berichtet wird.

Eines Abends lernt Oskar das gleichaltrige Mädchen Eli (Lina Leandersson) kennen, die gerade mit einem älteren Mann in die Nebenwohnung gezogen ist. Eli verhält sich sonderbar, weckt allerdings sofort das Interesse des schüchternen Jungen. Die beiden freunden sich rasch an, doch Oskar ahnt, dass Eli ein Geheimnis mit sich trägt: Sie muss sich von Blut ernähren, um überleben zu können.

In einnehmenden Bildern, die meist nur von der Schwärze der Nacht oder dem im Schnee gebrochenen Schein von Later- nenlichtern ausgefüllt werden, erzählt "Let the Right One in" eine anrührende, bittere und höchst einfühlsame Geschichte über zwei offenbar ungleiche Kinder, die eine tiefe Beziehung zueinander entwickeln: Von gegenseitigem Verständnis, emotionaler Aufrichtigkeit und bedingungslosem Vertrauen – einer Beziehung also, zu der nur Kinder noch fähig scheinen.

Mit zurückhaltendem Tempo inszeniert, ist der Film vor allem eine erneute Abkehr von der romantischen, verklärenden Vorstellung des Vampirs. Autor John Ajvide Lindqvist, der auch die in Schweden immens erfolgreiche Romanvorlage schrieb, und Regisseur Alfredson betreiben keine weitere Mythisierung, sondern entwerfen eher ein schmuckloses Bild über die seelischen Qualen der ewigen Wiederholung. Vampirsein, das bedeutet erst einmal in unaufhörlicher Tristesse und Einsamkeit leben zu müssen. Nie erwachsen werden zu können, der Traum eines jeden Kindes, verkommen zum absoluten Alptraum.

Das Motiv, als Vampir Leben nehmen und auf ewig verlängern zu können, gleichzeitig jedoch zur unendlichen Rastlosigkeit verdammt zu sein, wurde aus der Kindsperspektive literarisch besonders eindringlich von Anne Rice bearbeitet. In "Interview mit einem Vampir" leidet die fünfjährige Claudia (im Film von Neil Jordan wurde das Alter verdoppelt) tagtäglich darunter, sich nie aus ihrem kindlichen Körper befreien zu können. Kathryn Bigelow griff darauf in ihrem herausragendem Vampir-Western "Near Dark" zurück, wo Homer zu unbe- rechenbarer Gewalt neigt, um sich nicht dem Fluch der ewigen Gefangenschaft im Körper eines zehnjährigen Jungen erlegen fühlen zu müssen.

Der skandinavische "Let the Right One in" ist deshalb als interessante Ergänzung dieses Motivs zu verstehen: Eli scheint sich anders als ihre Genrevorläufer Claudia oder Homer nicht nach einem Ausbruch aus der Latenzphase zu sehnen und hat in dem zwölfjährigen Oskar einen asexuellen Freund und Seelenverwandten gefunden. Interessanterweise ist es aber eher der menschliche Junge, der einen Wunsch nach Gewalt unterdrückt, um seiner Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen.

"Let the Right One in" kehrt das Motiv also um: Eli, die widerwillig Menschen töten muss, um selbst leben zu können, ist das Gegenstück zu Oskar, der seine stillen Gewaltfantasien gern als Vampir ausleben würde. Deshalb ist Tomas Alfredsons Film auch eine kluge Auseinandersetzung mit Kindergewalt. Immer wieder gibt es Bilder zu sehen, die in verschlüsselter und suggestiver Form Gewalt andeuten, während in anderen Szenen dann ganz plötzlich konkreter visueller Splatter zum Vorschein kommt, der in seiner Nüchternheit eine durchaus verstörende Qualität besitzt.


90% - erschienen bei: gamona.de

Ein Ständchen zum Adventchen


Dezember 20, 2008

TV: Mr. Hankeys Weihnachtstipps 20.12. - 26.12.08

So, wie jedes Jahr überlasse ich Mr. Hankey zu Weihnachten mal ganz das Feld.

Samstag, 20.12.

