September 30, 2008

Zuletzt gesehen: THE BOURNE ULTIMATUM

Was sich der Actionfilm aus Hollywood mittlerweile so erschöpfend zu Eigen gemacht hat, nämlich die schnell geschnittene Unübersichtlichkeit mit blitzschneller Hand- kamera, die einfallslos choreographierte Action und einen grundsätzlichen Mangel an Regiekonzepten kaschieren soll, das kann in den richtigen Händen und mit der nötigen Portion Köpfchen auch ganz beeindruckend sein. Mehr noch: Es kann die Videoclip-Ästhetik des Genres endlich dahin bewegen, wo sie als Stil erkennbar wird: Wo ihr Einsatz im Erzählformat eine bedingende Funktion, ihre Variationsvielfalt eine wechsel- seitige Wirkung erzielt. Die um Auslassung kreisende Plot-Konstruktion der Bourne-Filme ist prädestiniert dafür, und die Autorenkonzeptqualitäten von Greengrass nutzen das für sich. "The Bourne Ultimatum" ist nicht mehr nur State of the Art-Actionkino wie sein Vorgänger, sondern wirklich so etwas wie die Reinkarnation des Genres. Er verbindet modernes anti-phlegmatisches Actionkino, mit all seiner Rasanz, Raum- und Zeit-Desorientierung und visuellen Verspieltheiten, mit einem physischen, harten, spürbaren Körperkino, und das alles auch noch, währenddessen er eine ungemein detailversessene Geschichte erzählt – mit genau diesen Mitteln. Greengrass inszeniert den Film vor allem über seinen Schnitt, sein Rhythmus kommt einem erhöhten Pulsschlag gleich, und dennoch kommen bei so viel Konzentration auf die Technik der Inszenierung nie die großartigen Schauspieler zu kurz. Dieser dritte Bourne-Film ist eine wahre Offenbarung – und setzt die Messlatte für gegenwärtiges Actionkino fast unerreichbar hoch.

90%

Zuletzt gesehen: THE BOURNE SUPREMACY

Die Fortsetzung verlässt sich inhaltlich noch immer auf die Frage, wer Jason Bourne nun eigentlich ist. Die elliptische Geschichte hat sich allerdings soweit verselbstständigt, dass sie notfalls auch zweitrangig sein darf, sofern das Drumherum in aller Aufgeblasenheit nur ansprechend genug präsentiert wird. Und der Regiewechsel war das, was diese Serie – die nun um ihr günstiges mehrteiliges Potential weiß – gebraucht hat. Paul Greengrass legt vor, was der erste Film vermissen ließ: Ein Inszenierungskonzept, dass dem Plot gerecht wird. In atemberaubender Geschwindigkeit inszeniert, ist dieser zweite Film eine einzige lange Verfolgungsjagd, die immer wieder mit Jäger- und Gejagtenperspektive spielt. Die verwirrend wirkenden, schnellen Bildwechsel und hektischen Kamera- bewegungen bilden dabei eine kongeniale Entsprechung des Themas, das ja von Aufmerksamkeitslücken und Wahr- nehmungsbrüchen handelt. "The Bourne Supremacy" ist eine fesselnde, wahrlich beeindruckende Plan-Fortsetzung, bei der ‚Was’ und ‚Wie’ anders als im Vorgänger übereinstimmen. Und dass der Film fast vollständig in Berlin gedreht wurde, ist natürlich besonders reizvoll – und dank herber geographischer Kontinuitätsfehler auch gelegentlich durchaus amüsant.

70%

Zuletzt gesehen: THE BOURNE IDENTITY

Der erste Bourne-Film geht clever vor: Ohne besondere Effekte vereinnahmt er den Zuschauer von Beginn an für sich, baut eine Spannung auf, die er so lange halten und sogar mit ihr jonglieren kann, wie er die große Ellipse eine Ellipse sein lässt. Wer ist Jason Bourne? Zweifellos: Ein Videoclip-James- Bond. Aber einer, der dem Zuschauer immer nahe ist: Wir lernen ihn so gut kennen wie er sich selbst, wir sind auf Augenhöhe mit dem Helden, und kein Detail wird uns vorenthalten, weil Details ja die Geschichte bestimmen. Diese Bindung an die Figur trägt den ansonsten leider uninspiriert inszenierten Film: Flott und kurzweilig in der ersten, schnöde und allmählich vorhersehbar in der zweiten Hälfte. Regisseur Doug Liman setzt eine ansprechende Geschichte ohne besondere Einfälle in Szene. Und trotz an und für sich hübscher europäischer Schauplätze und einem begabten Kameramann sieht der Film aus wie mit einer Hobby-Cam gefilmt.

50%

September 28, 2008

News: Erste Eindrücke zu ALICE IN WONDERLAND

So, es wird mal Zeit für ein erstes "Alice in Wonder- land"-Posting. Tim Burton filmt da nämlich im Moment eine Synthese aus Realfilm und Motion-Capture-Spektakel für Disney, die aber erst 2010 ins Kino kommen soll. Bestätigt ist es noch nicht, aber Danny Elfman wird wohl hoffentlich komponieren, für die Bilder sorgt "Sweeney Todd"-Kamera- mann Dariusz Wolski. Und Burtons Alter Ego Johnny Depp spielt den Mad Hatter. Erste Bilder vom Set, u.a. mit Helena Bonham Carter und Nachwuchs, gibt’s hier:

---> klick <---

September 27, 2008

TV: Fernsehtipps vom 27.09. - 03.10.2008

Samstag, 27.09.

20:15 Uhr – Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche (Tele5)

Die bunten Toten gegen die farblosen Lebenden: Ganz entzückendes Puppen-Kleinod, wunderbar morbide, absonderlich und liebenswert. Elfmans Musik ist zum Abheben, das Finale einfach nur rührig-schön. Aber: Free-TV-Premiere bei Tele5 – häh?

20:15 Uhr – Der Patriot (K1)

War damals echt so ein Film, der mich sprachlos gemacht hat. Mit Worten nur schwer fassbares Hirngespinst, wirklich bemerkenswert dumm, schlecht und abturnend. Bitte endlich Berufsverbot für Emmerich und Gibson.

22:00 Uhr – Nightmare – Mörderische Träume (Tele5)

Bester moderner Horrorfilm. Fertig.

23:50 Uhr – Nightmare 2 – Die Rache (Tele5)

Der schwule Freddy-Teil. Mal so richtig drüber, wirft der Film unbekümmert alle Regeln des Vorgängers über Bord. Grandios photographiert und als 80er-Relikt sogar unschätzbar. Prädikat: besonders wertvoll.

1:00 Uhr – Auf der Flucht (ZDF)

Über den Oscar für Jones rätsele ich alle paar Schaltjahre mal, aber sonst ist das schon eine flinke okaye Kinoversion der Serie. Mit "Eagle Eye" kommt da demnächst ein Web 2.0-Remake ins Kino.

Sonntag, 28.09.

11:00 Uhr – Nummer 5 gibt nicht auf (Pro7)

Den sendet Pro7 nur wegen "WALL-E"!

