September 30, 2008

Zuletzt gesehen: THE BOURNE ULTIMATUM

Was sich der Actionfilm aus Hollywood mittlerweile so erschöpfend zu Eigen gemacht hat, nämlich die schnell geschnittene Unübersichtlichkeit mit blitzschneller Hand- kamera, die einfallslos choreographierte Action und einen grundsätzlichen Mangel an Regiekonzepten kaschieren soll, das kann in den richtigen Händen und mit der nötigen Portion Köpfchen auch ganz beeindruckend sein. Mehr noch: Es kann die Videoclip-Ästhetik des Genres endlich dahin bewegen, wo sie als Stil erkennbar wird: Wo ihr Einsatz im Erzählformat eine bedingende Funktion, ihre Variationsvielfalt eine wechsel- seitige Wirkung erzielt. Die um Auslassung kreisende Plot-Konstruktion der Bourne-Filme ist prädestiniert dafür, und die Autorenkonzeptqualitäten von Greengrass nutzen das für sich. "The Bourne Ultimatum" ist nicht mehr nur State of the Art-Actionkino wie sein Vorgänger, sondern wirklich so etwas wie die Reinkarnation des Genres. Er verbindet modernes anti-phlegmatisches Actionkino, mit all seiner Rasanz, Raum- und Zeit-Desorientierung und visuellen Verspieltheiten, mit einem physischen, harten, spürbaren Körperkino, und das alles auch noch, währenddessen er eine ungemein detailversessene Geschichte erzählt – mit genau diesen Mitteln. Greengrass inszeniert den Film vor allem über seinen Schnitt, sein Rhythmus kommt einem erhöhten Pulsschlag gleich, und dennoch kommen bei so viel Konzentration auf die Technik der Inszenierung nie die großartigen Schauspieler zu kurz. Dieser dritte Bourne-Film ist eine wahre Offenbarung – und setzt die Messlatte für gegenwärtiges Actionkino fast unerreichbar hoch.

90%

Kommentare:

  1. Wundert mich irgendwie nicht, dass ausgerechnet du einen der schlechtesten Filme des letzten Jahres so abfeierst.

    AntwortenLöschen
  2. Habe jetzt schon so viel Gutes über diesen sagenhaften Schnittrhytmus gehört, der hier im dritten Teil seine Vollendung finden soll (irgendwer hat das auch mal getimt, die Schnitte sind bewusst ca. eine Sekunde länger als im Vorgänger, oder so), dass ich den endlich mal sehen muss.

    Die beiden Vorgänger mochte ich mit ihrem Realismus-Touch auch recht gerne, vor allem die Demo gegen Studiengebühren im zweiten Teil. :)

    AntwortenLöschen
  3. Jepp, der Schnitt setzt neue Maßstäbe. Guck' den Chili, unbedingt.

    AntwortenLöschen
  4. Volle Zustimmung zu allen drei Filmen!
    Erwähnenswert ist auch der Score von John Powell, der perfekt zum Schnittgewitter passt.

    AntwortenLöschen
  5. Absolut, bin eigentlich sehr schwer zufrieden zu stellen bei aktuellen Musiken, aber Powells Scores sind erstklassig.

    AntwortenLöschen
  6. Stimme auch vollkommen zu, sogar mit der Tatsache, dass die Filme von Teil zu Teil immer besser werden.
    Jetzt hab ich Lust Ultimatum direkt nochmal zu sehen tzz :D

    AntwortenLöschen
  7. @Rudi

    Seh ich zwar bei Weitem nicht so schlimm wie du, aber "gut", das ist er sicherlich auch nicht. Kameramann Wood hat sich wohl in den Zoom-Knopf verliebt. Für mich ist da kein Konzept zu erkennen, das ist nur reines auf modern und hip getrimmtes Eyecatcher-Kino. Und so intelligent ist der nun wirklich nicht.

    AntwortenLöschen
  8. bin ich der einzige der Matt "Team America" Damon komplett fehlbesetzt
    findet (nicht dass er das nicht sonst auch wäre)

    AntwortenLöschen
  9. Mal was anderes: Du hattest ja Reviews zu Krabat und Eagle Eye angekündigt, kommen die noch?
    Würde mich sehr darüber freuen.

    AntwortenLöschen