11:35 Uhr – Santa Baby (RTL)


TV-Regisseur Ron Underwood, der schon bei Top-Serien wie "Monk" oder "Eli Stone" mitgewirkt hat, hat 2006 gleich zwei TV-Weihnachtsfilme abgedreht, welche beide dieses Jahr bei uns laufen. Dieser hier erzählt die Geschichte von Santas Tochter, welche die Geschäfte übernimmt und für reichlich Chaos sorgt. Na ja, klingt nicht sonderlich toll, da dürfte der zweite Film, der bei uns Heiligabend (siehe dort) läuft, mehr Spaß machen.


20:15 Uhr – Tatsächlich...Liebe (RTL2)


Habe ich bis heute irgendwie noch nicht zu Gesicht bekommen, war aber ein Hit 2003! Na ja, Hugh Grant ist halt auch ein Frauenschwarm. Die Glückssau! ;)


(Ist das ein Weihnachtsfilm? Was ist eine Glückssau? Ich fand den übrigens lahm.)


20:15 Uhr – Mickys fröhliche Weihnachten (S-RTL)


Der vielleicht letzte, wirklich rundum gelungene Weihnachtszeichentrickfilm aus dem Hause Disney. Drei wunderbare Episoden um Micky, Donald, Goofy und den Rest der Sippe, lassen die Herzen von Disney- und Weihnachtsfans gleichermaßen weich werden. Einfach nur schööööönnnn!


Sonntag, 21.12.


12:00 Uhr – Weihnachtsgeschichten (MDR)


Wer schon immer mal sehen wollte, wie Weihnachten in der DDR gefeiert wurde, der liegt mit diesem späten Weihnachtsfilm von 1986 richtig! Dürfte aber sicher nicht jedem zusagen!


(Da reicht bei mir ein Blick ins Fotoalbum. :D)


Montag, 22.12.2008


16:15 Uhr – Annabell und die fliegenden Rentiere (S-RTL)


Ein weiterer Weihnachtfilm, der vor allem bei den Minis super ankommen dürfte. Herzensgut, kindergerecht und ohne sonderliche Überzuckerung. Da kann Papa in Ruhe die Geschenke einpacken!


(ach Hankey, herrlich.^^)


20:15 Uhr – Oh je, du Fröhliche (Premiere 1)


Frecher Spaß im "Home Alone"-Stil, bei dem ein paar Kinder über Weihnachten auf einem Flughafen festsitzen und sich in den Hallen mal so richtig austoben. Leider bleibt das große Vorbild dabei leider völlig unerreicht, da unterm Strich viel zu brav, witzlos und mit recht unsympathischen Figuren. Aber da Kevin dieses Jahr nicht läuft, kann das Ganze vielleicht dennoch als Notlösung herhalten!


21:45 Uhr – Single Bells/O Palmenbaum (VOX)


Wer die Ausstrahlungen beim RBB verpasst hat, kann sich die beiden Filme nun noch einmal im Doppelpack auf Vox anschauen. Hier natürlich mit Werbeunterbrechungen!


Dienstag, 23.12.


14:25 Uhr – Blizzard - Das magische Rentier (BR)


Nettes Filmchen, welches vor allem mit einigen hübschen, natürlich kindlich-naiven Fantasien punkten kann und einem grandiosen Christopher Plummer als Weihnachtsmann, mal nicht im roten Kostüm.


16:15 Uhr – Die Weihnachtsgeschichte (S-RTL)


Mega öde und arg hölzerne Verfilmung der berühmten Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Scheint aber irgendwie trotzdem jedes Jahr Leute vor die Glotze zu ziehen, denn ich wüsste nicht wann S-RTL diesen Schmarren mal nicht im Programm hatte!


20:15 Uhr – Jingle Bells - Eine Familie zum Fest (SAT.1)


... aka "Surviving Christmas" aka "Wie überleben wir Weihnachten". War einer der größten US-Boxoffice-Flops aller Zeiten! Kein Schwein wollte im Oktober 2004 schon einen Weihnachtsfilm im Kino sehen, zumal dieser hier auch fürchterlich verrissen wurde. Und das auch nicht zu unrecht, denn es geht wirklich mega-seicht zur Sache, wenngleich auch ein paar gute Lacher vorhanden sind. Und mit James Gandolfini und Catherine O'Hara ist er in den Nebenrollen auch wunderbar besetzt. Nützt bloß nichts, bei Ben Affleck als Hauptdarsteller! Muss nicht sein!