13:00 Uhr – Abyss (Pro7)

Eben noch besprochen, jetzt im Fernsehen. Kann man sich ja selbst von Camerons Chauvi-Sci-Fi-Abenteuer überzeugen. ;)

20:15 Uhr – Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith (Pro7)

Da wo alles zusammenkommt: Ganz, ganz viel Star Wars-Magie und Gänsehäutchen, weil so hübsch opernhaft inszeniert, und mit so großartig simplen Dialogen in ebenso großartig ausladenden Set-Ups, und so spürbar an klassische Hollywoodstudiofilme angelehnt und so exaltiert dramatisch. Das ist ganz großes Kino. Danke, Georgi-Boy. (aber Achtung. Die deutsche Synchro ist so dermaßen bekackt, die kann man sich einfach nicht angucken)

20:15 Uhr – Ocean’s Eleven (RTL)

Ist für Soderbergh-Verhältnisse ein mildes Vergnügen, tut nicht weh, hat Schwung und Schmackes, ist gefällig und sogar besser als das Original.

Montag, 29.09.

20:15 Uhr – Die Brücke (Pro7)

Was ich da bislang von gesehen habe, sieht echt so derbe scheiße aus, dass ich präventiv mal von abraten würde. Lieber den Wicki gucken.

20:15 Uhr – Die Maske (K1)

Die ILM-Tricksereien waren und sind super, aber der Film ist schon bisserl anstrengend, vor allem die Diaz!

21:00 Uhr – Das Leben der Anderen (Arte)

Dieser Film demonstriert sehr gut den verklemmten Umgang deutscher Filme mit deutscher Geschichte: Das Vergangene wird verteufelt, aber eine Auseinandersetzung findet nicht statt. Schlimmer noch, ist der Film sogar dümmlich in seinem lapidaren Umgang mit dem komplexen Thema. Eine vereinfachende und demagogische Klischeebebilderung, bei der man nur die Seiten bayerischer Schullehrbücher rascheln hört.

23:20 – Assault (Tele5)

Zur Abwechslung könnten Tele5 und Konsorten ja auch mal "Rio Bravo" zeigen.

23:25 Uhr – Cube (Pro7)

Ich muss bei dem irgendwas nicht begriffen haben damals, denn auf den sind sie ja alle abgefahren. Für mich war das echt nur ein unsäglich ermüdendes, ineffektives Kammerspielchen, das mit seinen Raumvariationen bestenfalls noch für Filmstudenten interessant gewesen sein dürfte.

Dienstag, 30.09.

20:15 Uhr – Last Action Hero (K1)

Die goldene Eintrittskarte ist schon super, aber von einem etwas clevereren Regisseur als McTiernan inszeniert, hätte das eine ganz große postmoderne Actionnummer werden können.

Mittwoch, 01.10.

20:15 Uhr – Sommer vorm Balkon (ARD)

Ja, nee. Also, hm, nee, echt nicht. Ist verzichtbar.

22:20 Uhr – Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (K1)

Ich kann jetzt schwerlich von ’nem deutschen renommierten Autorenfilm abraten und dann im Anschluss sagen, dass ich den hier für einen der besten Teen-Filme der 90er halte. Oder?

23:20 Uhr – Misfits (RBB)

Aber dafür kann ich hier behaupten: G-r-o-ß-a-r-t-i-g. John Huston war der Mann.

Donnerstag, 02.10.

Nada.

Freitag, 03.10.

9:30 Uhr – Toy Story 2 (Pro7)

Echt noch mal eine deutliche Steigerung zum ersten Teil. Und hat einen der besten Star Wars-Jokes aller Zeiten.

20:15 Uhr – Findet Nemo (SAT.1)

Schööööööööööön.

20:15 Uhr – Krieg der Sterne (Pro7)

Och, da hab ich auch echt schon viel zu geschrieben.

22:15 Uhr – Der Soldat James Ryan (SAT.1)

Inszenatorisch würde mich der bestimmt immer noch umhauen, aber das nützt ja nix, wenn Spielberg den Krieg erst mit all seiner Hässlich-, Fragwürdig- und Verächtlichkeit zeigt, nur um dann aber ein großes Heldenlied einzustimmen, das dem seine Berechtigung verleiht. Sicher einer der schlimmsten Pro-Kriegsfilme ever. Leider.

23:00 Uhr – Blade (Pro7)

Zum Tag der Deutschen Einheit zeigt Pro7 einen schwarzen Drillbit-Killer, der Vampire in die Luft sprengt. Find’ ich gut.


ICH BIN JETZT EIN FILMFREUND

War ich natürlich schon immer, aber jetzt ist's quasi offiziell. Nach dem Ausstieg von Dog Hollywood haben die Fünf Filmfreunde ein neues Mitglied gesucht - und gefunden. Der Besucheransturm hat also einen pragmatischen Grund. Ich werde dort nun mein unqualifiziertes, aber aufrichtiges Geschreibsel beisteuern. Aber keine Angst, das hier bleibt auch weiterhin mein persönlicher Schatz. Mein gehüteter.

September 25, 2008

News: QUANTUM OF SOLACE - Poster + TV-Spot

Vorfreude steigt und steigt und steigt...



Kino: KINOSTARTS - 25.09.2008

  • Pathology (Thriller, USA 2008)
  • Der Baader Meinhof Komplex (Räuberpistole, D 2008)
  • Erotic Tales - Night of the Shorts (Diverse 2008)
  • Trennung (Drama, D/F/IS/I 2007)
  • Day Night Day Night (Drama, D/F/USA 2006)
  • Der Boxer 3D (Komödie, USA 2004)
  • Love, Peace & Beatbox (Doku, D 2008)
  • Kinder. Wie die Zeit vergeht. (Doku, D 2008)
  • WALL-E - Der letzte räumt die Erde auf (Sci-Fi-Animation, USA 2008) [Kritik]

September 23, 2008

Retro: STRANGERS ON A TRAIN (1951)

