August 16, 2008

TV: Fernsehtipps vom 16.08. - 22.08.2008

Samstag, 16.08.

20:15 Uhr – Jarhead – Willkommen im Dreck (RTL)

Beim Versuch, die Öde des Krieges in ein langes Warten auf Saddam zu karikieren, vergisst Sam Mendez trotz hübscher Ansätze, dass sein Kriegsfilm ohne Kriegsszenen bis auf allzu Offensichtliches keine neuen Erkenntnisse bringt. Krieg ist langweilig, in Ordnung. Ansonsten gibt’s immerhin einen fast nackigen Jake-Boy und (zu) schöne Kameraarbeit.

22:25 Uhr – Wolf Creek (Pro7)

Angenehm unaufgeregter Survivalhorror aus Down Under, der Backwood- mit zeitgenössischen Foltereinlagen verbindet, sich durch seine straighte Inszenierung und manch schön-fiesem Einfall aber sichtlich aus der Masse abhebt. Läuft geschnitten, die Nachtwiederholung dann sicher unversehrt.

22:30 Uhr – Bloodsport (K1)

Unglaublich alberner, aber launiger Kloppe-Film, mehr dated geht kaum. Ich würde ja vermuten wollen, dass der schon damals kaum ernst genommen worden sein kann. Gekürzt.

22:40 Uhr – Sea of Love (ARD)

Retorten-Thriller mit Noir-Einschlag, war Ende der 80er sicher total en vogue. Ende der 80er…

Sonntag, 17.08.

14:00 Uhr – Waterboy (Pro7)

Dümmliche Adam Sandler-Komödie, was an und für sich egal wäre, wenn nicht Kathy Bates sich und ihr Talent dafür prostituieren würde.

20:15 Uhr – München (Pro7)

Als tagespolitischer Kommentar viel zu kurzsichtig, funktioniert Spielbergs Rachefilm vor allem als brillant inszenierter Thriller im Stil klassischer Spionagefilme der 70er-Jahre. Dass das insgesamt ergebnislos und vereinfacht bleibt, ändert nichts daran, dass Spielbergs zweieinhalbstündiges Irrspiel um nationale Identität und Gewalt packend ist. Hier ganz sicher stark gekürzt, die Nachtwiederholung ungeschnitten.

23:50 Uhr – Deep Star Six (Tele5)

Bisserl sehr ernst gemeinter, aber als Unterwasser-Trash völlig okayer Monsterfilm von Sean Cunningham, den Tele5 alle zwei Wochen sendet.

Montag, 18.08.

20:15 Uhr – Das Netz (SAT.1)

Ein dämlicher Bullock-Film von vielen, aber die Cyber-Hetzjagd ist immerhin kurzweilig. Solche ewig gleich gestrickten Filme gucken sich schnell weg, aber ob man dafür Zeit aufbringen möchte, muss jeder selbst entscheiden.

Dienstag, 19.08.

23:00 Uhr – Der Mieter (3SAT)

Toll photographierte Melange aus Psycho-Thriller und Horrorfilm, aber nicht so gut wie "Repulsion". Und Polanskis Selbstdarstellung ist vielleicht auch nicht jedermanns Sache.

1:15 Uhr - Die Regenschirme von Cherbourg (NDR)

Herausragender, sinnlicher, artifizieller Film mit einer wunderbaren Catherine Deneuve. Eine der schönsten Liebeserklärungen ans Musical. Läuft Omu!

Mittwoch, 20.08.

22:30 Uhr – Der Blob (K1)

Liebevolles, schön ausgestattetes Remake mit ganz wundervollen Effekten und Kleinstadtflair. Leider nur heftig gekürzt.

23:05 Uhr – Solange es Menschen gibt (HR)

Wird auch ganz schön versendet, Douglas Sirks bester, anrührendster Film.

Donnerstag, 21.08.

0:05 Uhr – Casino (ARD)

Ordentlich inszeniert, aber für den Stoff nicht komplex genug. Außerdem bietet das alles so gar nichts wirklich neues, 25 Jahre nach dem Paten. Sharon Stone ist auf jeden Fall das Beste am Film.

Freitag, 22.08.

20:15 Uhr – Million Dollar Baby (Pro7)

Beklemmendes, intensives, einfühlsames Meisterwerk von Clint Eastwood. Die konventionelle Inszenierung erscheint wie eine Antithese zu den mutigen und wichtigen inhaltlichen Statements. Dass der Film von der intellektuellen Filmkritik als reaktionär empfunden wurde bleibt mir letztlich bis auf wenige Ansätze rätselhaft.

20:15 Uhr – Perfect World (Tele5)

Wunderschön inszenierte amerikanische Ballade. Eine von Eastwoods eher unterschätzten Regiearbeiten.

22:15 Uhr – Im Land der Raketenwürmer (RTL2)

Wunderbar originelle, einfallsreiche B-Film-Hommage, mindestens so unterhaltsam wie sympathisch. Mochte ich früher sehr, sehr gern, heute hat der Film etwas von seinem Charme verloren, ist aber immer noch vergnüglich.