(noch nie was von gehört, aber O’Hara ist großartig)


23:45 Uhr – Krauses Fest (BR)


Der hoch gelobte ARD-Quotenrenner vom letzten Jahr ist der ideale Einstieg in den Heiligabend. Toll gespielt und überraschend Kitschfrei, kann halt doch ab und an mal ein deutscher TV-Film überzeugen! Gut so!


Mittwoch, 24.12.


9:20 Uhr – Coole Weihnachten (VOX)


Der ursprünglich schwule Weihnachtsfilm um ein Schwulenpärchen mit hipper Adoptivtochter, welche hier auf einen glatt geleckten Weihnachtsmann trifft und ihm dabei hilft einen neuen Stil zu finden, ist hier in der politisch korrekten Hetero-Variante zu sehen, in dem das Schwulenpärchen gegen Mama und Papa ausgetauscht wurde. Und zumindest diese Fassung ist ziemlich schwachbrüstig! Aber eine andere wird man wohl nur sehen können, wenn man sich die originale Fassung aus den USA importiert. Und ob sich das wirklich lohnt ist, trotz der netten und mutigen Idee, ziemlich fraglich...

(das mal eine interessante Produktionsgeschichte, hab deinen Eintrag in der ofdb dazu gelesen)


9:35 Uhr – Rudolph mit der roten Nase (ARD)


Wer noch immer nicht alle Geschenke beisammen hat, donnert noch einmal in die überfüllte Stadt und lässt die Kinder bei diesem soweit ganz netten Zeichentrickspaß vor der Glotze sitzen. Die dürften darüber sicher nicht böse sein! (Auch am 26.12.2008 um 11:45 Uhr im SWR)


(Hankey weiß halt, was Kindern gefällt)


9:35 Uhr – Morgen Findus wirds was geben (ZDF)


Wenn den Kleinen Rudolph schon zum Halse raushängt, dann darf’s auch diese überlange Weihnachtsepisode um den schwedischen Peterson sein, der seinem Kater Findus ein schönes Fest bescheren will. Schön schlicht und ohne den Prunk von Rudolph. Die Minis werden’s lieben!


(notiere: Wort des Jahres – Minis)


10:00 Uhr – Die Weihnachtsgans Auguste (MDR)


DDR-Weihnachtsklassiker, der zu seiner Zeit jährlich im DDR-Programm lief. Zu Recht! (Auch 10:30 Uhr RBB)


10:15 Uhr – Und täglich grüßt der Weihnachtsmann (Tele5)


Nette Weihnachtsvariante des murmeltierigen Bill Murray Klassikers. Natürlich nicht mit dem Original vergleichbar, aber zum morgendlichen Zeitvertreib ganz gut zu gebrauchen!


12:03 Uhr – Peter und der Wolf (ARD)


Mit dem Oscar ausgezeichneter Kurzfilm, der die berühmte musikalische Geschichte in einer grandiosen Stummfilm-Puppentrick-Fassung präsentiert und dabei alle weiteren Verfilmungen weit hinter sich lässt. In Regisseurin Suzie Templeton scheint ein echtes Talent zu stecken. Mal sehen ob’s auch einmal zum abendfüllenden Film reicht! Es wäre ihr zu wünschen!


15:20 – Der Weihnachtsmann streikt (RTL2)


Ron Underwoods zweiter Weihnachtsfilm. Soll ziemlich mies sein, aber John Goodman als Weihnachtsmann interessiert mich doch irgendwie ganz stark! Denn der Mann ist wirklich witzig, wenn er nur will und kann sicher einiges retten! Na mal sehen!


15:25 Uhr – Santa Claus (ZDF)


Nicht verwechseln mit dem Tim Allen-Film! Zutiefst weihnachtlich in der ersten Hälfte und ziemlich bissig in der zweiten Hälfte, gilt der Dudley Moore-Film bei so manchem auch als Klassiker! Mehr als "nett" ist er aber in Wirklichkeit nicht, zumal die Rechnung von Regisseur Jeannot Szwarc auch nicht wirklich aufgeht.