Die Fremden im Zug: Das impliziert zunächst einmal eine Begegnung. Und so wie die amerikanische Filmgeschichte es unzählige Male vorgeführt hat, handelt es sich dabei meist um romantische Begegnungen. Um ein Irrlaufen und Zusammen- prallen wie in der Screwball Comedy (allein in den Filmen von Preston Sturges spielen sich zahlreiche prägnante Situationen zwischen Frau und Mann in Zügen ab), oder gar um den sexuellen Höhe- und filmischen Schlusspunkt, so wie es Alfred Hitchcock zum wunderbar unverschämten Ende von "North by Northwest" hin demonstrierte. Ein Aneinanderstoßen im Zug nun leitet auch die Begegnung von Bruno und Guy ein, den beiden Hauptfiguren in "Strangers on a Train". Nicht zum Schluss, sondern schon zu Beginn des Films also muss der Zug bereits seine symbolische Stärke unter Beweis stellen: Zwei getrennte Schienen laufen zusammen, zwei unbekannte Männer berühren sich mit den Füßen. Es ist der Beginn einer Vereinigung – oder, vielleicht, auch ein früher visueller Beleg für zwei Gegensätze, die nichtsdestotrotz ein Ganzes bilden.
Doch was soll diese Begegnung einem sagen, sofern sie einer Tradition von Bildern und Zeichen folgt, und nicht zuletzt der ihres eigenen Erzeugers? Immerhin handelt es sich bei den beiden Personen, die in den ersten Minuten zusammentreffen (und nicht voneinander loskommen werden), um zwei Männer, einem berühmten Tennisspieler und einem offenkundigen Bewunderer, der dem sophisticated Objekt seiner Begierde einen Tauschmord vorschlägt – da dürften erotische Implikationen zunächst keine große Rolle spielen. Nur wird der Film auch weiterhin nicht darum verlegen sein, sich jede Anspielung für diesen Verdacht zu eigen zu machen, jedes Bild hinreichend zu phrasieren: Bruno, der sich von seiner Mutter die Fingernägel zurechtmachen lässt; Guy, der zwischen zwei Frauen steht – die eine lästig und bald schon mausetot, die andere mütterlich, besorgt und nicht würdig, in die moralische Krise ihres Gatten in spe eingeweiht zu werden. Schließlich landet der good Guy des Nachts im Schlafzimmer des aufdringlichen Bösewichts, um ihm seine Pistole zurück- zugeben – und vorher hat der Hund des Hausherren dem Besucher noch in Slow-Motion das Händchen abgeleckt: Nie wieder hat Hitchcock so hübsch und kreativ zum Aufspüren homosexueller Konnotationen eingeladen!
In gewisser Hinsicht fühlt sich der Film deshalb wie eine Fortsetzung von "Rope" an: Beide funktionieren täter- motivisch nur über einen aufgeprägten schwulen Subtext, während sie mit einer kriminalistischen Handlung kokettieren, die ein weiteres Mal um die Idee vom ‚perfekten Mord’ kreist, und beide scheinen dabei so sehr plot driven konstruiert, dass ihre gradlinige, geschlossen wirkende Erzählstruktur keine Zwischenstellen mehr zulassen dürfte. Dabei ist gerade "Strangers on a Train" mit einigen offenkundigen Unge- reimtheiten, um nicht zu sagen: eklatanten logischen Unwahrscheinlichkeiten, behaftet, die Hitchcocks sonst so undurchlässiges Erzählkonzept mehr als einmal in Frage stellen. Das Suspense-Prinzip also, die Technik, sich weg von einer "normativen" und hin zu einer inneren – oder filmischen – Logik zu bewegen, entfaltet hier nur selten seine Wirkung: Guy, der sich statt zur Polizei lieber in undurchsichtige Verstrickungen begibt; Bruno, der einen Vater loswerden will, der eigentlich gar nicht anwesend ist.
Aus dieser, zumindest für Hitchcock-Verhältnisse, didaktisch gescheiterten Erzählsituation allerdings ergibt sich ein besonderer Reiz: Die Lücken der Logik und letztlich des Drehbuchs (das aufgrund von Streitereien mehrmals umge- schrieben und bearbeitet wurde) haben einige Leerstellen zur Folge, um die erfinderisch auszufüllen Hitchcock sichtlich bemüht ist. Da nämlich, wo sein für gewöhnlich mit so vielen sichtbaren Informationen aufgeladenes Bild ein striktes Befolgen der, nun ja, Rezeptionsanweisung erfordert, scheint "Strangers on a Train" im Bewusstsein um seine unschlüssige Dramaturgie und letztlich unglaubwürdige Figurenkonstellation gleich von vornherein alle Aufmerksamkeit auf das lenken zu wollen, was sich unterhalb des Bildes abspielt: Das Eingangsmotiv der verschränkten Schienen ("criss-cross" bezeichnet Bruno seinen Vorschlag vom Doppelmord), die sich in Bildübergängen ergänzenden Alltagssituationen der beiden Männer, die zunehmend aufgelösten Raumbarrieren zwischen Guy und Bruno – Hitchcock löst die Distanz immer mehr auf, lässt die beiden widersprüchlichen Figuren so lange miteinander verschmelzen, bis kein Zweifel mehr daran besteht, dass Täter und Opfer nur zwei Seiten ein- und derselben Figur bilden.
Wenn Bruno und Guy durch filmische Verweise letztlich als Modell einer gespaltenen Persönlichkeit, zwischen Mordlust und Schuld hin und her gerissen, funktionieren, lassen die homoerotischen Bezugnahmen den Schluss zu, dass hier ein Mann unentschlossen mit seiner Sexualität ringt. Insofern wirken die aufdringlichen Begegnungen des Stalkers Bruno, des bösen Zwillings, fast wie der komödiantische Versuch eines ungebändigten Charmeurs, den braven Tennisspieler Guy off the closet zu nötigen. Hitchcock betreibt dieses quasi-subversive Metaspiel mit umgekehrten Vorzeichen sogar auf Produktionsebene der Besetzung: Die Rolle des wilden Bruno gab er einem heterosexuellen, die des scheinfrommen Gegenspielers Guy einem homosexuellen Schauspieler (Farley Granger spielte auch bereits in "Rope" einen eher repressiven schwulen Charakter). Vor diesem Hintergrund wirken letztlich auch die permanenten zweideutigen Annäherungen und Bildübergänge der beiden Männer amüsant: Der finale Gewaltakt auf dem Karussell etwa, oder die Parallelmontage vom sich über ein Gullyloch bückenden Bruno und dem mit heftigen Vor- und Zurückstoßbewegungen Tennis spielenden Guy.

70%

Literatur:
  • Dotzauer, Gregor (1999): Strangers on a Train. In: Beier, Lars-Olav / Seeßlen, Georg (Hrsg.): Alfred Hitchcock. Berlin: Bertz, S. 350ff.
  • Nicholson, Mervyn (2007): Stranger and Stranger. Hitchcock and Male Envy – Beyond the queer readings of Strangers on a Train. In: Bright Lights Film Journal, Ausgabe 55
  • Truffaut, Francois: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?, 2. Auflage. München: Heyne

September 21, 2008

Kino: HELLBOY II - THE GOLDEN ARMY

"You’re such a beautiful freak – I wish there were more just like you", heißt es in "Beautiful Freak", dem wunderbaren Song des gleichnamigen Albums der Eels, den man eigentlich schon gern im ersten Hellboy-Film von Guillermo del Toro gehört hätte, wenn der kauzige rote Comicheld da so nachdenklich auf dem Dach eines Hauses vor sich hin grummelte, weil seine Angebetete mal nicht so wollte wie er. Aber sei’s drum, nun spielt ihn eben die Fortsetzung, wenn unserer Höllenjunge mal wieder Knatsch mit der feurigen Liz hat. Dabei strengt er sich ja schon an, er würde sogar sein Leben für sie lassen, sagt er, "but she also expects me to do the dishes!" – den Abwasch also auch noch.

Dafür allerdings bliebe dem Superhelden gar keine Zeit: Weil ein eitler Prinz sich entschlossen hat, den langlebigen Friedenspakt zwischen der Welt der Menschen und jener der, nun ja, phantastischen Wesen für beendet zu erklären, und gleich noch eine gigantische Armee goldenerer Krieger zum Leben erwecken will, müssen sich Hellboy (Ron Perlman), Liz (Selma Blair) und Abe (Doug Jones) mit diversen Fantasie- gestalten und schließlich der Zwillingsschwester des Blondschopf-Prinzen herumschlagen – nur mit ihrer Hilfe nämlich kann die Menschheit noch gerettet werden, sozusagen.

