März 24, 2008

Zuletzt gesehen: HARD EIGHT / SYDNEY

Eigentlich kann man ein Regiedebüt ja nicht wirklich als Fingerübung bezeichnen. Anders lässt sich "Hard Eight" aber schwer fassen: Es beschlich mich immer wieder das Gefühl, dass P.T. Anderson hier nur etwas herumspielt, ausprobiert, ganz gekonnt mit filmischen Mitteln jongliert, um sie in eine etwas andere, etwas ungewohnte Anordnung zu bringen. Der Film folgt einem sehr eigenen Rhythmus, der sich ganz aus seiner willkürlichen Geschichte ergibt. Immer wieder erhöht Anderson das Tempo, immer wieder fährt er es herunter, auf lange starre Einstellungen folgen lange Steady-Cam-Shots, und der Schnitt ist alles andere als ausgeglichen. Da scheint jedoch immer ein Konzept im Hintergrund die Dinge zu steuern, nur ist der streng seiner lethargischen Erzählung verschriebene Film somit alles andere als in banalen Unterhaltungskategorien festzuhalten. Anderson erprobt sich noch, und das meiste wird erkenntlich und wesentlich verbessert, wesentlich stimmiger in "Boogie Nights" wieder aufgegriffen. Unter anderem die Praxis, den Schauspielern ihre Rollen auf den Leib zu schreiben: In die Fußstapfen von Philip Baker Hall wird dann Julianne Moore treten, und Aimee Mann nicht mehr nur den Abspann besingen. Sehenswert, vor allem zur Vervollständigung.

Kommentare:

  1. Du bist aber hart zum Film und Anderson! 70 % müssen doch mindestens drin sein, man muss Hard Eight halt als "Spielerei" ansehen und er war sein erster Film, hätte er nicht in Hard Eight dies oder jenes ausprobiert, dann wären bestimmt nicht seine wunderbaren Film nach Hard Eight gefolgt. :-)

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  2. psychopaul24/3/08 15:28

    schön zusammengefasst, hunderprozentig überzeugen konnte mich der nämlich auch nicht. Fand auch, dass er noch so ein ganz klein bißchen von Tarantino Gewässern beeinflußt schien, irgendwie ein "cooler" Film, aber noch deutlich entfernt von späteren Großtaten :)

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  3. @spidy:

    Wieso zu hart? Im Prinzip drücke ich doch aus, wie beachtlich ich diesen Film für ein Debüt finde.

    @psychopaul:

    Glaube nicht an den dezenten Tarantino-Einfluss, da steht Anderson doch drüber. ;)

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  4. 60% sind zu hart! :-)

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  5. Ich mag Hard Eight trotz deutlicher Schwächen ebenfalls sehr gerne. Stimme aber mit Paule überein: Finde auch, dass er im Kielwasser von Tarantino schwimmt - aber da gibt es weißgott schlimmere Beispiele und mit Boogie Nights hat Anderson ja nun wahrlich innerhalb kürzester Zeit einen ästhetischer Quantensprung hingelegt...

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