16:15 Uhr – Drei Hasselnüsse für Aschenbrödel (WDR)


Da ist er ja schon wieder: Der unverwüstliche Märchenklassiker, ohne den Weihnachten nicht Weihnachten ist. Muss sein, egal auf welchem 3. Programm und an welchem Weihnachtstag auch immer! (Auch 21:45 Uhr, RBB 21:45 Uhr; 25.12.2008: ARD 10:30 Uhr, MDR 13:00 Uhr; 26.12.2008: HR 09:15 Uhr, NDR 10:40 Uhr, RBB 11:20 Uhr)


17:50 Uhr – Loriot: Weihnachten mit den Hoppenstedts (ARD)


Weihnachten ohne diesen Loriot-Klassiker ist einfach nicht vorstellbar. Wenn Opa seinem Enkel erst das doch recht fragwürdige Spiel "Wir bauen uns ein Atomkraftwerk" kauft, Mutter in der Zwischenzeit feststellt "Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann", Tochter Dickie ein ungewöhnlich kurzes Weihnachtsgedicht aufsagt und danach alle "besinnliche" Weihnachten verbringen, bleibt garantiert keine Auge trocken vor Lachen. Wer da nicht auf dem Boden rollt, hat keinen Humor!


(dann habe ich keinen Humor. schon beim Lesen verziehen sich meine Mundwinkel nach unten)


20:15 Uhr – Merry Christmas (SAT.1)


Dass die Grund-Geschichte um eine Gruppe von Soldaten, die zu Weihnachten 1914 die Waffen schweigen lassen, um zusammen Weihnachten zu feiern, soweit der Wahrheit entspricht, weisen zumindest die Geschichtsbücher auf. Ob der Film zum Ereignis aber nun gut oder schlecht ist, darüber wurden sich die Kritiker nicht einig. Und ich hab auch nicht unbedingt die Muße, das am heiligen Abend herauszubekommen. Rajko frage ich aber auch nicht! ;)


(könnte dir eh keine Antwort darauf geben)


20:15 Uhr – Versprochen ist Versprochen (VOX)


Arnie auf der Jagd nach dem begehrtesten Spielzeug der Saison. Ziemlich temporeich, dafür aber auch grausam witzlos und zum Schluss überbombastisch kitschig. Eher unnötig!


(aber Jake Lloyd war in Episode I trotzdem super)


23:20 Uhr – Ist das Leben nicht schön?


Genau das Richtige um den 24.12.2008 ausklingen zu lassen. Der grandiose James Klassiker von Frank Capra ist auch 62 Jahre nach erscheinen immer noch das Beste, was man sich unter dem Weihnachtsbaum gönnen kann. Weniger ein Muss, als vielmehr absolute Pflicht für jeden Film- und Weihnachtskenner! Ein Weihnachtsfest ohne diesen Film, ist ein verschenktes Weihnachtsfest!


04:50 Uhr – Weiße Weihnachten (K1)


Für ganz Ausgeschlafene gibt es diesen Bing Crosby-Klassiker um eines der wohl berühmtesten Weihnachtslieder überhaupt. Ich persönlich kann den Status allerdings nicht nachvollziehen. Ist zwar ganz charmant, aber an die Qualitäten eines "Ist das Leben nicht schön" ist noch lange nicht zu denken!


Donnerstag, 25.12.


10:30 Uhr – Zwischen Frühstück und Gänsebraten (RBB)


Zu DDR-Zeiten war diese Weihnachtshow zum ersten Weihnachtstag ein regelrechter Straßenfeger und erzielte enorme Quoten. Heutzutage ist das Ganze aber schwer angestaubt und aufgrund der vielen schlechten Schlager kaum zu ertragen. Für DDR-Nostalgiker der Marke "Früher war alles besser"!


13:10 Uhr – Nenn mich einfach Nikolaus (SAT.1)


Soweit ganz netter Weihnachtsquatsch mit Whoopi Goldberg. Wenn die Gans im Magen vor sich hin verdaut, kann sich das Gehirn damit mal ne Weile ausruhen!


(schön gesagt^^)


14:15 Uhr – Der kleine Lord (SWR)


Nach dem britischen Weihnachtsklassiker, hier nun noch eine Verfilmung des Stoffes, dieses mal mit Mario Adorf. Na, wer’s braucht...


20:15 Uhr – Verrückte Weihnachten (SAT.1)


Die Kritiker mochten den Jux nach John Grisham nicht, aber Tim Allen ist als Mr. Christmasmovie immer noch ganz gut in Form und Jamie Lee Curtis ist sowieso immer wieder gerne gesehen und beweist hier zudem unglaublich viel Mut zur Hässlichkeit. Und da das Ganze leider auch ihr letzter richtiger Film war, bevor sie sich zur Ruhe gesetzt hat, sollte man dem Ganzen schon mal ne Chance geben. Macht eigentlich doch ganz gut Laune!