Nun ist der Bösewicht-Bruder kein einfacher Irrer, der sich am Krieg zwischen Mensch und, zum Beispiel, einem riesigen Waldgott inmitten New Yorks ergötzen, sondern eigentlich nur für die Rechte seinesgleichen einstehen will: Für ihn ist die geheime Parallelexistenz fremder Wesen vor allem ein Ausdruck für die Unterdrückung durch den Menschen, und das möchte er nicht länger hinnehmen. Getreu der Sequel- Gesetze, die ein Comic zum Gelingen ja doch eher besser befolgen sollte, befördert dieser ambivalente Trieb des Prinzen den Titelhelden in ein moralisches Dilemma. Denn schließlich ist auch er, der Hellboy, nur eine Kreatur, die im Unsichtbaren agieren, die sich verstecken muss vor den Menschen, für deren Sicherheit er sich ja überhaupt erst in manch unangenehmes Abenteuer stürzt. Da lohnt es sich zumindest, über den Lockruf des Gegners einmal nachzudenken: Wenn dieser unseren eigenwilligen Superhelden darauf hinweist, dass all dessen Müh letztlich vergebens sei, weil er weder Dank noch wirkliche Anerkennung vom Menschen bekommen könne, ist der innere Konflikt natürlich mächtig am Brodeln. Alle Comic-Helden müssen so eine Gewissensprüfung irgendwann bestehen, selbst Batman und Spider-Man.

In "Hellboy II: The Golden Army" treibt del Toro die Erzählung überall dahin, wo man sie üblicherweise eben hinführt, um interessante Plot-Variationen und Konflikte für die nunmehr bekannten Figuren zurechtgenerieren zu können, während er den Film strukturell eigentlich wie den ersten Teil aufbaut. Das macht er grundsolide, ohne Stolpersteinchen oder nennenswerte dramaturgische Aussetzer. Dennoch liegt die ganz große Stärke auch dieses zweiten Hellboy-Films nicht unbedingt in der mäßig originellen Geschichte (die sich irgendwie ganz schön zusammensetzt aus phantastisch Bekanntem), sondern seiner konsequenten Überbietungs- strategie. Der Film setzt überall noch mal eins drauf, immer dort, wo schon der Vorgänger so überraschte: Wuchtige und übermütige Action, natürlich, tolle und einfallsreiche Effekte, viel Witz, Herz und komische Dialoge. Oder er beschreitet neue Wege, zum Beispiel mit der Verpflichtung Danny Elfmans für die Musik, und liegt auch dabei goldrichtig.

Aber in erster Linie hat del Toro verstanden, dass er den Figuren, und seien sie noch so fantasievoll, monströs oder bedrohlich, Persönlichkeit und Würde verleihen muss. Man findet diesen Hellboy einfach drollig in seiner Unbeholfenheit, aber auch seiner Stärke, und man ist fasziniert, wie nicht enden wollend der Regisseur magische Situationen und Fantasy-Set-Ups entwirft, in denen kauziger Humor und opulentes Spektakel sich so wunderbar (und ökonomisch!) ergänzen. Dazwischen findet der Film immer auch wieder Zeit für hübsche kleine Episoden, für besinnliche Ruhemomente oder schlicht urkomische Momentaufnahmen – so sich Hellboy und Abe eines Abends einfach betrinken und ein lautstarkes Duett zu einem Liebesschlager einstimmen, während der rote Dämon dazu mit seinem Schwanz wackelt, ja, das ist dann ganz einfach liebenswürdig und schön, und zwar ohne dass es in irgendeiner Hinsicht unangenehm berühren würde. "Pan’s Labyrinth" dürfte es zuletzt wohl besiegelt haben: Guillermo del Toro ist mittlerweile einfach eine verdammt sichere Bank.


80% - erschienen bei: WICKED-VISION

September 20, 2008

TV: Fernsehtipps vom 20.09. - 26.09.2008

Samstag, 20.09.

20:15 Uhr – Die Farbe Lila (VOX)


Spielbergs Ausflug ins Melodram: Eine die bedeutsame Vorlage ins Gegenteil verkehrende, mit familiärer Harmoniesucht durchtränkte Adaption, die Zeit- und Gesellschaftsbezüge ebenso außen vor lässt wie sie am Ende ein Lied aufs Patriarchat einstimmt. Gut gemeint, gut misslungen.


20:15 Uhr – Camp Rock (Pro7)


Pro7 hat den Emo-Teen für sich entdeckt. Sieht aus wie "Sommersturm" meets Tokio Hotel, wird bestimmt ziemlicher, ähm, camp.

23:15 Uhr – The Faculty (K1)

Teenie-Update der"Body Snatchers" von Kevin Williamson, der als Drehbuchautor eine bessere Figur abgegeben hat. Guckt sich gut weg, mehr leider nicht.

0:45 Uhr – The Deep End (ZDF)

Völlig austauschbarer und uninteressanter Thriller, der mit ausgelutschten Genremitteln (falsche Fährten und solch Schmu) nach Spannung sucht, aber selbst mit Tilda Swinton in der Hauptrolle nur endlos langweilt.

1:10 Uhr – Night of the Creeps (K1)

Ganz großer kleiner Sci-Fi-Horror, der sich zwischen niedlichem Retro-Teenfilm und Slasher-Reißer bewegt, und zudem mit vielen schönen Ideen und sympathischer Besetzung punktet. Könnte wie schon einige Male ungekürzt laufen, ist aber eher unwahrscheinlich.

Sonntag, 21.09.

20:15 Uhr – Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger (Pro7)

Ordentlicher Film, aber definitiv das Star Wars-Kapitel mit den meisten dramaturgischen Schwächen, einem unbeholfenen Hauptdarsteller, einfallslosem Arena-Finale und unsinnigem Boba/Jango Fett-Ausbau. Zudem zu dialoglastig, um Komplexität bemüht und bis auf das Liebesthema wenig inspirierter Musik. Hat natürlich auch viele Stärken, aber die lasse ich mal außen vor, weil der Film im Vergleich zu Episode I für gewöhnlich arg verklärt wird.

0:15 Uhr – Star Force Soldier (Pro7)

Eine dystopische Gesellschaftsstudie über Ausgrenzung und Einsamkeit, in der Kurt Russell als stummes Monster zu einer neuen Menschlichkeit findet. Die im Minutentakt eingestreuten Gewaltspitzen unterstreichen diesen Ansatz natürlich nur. Ähm…

0:15 Uhr – L.A. Crash (NDR)

Oh, die Dritten haben also mal wieder was zum Versenden gefunden. Soll mir recht sein, je öfter der Rotz läuft, desto mehr können sich von Paul Haggis’ Unvermögen überzeugen.

1:30 Uhr – Die Affäre von Sunny von B. (ARD)

Habe ich nicht gesehen und will ich auch nicht sehen, aber ich mag die Anekdote von der Oscar-Verleihung 1991: Als Jeremy Irons die Bühne betritt und seinen Preis für eben diesen Barbet Schroeder-Film hier entgegennimmt, gibt er sich wortkarg und dankt … David Cronenberg. ;)

Montag, 22.09.

Nix.

Dienstag, 23.09.

20:15 Uhr – Over the Top (K1)

Total dämlich, aber sehr unterhaltsam. Das muss man den Cannon-Filmen ja doch immer noch lassen.

23:00 Uhr – Elementarteilchen (NDR)

Das ist eigentlich genau die Sorte teutonisches Kino, bei der ich das absolute Kotzen kriege. Total reaktionärer Drecksfilm. Ist das eigentlich eine getreue Adaption? Denn seit der "Durch die Nacht mit.. "-Folge ist mir der Houellebecq ja auch schwer suspekt.

0:45 Uhr – Der alte Affe Angst (NDR)

Auch ziemlich unerträglich, aber an diesem Abend definitiv noch der bessere Oskar Roehler-Film.

Mittwoch, 24.09.

20:15 Uhr – Der Rosenkrieg (K1)

Ich liebe diesen Film. Ich liebe das ganze Set-Up. Und ich liebe Kathleen Turner.