23:55 Uhr – Infernal Affairs (ZDF)

Der beste HK-Film der letzten Jahre. Mitreißender, kluger, vielschichtiger Thriller, dem auch Martys simplifizierte Neufassung nichts anhaben kann.


Kommentare:

  1. "Jarhead" ist weitaus besser, als dein kurzes Statement vermuten lässt (Zumindest interpretiere ich es so, als ob du ihn ziemlich "mittelmäßig" finden würdest).

    "Million Dollar Baby" bekommt leider von zu Wenigen eine Chance. Die hören nur "Sport-Film", und schalten dann gar nicht erst ein. Dabei entgeht ihnen dann das, was du völlig zu Recht als "Beklemmendes, intensives, einfühlsames Meisterwerk" beschreibst. Genau meine Meinung!

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  2. Nee, kam schon richtig an, "mittelmäßig" trifft es ziemlich genau. ;)

    Und MILLION DOLLAR BABY ist vieles, aber kein Sportfilm.

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  3. Und MILLION DOLLAR BABY ist vieles, aber kein Sportfilm.

    Absolut Richtig, nur denken das Leider viel zu Viele.

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  4. Viel Zustimmung, aber auch Verwunderung: MDB ist für Dich ein Meisterwerk? Das ist doch Pathos mit amerikanischem Denken/Traum galore? Hmm, manchmal bist schon komisch (aber deswegen liebe ich Dich ja auch ^^) ...

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  5. Casi (aka. Evil Ho-Tep)16/8/08 16:20

    20:15 Uhr – Perfect World (Tele5)

    Wunderschön inszenierte amerikanische Ballade. Eine von Eastwoods eher unterschätzten Regiearbeiten.

    23:55 Uhr – Infernal Affairs (ZDF)

    Der beste HK-Film der letzten Jahre. Mitreißender, kluger, vielschichtiger Thriller, dem auch Martys simplifizierte Neufassung nichts anhaben kann.

    GENAU SO SIEHT´S AUS!!!!!! :))

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  6. Viel Zustimmung, aber auch Verwunderung: MDB ist für Dich ein Meisterwerk? Das ist doch Pathos mit amerikanischem Denken/Traum galore?

    Der amerikanische Traum? Welcher, etwa der, der nicht gelebt werden kann, wie MDB zeigt? ;)

    Und Pathos? Wo?

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  7. Mr. Hankey18/8/08 14:59

    Abgesehen von Deiner etwas zu harten Meinung gegenüber "Jarhead" gibt es diesesmal nichts von meiner Seite zu kommentieren, weder im positiven noch im negativen. Schade eigentlich! ;( ;)

    - Hankey, der MDB endlich mal gucken muss! -

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  8. Ja ja, meckern ist ja so schön, hm? ;)

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  9. die fröhliche frau rieger20/8/08 12:46

    Jaaaa, "Bloodsport" dated und launig, "München" ein Spitzenthriller, "Deep Star Six" völlig okay, "Blob" liebevoll, wundervoll, kleinstadtvoll, "Million Dollar Baby" mutig und wichtig, "Tremors" sympathisch und "Infernal Affairs" mitreißend und klug... soviel Konsens, lass' dich drücken!

    Solange du mir dabei nicht die Sam-Mendes-Fanbrille von der Nase zerren möchtest, natürlich. :)

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  10. Ach ja? Findeste den so toll?

    Muss mal wieder AMERICAN BEAUTY schauen, im Moment habeich wieder eine Melodramenphase und da würde das gut passen. Eigentlich will ich den ja ganz toll finden.

    Bei JARHEAD wollte ich das auch.

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  11. die brillentragende frau rieger20/8/08 14:23

    Ich liebe "Road to Perdition", für den hat Mendes mindestens fünf schlechte Filme bei mir gut.

    Mag den sogar lieber als den "Paten". *ganzweitwegrennundineinerhöhleversteck*

    Aber da spricht wohl auch der Comic-Geek aus mir, der sich den ganzen Tag in Conrad Halls Bildern suhlen möchte.

    "American Beauty" musste halt irgendwie mit seinem eigenen Medienecho fertigwerden, das war ja quasi Pflicht, den für überschätzt zu halten. Habe ich nie so gesehen.
    Und "Jarhead"... ja, zum einen diese Wahnsinnskamera von Deakins, und wie der Film es schafft, einem die Perversion vor Augen zu führen, wenn Sarsgaards Charakter darum bettelt, doch endlich jemanden töten zu dürfen, weil er sonst nichts habe... das ist schon sehr, sehr gut.
    Und wenn Mendes nun mal Mainstram und Konsens und Gedöns ist... mir auch egal. :)

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  12. Besser als der Pate, dafür gehörst du nach Dagobah zwangsverlegt. ;)

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