(oh je, vergesse ich immer wieder, dass das der letzte Curtis-Film ist – ich liebe die Frau)


Freitag, 26.12.


10:05 Uhr – Weihnachten mit Dennis (Pro7)


Weihnachtsversion des frech-charmanten Lausebengels Dennis, der seinen Nachbar Wilson zur Weißglut treibt. Dürfte aber alles in allem ziemlich doof und weit weg vom sympathischen Walter Matthau-Original sein!


16:50 Uhr – Der Polarexpress (ARD)


Böse Zungen vergleichen den Film mit Werken von Leni Riefenstahl und auch nicht jeder kann mit der Animationstechnik von Robert Zemeckis umgehen. Wer sich daran nicht stört, erlebt aber hiermit Jahr für Jahr einen der besten, schönsten und fantasiereichsten Weihnachtsfilme der letzten Jahre. Dieses Jahr in den USA sogar als fantastische 3D-Version auf DVD (und Blu-ray) erschienen!


(diese bösen Zungen immer… :D)


20:15 Uhr – Gremlins: Kleine Monster (RTL2)


Nicht wirklich ein Weihnachtsfilm (trotz Weihnachtskulisse), aber für viele dennoch so etwas wie ein Weihnachtsklassiker, ist diese Horrorkomödie von Joe Dante ein Heidenspaß mit Gruselanleihen. Läuft hier im Doppelpack mit Teil 2, wenngleich ich diesen für überbewertet halte!


(also für mich zählt der sogar zu den Top5-Weihnachtsfilmen)


22:00 Uhr – Shrek: Oh Du schrechliche (Pro7)


Das Weihnachtsspecial des grünen Ogers dürfte vor allem seinen Fans gefallen und das Warten auf Teil 4 und 5 verkürzten!


So das war’s! Ferner sei noch zu sagen, dass "Kevin - Allein zu Haus" mal wieder nicht (pünktlich?) gelaufen ist und auch Bob Clarks "Fröhliche Weihnachten", bereits das fünfte Jahr in Folge nicht im Free-TV gesendet wurde! Aber wenigstens die anderen Klassiker waren soweit vorhanden. Wer immer noch nicht genug hat, kann auch nächste Woche noch ein paar Wiederholungen sehen, ansonsten gehört der TV-Blog aber ab nächster Woche wieder komplett dem Inhaber. Dann bis zum nächsten Jahr und Frohe Weihnachten an alle! :-)


(Dir auch und danke für all diese Schmankerl)


Dezember 19, 2008

Kino: KASHIKO KAWAKITA - Hommage

Das großartige Arsenal in Berlin gehört zu den vom Kawakita Memorial Film Institute ausgewählten Kinos, die die zum Teil aus brandneuen Kopien bestehende Hommage an Madame Kashiko Kawakita (1908–1993) vorstellen dürfen. Es werden 24 Filme von acht Regisseuren gezeigt, jeweils drei von Akira Kurosawa, Nagisa Oshima, Kaneto Shindo, Shohei Imamura, Sumiko Haneda, Kon Ichikawa, Yoji Yamada und Seijun Suzuki. Die Retrospektive beginnt heute und läuft bis Februar. Das bisherige Programm kann hier abgerufen werden.

Dezember 18, 2008

LESERBRIEF DER WOCHE

Wir haben eine liebe Leserrückmeldung bekommen. Danke!

"Ja, nachdem ich einige Kritiken auf eurer Seite überflogen habe, kann ich nur zu folgendem Schluss kommen: Ihr seid nicht "Die Fünf Filmfreunde", sondern eher "Die Fünf Versager, Die Jetzt Auch Mal So Nen Tollen Blog Haben Möchten, Um Sich Über Alles Und Jeden Aufzuregen, Weil Ihnen Ja Im RL Keiner Zuhört".

Mal ehrlich: Was soll das? Ihr habt offensichtlich überhaupt gar keine Ahnung, was einen guten Film ausmacht. Wart ihr eigentlich alle auf Crack oder habt euch gegenseitig die Rosette massiert, als ihr die Kritiken geschrieben habt? Anders ist eine solche Verfehlung ja kaum zu erklären.

Ihr seid doof!"


(via)