22:30 Uhr – Eine verhängnisvolle Affäre (K1)

Sehr gut aufgebaut, erzählt, zugespitzt, überhaupt relativ stilbildender Psycho-Thriller, nur leider stinkkonservativ und moralisch. Das ursprüngliche Harakiri-Ende ist übrigens bedeutend besser.

Donnerstag, 25.09.

Nix. Auf "Belle de jour" möchte ich nicht schon wieder hinweisen.

Freitag, 26.09.

20:15 Uhr – Hellboy (Pro7)

Was phantastische Stoffe anbelangt, ist del Toro gegenwärtig so ziemlich der eindrucksvollste Regisseur. Als ich "Hellboy" gerade erst wieder gesehen habe, fiel mir zudem auf, wie einheitlich der Mann arbeitet, welche Motivkonstanten sich da bemerkbar machen und überhaupt: Was für ein großartiges Gespür del Toro fürs Fantasievolle hat. Wie dem auch sei. Sehr guter Film, der noch mal ein wesentlich besseres Sequel spendiert bekommen hat.

0:35 Uhr – Street Trash (Arte)

Dass der Melt-Movie-Klassiker mal im Fernsehen laufen würde, hätte ich nun nicht gedacht. Ist schon ein arg stranger, aber definitiv sehenswerter Film. Dürfte allerdings gekürzt sein.


September 18, 2008

Retro: THE ABYSS (1989)

Die Ankündigung einer größeren Macht, einer heilvollen, aber übernatürlichen Stärke, die Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche weckt, kann den auf sein Staunen und Stillstehen reduzierten, zuletzt zu Träumen verpflichteten Menschen unterschiedlich beeinflussen: In Steven Spielbergs "Close Encounters of the Third Kind" installieren fried- und liebevolle Besucher aus dem Weltall eine Art Lageplan ihrer Ankunft im Kopf des all american family dads Richard Dreyfuss, und lösen damit sogleich eine zunächst destruktiv erscheinende, visionsähnliche Obsession bei ihm aus, die ihn von seinem gewohnten Raum entfremdet und ihn schließlich gar seiner Familie den Rücken zukehren lässt. Die verführerische und letztlich lohnenswerte Anziehungskraft der freundlichen Außerirdischen generiert zudem neue Konstellationen ebenso wie sie Möglichkeiten eröffnet, die ihren Besuch zum Ereignis von großer Bedeutung werden lassen. Spielberg wiederholte diese märchenhafte Vorstellung von Erlösung weniger kühn und dafür deutlich konkreter in "E.T.", in dem ein weises, samariterähnliches Wesen from outer space das Vertrauen eines kleinen Jungen erobert, zu seinem Vaterersatz reift und schließlich sein Kindsein bewahrt – gegen die bedrohliche Gegenwart von Erwachsenen, die nur Verlust und Trauer bringen.

Der Unterwasser-Science-Fiction-Thriller
"The Abyss" von James Cameron arbeitet mit sehr ähnlichen Methoden wie Spielberg. Seine dreigliedrige Erzählstruktur – der Film handelt von einer Ehekrise, der mysteriösen Niederlassung fremd- artiger Wesen und thematisiert obendrein noch Ängste vor einem Atomkrieg – täuscht eine gewisse narrative Komplexität vor, während Cameron im Zentrum seines Spektakels lediglich eine wundersame Liebesgeschichte zu erzählen versucht. Diese ist mit Klischees, ja, all american values, durchzogen und legitimiert den männlichen Helden im Mittelpunkt (gespielt von Ed Harris) zu ähnlich eigensinnigen, mitunter cholerisch anmutenden Handlungen wie die Richard Dreyfuss-Figur in Spielbergs "Close Encounters". Der heimische Bereich ist in "The Abyss" dabei augenscheinlich zu einer Tiefseestation ummodelliert, auf der das Ehepaar sich jedoch kennen- und lieben gelernt hat. Wie man später erfährt, haben sie die meiste Zeit ihrer Beziehung auf oder unter Wasser verbracht – der Spielort also ist ein heimischer Bereich, ein Quasi-Gegenstück zum Suburbia-Wohnhaus bei Spielberg, das hier wie dort einer Bewährungsprobe ausgesetzt wird.

Bud, der weiche Kerl mit der harten Schale, ist allerdings nicht derjenige, der der extraterrestrischen Macht in Camerons Variation des Stoffes als erstes begegnet, sondern ein männliches Crew-Mitglied, das daraufhin in einen komatösen Zustand verfällt. Konkreter und schließlich ohne gesund- heitliche Folgen nimmt dann jedoch erst Buds Ex-Frau Lindsey (Mary Elizabeth Mastrantonio) ersten Kontakt auf: Sie sieht die farbenprächtigen, anmutigen, korallenähnlichen Wesen und berührt sie sogar. Lindsey bekommt von Cameron keine passive Rolle zugeteilt, sie ist nicht wie die bloße und zum Sidekick degradierte Ehefrau in "Close Encounters" oder die Mutter in "E.T.", sondern eine aktive Teilnehmerin am Geschehen, die potentiell befähigt ist, die Richtung des Films zu bestimmen. Allerdings nur potentiell: Eingeführt wird sie als "Drachen", als rechthaberischer Kontrollfreak, als eine garstige "Emanze", die nicht nur ihrem Ex-Mann, sondern auch der restlichen Unterwasser-Crew auf die Nerven fällt. Lindsey wird vom Film mit einer bemerkenswerten Verachtung gezeichnet, und sie ist dabei völlig auf sich allein gestellt – selbst ihre Kollegin One Night (!), die einzige andere weibliche Figur, simuliert bei Lindseys Begrüßung ein Kotzgeräusch hinter deren Rücken.

Es gibt im gesamten Handlungsverlauf von
"The Abyss" nur selten Momente, in denen Lindsey nicht ganz direkt oder zumindest implizit schikaniert wird. Und die Figur, die sich mit ihr gegen den Chauvinismus der Kollegen ("What would you like us to call you – Sir?" / "I think hurricanes should be named after women." etc.) solidarisieren könnte, die schwarze One Night, greift deren Autorität sogar noch am vehementesten an: "Bud, let me tell you somethin’. She ain’t half as smart as she thinks she is.". Um also Camerons Entscheidung sinnvoll erscheinen zu lassen, die im Genre üblicherweise anteilslose Frau, wie sie ja in jenen Sci-Fi-Spektakeln beheimatet ist, die er sich deutlich zum Vorbild nimmt, zu einer vitalen und ebenbürtigen Handlungsperson umzugestalten, ist ihr nicht nur der erste Kontakt mit den Außeririschen vergönnt, sondern ist sie es auch, die mit konstruktiven Vorschlägen und richtigen Entscheidungen den Erfolg der Mission garantieren könnte.

Wie sich jedoch herausstellt, haben die penetranten Angriffe auf die Figur nicht die Funktion, der Misogynie letztlich abzudanken und die akribisch bedienten gender stereotypes hinter sich zu lassen, sondern Lindsey als toughes, karrieregeiles, unterkühltes Luder so lange innerhalb der Handlung zu verankern, bis der Film sich das Recht erlauben darf, sie mit blankem Hass dafür zu bestrafen. In einer grotesken Szene findet diese Haltung besonderen Ausdruck: Nachdem sich Lindsey bereitwillig geopfert hat, versucht Bud sie mit allen Mitteln wieder zu beleben. Nachdem alle konventionellen medizinischen Maßnahmen keinen Erfolg hatten, beschimpft er die bewusstlose Frau als "Schlampe" und schlägt sie ins Gesicht, woraufhin sie schlussendlich wiedererwacht. Das Miststück bekommt also links und rechts eine verpasst, damit es wieder zu Bewusstsein gelangen und sich der Rolle fügen kann, die Cameron für sie vorsieht: Die der Wieder-Ehefrau, die ihrem Mann Kraft bei der finalen Aufgabe spenden und die Hardware bedienen darf (wie "Aliens" gezeigt hat, ist eine Frau bei Cameron nur dann eine gute Frau, wenn sie mit viel schwerem Geschoss am Arm bestimme Funktionen zu erfüllen bereit ist).

Folgerichtig ist es Bud, der zwar nicht den ersten Kontakt, aber die erste wirklich sinnstiftende Begegnung mit der außerirdischen Macht in den Tiefen des Meeres haben darf. Auf ihn war der Film ohnehin fixiert: Mit viel Wohlwollen, Konzentration und Verständnis setzt Cameron seine Figur in Szene, wenn sie hin- und her gerissen ist zwischen Verzweiflung, Trauer und Wut – er wirft seinen Ehering in die Toilette, nur um ihn kurze Zeit später wieder herauszufischen, etwas, das Lindsey sicher nicht tun würde und auch gar nicht könnte, denn sie hat ihren Ehering ja bereits längst abgelegt! – und einer inneren Stimme folgt, seine Ex-Frau doch wieder zurückzuholen, sogar in einem doppelten Sinne (wohl gemerkt: er ist es, der sie reanimiert, der über sie ent- scheidet). Cameron erzählt
"The Abyss" demnach genauso mit einem männlichen Führungscharakter wie Spielberg "Close Encounters" und "E.T.", aber er befreit die Frauenrolle aus ihrer Passivität, um sie in andere, letztlich noch viel gefügigere Muster zu verweisen.

Interessant ist besagter Schlussteil, in dem Bud in über 20 000 Fuß Tiefe einen Atomsprengsatz deaktivieren muss, ehe die geheimnisvollen Wesen ihn mit in ihre gigantische Unterwasserstadt nehmen. Dort offenbaren sie ihm ihr Geheimnis, die Kraft des Wassers kontrollieren zu können, und demonstrieren (in der verlängerten Fassung des Films), wie sie eine riesige Flutwelle in Gang und schließlich wieder außer Gefecht setzen, um den Menschen mehr oder weniger ein moralisches Bewusstsein für die drohende atomare Katastrophe des Kalten Krieges zu implantieren. Motivisch ist diese Verflechtung von Maschinerie und Schicksal, von Künstlicher Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein exemplarisch für Cameron, der das in den beiden "Terminator"-Filmen ebenfalls, allerdings wesentlich grundierter, thematisierte. Die Nachrichtenbilder, die sich vor den Augen Buds in einem Luftraum abspielen, sind ein für den Regisseur auffällig plumpes und emotionalisiertes Stilmittel, das augenscheinlich Anleihen bei "2001" (die embryonal wirkenden Aliens verweisen auf den Sinn der Existenz) und noch deutlicher, natürlich, "Close Encounters" nimmt, letzteren aber an Rührseligkeit noch übertrifft.

Das Grundfragen der Menschheit betreffende und somit philosophisch angehauchte Finale von
"The Abyss" versucht zum Glück allerdings nur, abermals eine epische Breite vorzutäuschen, obwohl auch das spektakuläre Ende lediglich die Liebesgeschichte zu einem friedfertigen Abschluss führt. So bringen die Außerirdischen in einer Funktion als Quasi-Hippies zwar eine konkrete Botschaft des Friedens für die Welt (Spielberg hat das Anliegen der Besucher 1977 noch in der Schwebe belassen), zeigen sich schlussendlich wie in "Close Encounters" in voller Pracht und Schönheit, doch ehe sie universelle und weltliche Guttaten begehen, sind sie in erster Linie ein Überbringer von Liebe und Geborgenheit. So wie Roy Neary in "Close Encounters" seine wahre persönliche Bestimmung findet, die Außerirdischen nur ihn mit auf die Reise nehmen und damit einen Individualwunsch erfüllen, so sorgen die liebevollen Aliens in "The Abyss" dafür, dass Bud und Lindsey sich wieder als Liebende in den Armen liegen können. Gegen Camerons überraschendes Harmoniebedürfnis indes erscheint Spielbergs viel gerügte Naivität kaum noch nennenswert.


60%


Kino: KINOSTARTS - 18.09.2008

  • Redbelt (Action-Drama, USA 2008)
  • The 5th Commandment (Action, USA 2008)
  • Unschuld (Drama, D 2008)
  • Tropic Thunder (Kriegskomödie, USA 2008)
  • Friedliche Zeiten (Drama, D 2008)
  • Die Natur vor uns (Doku, D 2008)
  • Paula Modersohn-Becker (Doku, D 2007)
  • Die Kunst des negativen Denkens (Tragikomödie, N 2006)

Mein Blog spinnt grad etwas rum. Ich musste leider ein paar Postings löschen aufgrund von Darstellungsproblemen.

September 17, 2008

Kurioses: GOOGLE SEARCH

Schon lange wollte ich die mitunter irrsinnigen, abstrakten, gruseligen, beunruhigenden, absurden Sucheingaben vor- stellen, mit der Besucher via Google auf diesem Blog landen. Hier einige Kostproben allein aus den letzten 7 Tagen:

  • nackte bilder hot chick blow jop
  • Womit zeichnet die hollywood foreign Press Association einmal im jahr die besten filme aus?
  • schwule fernsehtipps
  • bedeutung never back down
  • atomexperiment datum verschoben
  • Splatterbilder wtc
  • Nackt Bilder Hot Chick Blow Jop 2 (Anm: ob das der selbe war?)
  • Star Wars Prinzessin Leia Porno
  • poster mit us cars und heissen frauen
  • hautnah jumps world trade center clips
  • rasterlocken selbst gemacht
  • der amerikanische schauspieler der so aussieht wie michael schanze

Real-Satire! Und seit wann betreibe ich eigentlich einen Porno-Blog?

September 16, 2008

Zuletzt gesehen: MÄNNER HELDEN SCHWULE NAZIS

"Der Schwule an sich ist natürlich per se kein besserer Mensch."

Schwule Nazis – kein Widerspruch!? Rosa von Praunheim packt eines der kontroversesten, wenn nicht gar das kontroverseste Thema der schwulen Szene an: Die (ästhetische) Verbindung zwischen homosexueller und nationalsozialistischer Anziehung, die ideologischen und unideologischen Imitationen in der Mode, die Auslebung von Skin-Fetischen. Befragt werden Aussteiger und nunmehr Antifa-Aktivisten wie Jörg Fischer (dessen Engagement beeindruckend ist, der aber, wie ich bei einem seiner Vorträge persönlich feststellen musste, zu einer quasi Vorzeichen veränderten Demagogie neigt), ebenso wie weiterhin bekennende Rechte, spezialisierte Historiker, Journalisten und Politiker, ja, selbst Klaus Wowereit wird zum kurzen Schlusswort gebeten. Praunheim nimmt sich – für ihn in der Tat unüblich – sehr zurück, lässt vielfältige Stimmen zu Wort kommen, neigt weder zu Polemik noch Überdramatik. Schlicht und unaufgeregt inszeniert, untersucht der Film höchst kritische, aber nicht zuletzt ungemein spannende Fragen und Widersprüche, ausgehend von ikonischen – aber eben schwulen – Nazi-Helden, vom SA-Führer Ernst Röhm bis zum Neonaziaktivist Michael Kühnen, der 1991 an AIDS starb. Es bleiben letztlich viele Fragezeichen, und die Absurdität mancher Aussagen scheint die zentrale Divergenz eher noch zu verstärken: Dennoch lassen sich aus dem Film hilfreiche psychologische Vermutungen ableiten – und er steht im besten Fall am Anfang eines längst überfälligen Diskurses in der schwulen und vielleicht auch in der neofaschistischen Szene.


75%

September 15, 2008

News: Upcoming Reviews


Demnächst Filmbesprechungen zu: "Hellboy II: Die Goldene Armee" (Guillermo del Toro), "Eagle Eye - Außer Kontrolle" (D.J. Caruso) und "Krabat" (Marco Kreuzpaintner).

September 14, 2008

News: DOCTOR PARNASSUS - Teaser Flic

Nicht wirklich ein Teaser, eher ein First Impressions-Trailer zum neuen Terry Gilliam: "The Imaginarium of Doctor Parnassus", dem letzten Film mit Heath Ledger. Zu meiner Überraschung spielt auch Andrew Garfield mit, den ich gegenwärtig für einen der talentiertesten Jungdarsteller halte.

---> klick <---

September 13, 2008

TV: Fernsehtipps vom 13.09. - 19.09.2008

Samstag, 13.09.

20:15 Uhr – To Wong Foo (Das Vierte)

"Priscilla"-US-Remake, gänzlich unnötig und selbstredend verweichlicht, aber immerhin gut besetzt.

20:15 Uhr – Veer Zaara (RTL2)

23:40 Uhr – Der weiße Hai (ARD)

"Duel" im Wasser, "Psycho" am Strand, und Georg Seeßlen sieht in dem Film gar den absoluten Vertreter eines vietnamisierten Kinos, einen "Erneuerungsfilm", der "das Neue und das Alte Hollywood voneinander trennte und vereinte". Da hat er natürlich Recht. Und begnadet inszeniert ist er freilich auch.

0:00 Uhr – Scarface (WDR)

Lief zuletzt in der ARD – überraschenderweise vollständig. Macht den Film aber nicht unbedingt besser, das bisserl Kettensägengerassel.

0:15 Uhr – The Crow (K1)

Mittelprächtig inszeniert, aber dennoch faszinierend: Lebt von seiner mythischen Überhöhung durch Brandon Lees Tod.

3:05 Uhr – Joey (K1)

Müdes Fantasy-Plagiat, bei dem Emmerich kräftig von "E.T." und "Poltergeist" abkupfert.

Sonntag, 14.09.

20:50 Uhr – Der letzte Kaiser (Arte)

Muss man den gesehen haben? Oder hechelt Bertolucci hier auch nur David Lean nach?

22:15 Uhr – Underworld: Evolution (Pro7)

Auch nicht gesehen, ist aber sicher keine große Lücke. Der erste war zumindest schon recht mau.

Montag, 15.09.

22:15 Uhr – The Hole (ZDF)

Überraschend spannender Psycho-Horror, der eine Handvoll interessanter Fragen stellt, sich aber cleverer vorkommt, als er letztlich ist. Keira Knightley ist in einer frühen Rolle zu sehen – und packt gleich mal ihre Nippel aus.

1:05 Uhr – Geschenkt ist noch zu teuer (ARD)

Komisch-kindliche Zerstörungsorgie: Der ganz persönliche Alptraum vom trauten Heim. Harmlos.

Dienstag, 16.09.

23:55 Uhr – Solange es Menschen gibt (SWR)

…wird fleißig weiter versendet. Aber so kommt vielleicht wirklich keiner dran vorbei, an Sirks Meisterstück.

0:20 Uhr – Jurassic Park (ARD)

Die Attraktion zur Attraktion: Ein Film, so mitreißend und spektakulär wie der Park, von dem er erzählt. Spielbergs Wunderreichfantasien und Vermarktungskünste erreichen hier fast (ironische?) Metareflexionen, während er sich hier neben seiner eigentlichen Arbeit an "Schindler’s List" einen der einflussreichsten Filme der letzten Jahrzehnte aus den Ärmeln schüttelt. Die humorvollere, um Schauwerte erweiterte, aber auch etwas erzwungene Fortsetzung gibt’s gleich im Anschluss.

20:15 Uhr – Eiskalte Engel (K1)

"Gefährliche Liebschaften" auf dem Schulhof: Überraschend gute, gemeine und spannende Neuadaption des Stoffes. Läuft allerdings in der um böse Wörter bereinigten Version. Pfui!

22:35 Uhr – Lost Highway (Das Vierte)

Irgendwo zwischen Noir-Meditation und Story-Reflexion angesiedelter David Lynch-Seelenstrip. So wenig komplex wie viel intuitiv, durchaus interessant und durchaus überschätzt.

Donnerstag, 18.09.

22:00 Uhr – Ausnahmezustand (VOX)

Ein Action-Thriller mit "Polit-Hintergrund", der in ganz böse Richtungen verläuft. War "Glory" einfach nur ein wenig bedenklich, schlägt Herr Zwick hier erst so richtig in ideologische Kerben.

22:45 Uhr – Die Stunde des Jägers (ARD)

Apropos ideologisch: "Rules" war der letzte Friedkin-Film, den ich mir angetan habe. Kann zu dem hier deshalb nix beisteuern.

Freitag, 19.09.

20:15 Uhr – Star Wars: Episode 1 – Die dunkle Bedrohung (Pro7)

Lucas’ Neuerfindung des Mythos ist ein wenig zu glatt inszeniert, ansonsten könnte die Rückschau ins Leben des kleinen Anakin Skywalker ideen- und fantasiereicher gar nicht sein. In einigen Momenten, dem Pod-Race oder finalen Lichtschwertkampf gegen Darth Maul zum Beispiel, reicht der Film spielend an die Ur-Trilogie heran, während Williams eine seiner brillantesten Musiken zum Besten gibt. Nicht frei von Schwächen, aber nicht annähernd so schlecht wie sein Ruf. So!

22:05 Uhr – Eraser (RTL2)

Launiger, gedankenloser Actionkracher, durchweg solide und sogar bescheiden. Wurde seinerzeit irgendwie übersehen.

23:45 Uhr – Plan 9 from Outer Space (Arte)

Burtons Zutun kann bei der Rezeption wohl kaum unberücksichtigt bleiben: Was ungelenk und absurd zusammengesetzt ist, erscheint nun liebevoll, ambitioniert und schön-schlecht. Zweifellos – Spaß macht der Film, und lehrreich ist er auch.

September 11, 2008

Kino: KINOSTARTS - 11.09.2008

  • How She Move (Drama, CAN 2007)
  • I was a Swiss Banker (Liebesfilm, CH 2007)
  • Babylon A.D. (Sci-Fi, USA 2008)
  • Stiefbrüder (Komödie, USA 2008)
  • Die Entdeckung der Currywurst (Drama, D 2008)
  • Weiße Lilien (Thriller, D/LUX/A 2007)
  • NoBody's Perfect (Doku, D 2008)
  • Dance for All (Musik-Doku, D 2007)
  • Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra (Mafia-Drama, I 2008)

September 10, 2008

News: MILK - Poster

Einen deutschen Start hat der Film noch nicht, in den USA kommt er Ende des Jahres in die Kinos. Ist hierzulande wohl ein klassischer Berlinale-Kandidat für 2009.

News: QUANTUM OF SOLACE - Trailer #2

---> 480p / 720p / 1080p <---

September 09, 2008

Zuletzt gesehen: WEIRD SCIENCE

John Hughes zelebriert den Einbruch des Phantastischen in ein idealisiertes Kleinstadt-Setup: Das heitere Fantasy- Geschehen schwelgt in eigener Nostalgie, scheint sich beständig selbst zu kommentieren und schreckt nicht vor überraschenden, absurden und oft auch albernen Einfällen zurück. "Weird Science" ist eine pubertäre Frankenstein- Variante, eine mitunter zweifellos eigenwillige, aber wunder- same Große-Jungen-Fantasie, in der auch jene Teenie- Klischees bedient und verarbeitet werden, die Hughes in seinen vorherigen Filmen bewusst umpolte. Und der Titelsong von Oingo Boingo ist herrlich strange.


65%

September 08, 2008

Diverses: DON'T GET HIM WET...



...keep him out of bright light, and never feed him after midnight. Sie sind zurück - zumindest in einem British- Telecom-Werbespot. Und bei der Gelegenheit möchte ich gleich mal loswerden, dass der zweite Teil völlig unterschätzt wird.


[via Moviepilot]

Diverses: FILMSUCHT

Der Blogger-Kollege Anthony alias Kaiser Soze hat mit 'Filmsucht' eine hübsche Idee verwirklicht: Eine Quasi- Datenbank mit Filmbesprechungen aus der Bloggersphäre. Noch ein wenig auf Beta-Niveau, wird das Projekt nach und nach wachsen und mit illustren Blog-Filmkritiken aufgestockt. check it out

September 06, 2008

News: HOW TO LOSE FRIENDS... - Neue Poster


Ach ja, der deutsche Titel (siehe hier) wurde noch einmal bearbeitet: "How To Lose Friends and Alienate People" heißt deshalb jetzt - "New York für Anfänger" ...

TV: Fernsehtipps vom 06.09. - 12.09.2008

Samstag, 06.09.

20:15 Uhr – Out of Sight (VOX)

Soderbergh und sein Technokraten-Kino. Nervtötend. Die Coens haben wenigstens Humor, wenn schon kein Weltbild, Soderbergh hat eigentlich gar nichts.

20:15 Uhr – Signs – Zeichen (Pro7)

Unter Vorbehalt: Shyamalan wütet und marodiert in der Filmgeschichte, aber ob sein Film wirklich als spannender Suspense-Film mit Referenzanhäufung und Metaebene denn kongeniale Zuschauerverballhornung verstanden werden will, möchte ich nicht entscheiden. Immerhin funktioniert "Signs" sowohl als effektives Gruselstück, als auch niedliches Quasi-"Wizard of Oz"-Remake. Ist wohl sein bester Film.

22:20 Uhr – The Sixth Sense (Pro7)

Sehr solide, sehr atmosphärisch. Shyamalan noch frisch und vielversprechend, auch wenn nahezu jede Szene mit unnötiger Bedeutung aufgeladen und somit ordentlich Budenzauber praktiziert wird. In der allgemeinen Wahrnehmung ein reichlich verklärter Film – wer den als Klassiker preist, sollte unbedingt mal Jack Claytons "The Innocents" schauen.

23:30 Uhr – Red Heat (ZDF)

Annehmbare Buddy-Komödie mit Mottenkistenhumor und erschreckend schwachen Actionszenen. Die Saunanummer war schon immer gut, aber die braucht Dank Cronenberg jetzt auch keiner mehr.

0:25 Uhr – Düstere Legenden (RTL2)

Gut erzählt, stimmig inszeniert, tolle Musik von Christopher Young. Für einen Fahrwasser-Slasher mehr als anständig.

1:20 Uhr – Cyborg (SAT.1)

Super Trash-Spektakel, allerdings völlig entstellt. Lieber ausleihen und ein Triple-Feature mit "Nemesis" und "Shadowchaser" veranstalten.

Sonntag, 07.09.

20:15 Uhr – Das Reich der Sonne (Tele5)

22:35 – Bad Boys 2 (Pro7)

Wird auch noch mal ungeschnitten wiederholt, damit die Witze über Tote mit Riesentitten und Leichen auf der Fahrbahn so richtig zünden. Michael Bay ist vielleicht nicht der schlechteste Mainstream-Regisseur, den die 90er zu verschulden haben – bestimmt aber ist er der reaktionärste.

0:15 Uhr – Invasion vom Mars (K1)

Schon wieder ein großartiger Christopher Young. Der Film ist sogar auch sehr hübsch, wie die meisten Tobe Hooper-Arbeiten aus der Zeit.

Montag, 08.09.

20:15 Uhr – Freaky Friday (SAT.1)

Mädchen-Remake von "Big". Jamie Lee Curtis noch einmal in Höchstform, und sogar – man staune – Lifestyle-Lesbe Lindsay Lohan macht Spaß. Schöner Sonntagnachmittag-Film.

22:15 Uhr – Mord nach Plan (ZDF)

Von Barbet Schroeder viel zu routiniert und brav inszeniert, um interessant zu sein. Konventioneller Thriller, bei dem Ryan Gosling bereits verdächtig nach Over Acting stinkt.

Dienstag, 09.09.

20:15 Uhr – Fahrenheit 9/11 (K1)

Wesentlich schlampiger recherchiert als der Vorgänger und leider auch weniger pointiert und treffsicher. Dennoch: Die Filme von Moore eher als Glossen in bewegten Bildern, deren Polemik und Ideologie mehr Konzept als Beigeschmack sind, zu begreifen, könnte vielleicht den Blick freimachen für ebenso sehenswerte wie unterhaltsame Kommentare – die auch nur das sein können: Kommentare. Finde das Moore-Gebashe deshalb immer wieder aufs Neue ermüdend…

20:15 Uhr – Flug 93 (ZDF)

…wo doch Filme wie dieser das eigentlich Demagogische sind.

0:20 Uhr – Scarface (ARD)

Fand ich mal super. Mehr als einige inszenatorisch starke Momente gibt mir der mitunter alberne Chauvi-Quark heute aber nicht mehr. Läuft geschnitten, wobei die Uncut-Zielgruppe den sicher ohnehin in der supertollen Gore-Pimp-Fassung im Regal zu stehen hat.

Mittwoch, 10.09.

20:15 Uhr – 10 Dinge, die ich an dir hasse (K1)

Baz Luhrman sei Dank eine weitere wunderbare und kluge Shakespeare-Variation im Teen-Milieu. Ledger spielt absolut großartig.

22:55 Uhr – Evilution (Tele5)

Keine Ahnung, was das ist, aber der Titel kommt absolut geil.

Donnerstag, 11.09.

Nix.

Freitag, 12.09.

20:15 Uhr – X-Men (RTL2)

Funktioniert zwar insgesamt noch eher wie eine überlange Exposition (für die tolle, tolle Fortsetzung), ist aber zweifellos ein toll getrickstes Ensemble-Schaustück mit witzigem Homo-Subtext.

22:10 Uhr – Dead End (Das Vierte)

Warum dieser Film als Grusel-Geheimtipp gehandelt wird/wurde, ist mir ein Rätsel. Ich habe mich damals fast zu Tode gelangweilt ob des konstruierten, gewollten, ziellosen Gemischs.