Dezember 27, 2007

Das war's: Rückblick 2007 - Die Top 10

Wie auch schon im letzten Jahr nun die obligatorische Bestenliste:

10. Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

…hat sich spät, aber doch deutlich auf den letzten Platz gehievt und damit sowohl "Little Children" als auch "Sunshine" den Einzug in die Top10 verwehrt. Eine mit betörend schönen Bildern erzählte Geschichte über Freundschaft und Selbsthass, über frühe Popkultur, Industrialisierung und Moder- nismus, wunderbar unterlegt mit Nick Caves elegischer Musik, meisterlich gespielt und überaus komplex gestrickt. Ein großer kleiner Western, der zu Unrecht übersehen wurde.

9. Dreamgirls

Trotz Vorbehalte gegenüber Beyoncé Knowles, Eddie Murphy und Jamie Foxx war ich hin und weg von Bill Condons nicht rundum geglücktem, aber gänzlich beseeltem Musical, das so voller Leidenschaft und Inbrunst seine Geschichte über schwarze Musiker erzählt, das niemand unberührt bleiben dürfte von den tollen Songs und begnadeten Performances.

8. Hot Fuzz

Nicht ganz so treffsicher wie der Vorläufer, aber auch auf Agatha Christies und Michael Bays Spuren wandeln Simon Pegg und Edgar Wright mit Bravour. Ungeheuer charmant, komisch und drüber, intelligent, liebenswert und anarchisch – eine durch und durch amüsante Große Jungen-Nummer.

7. Hairspray

Besser hätte man die John Waters- Reprise gar nicht aufziehen können: Vom Kino auf den Broadway und zurück, mit Schwung, Pepp und mitreißendem Elan inszeniertes Musical, bei dem ein bestens aufgelegtes Ensemble alles gibt. Michelle Pfeiffers großartiges Comeback, wunderbare Songs und Ohrwürmer, ja selbst John Travoltas unwürdigen Divine-Verschnitt verschmerzt man nur zu gern – der unangefochtene Gute-Laune-Film des Jahres.

6. The Simpsons-Movie

Auf der großen Leinwand haben sie nichts von ihrem Charme verloren – im Gegenteil trifft die gelbste Familie der Mediengeschichte auch in Scope jeden Ton: Ein in alle Richtungen austeilender, erstaunlich funktional gestrickter und unfassbar komischer erster Kinoauftritt der Simpsons. In jeder Hinsicht brillant.

5. Letters from Iwo Jima

Unabhängig jeder ambitionierten Heran- gehensweise, jeder Notwendigkeit, jeden Mutes Eastwoods, ist sein zweites Filmsegment nach "Flags of our Fathers" nicht nur die meisterliche Umkehr jahrzehntelanger Mythenverklärung, zu der auch bzw. vor allem das Kino beigetragen hat, sondern auch einer der, wenn nicht sogar der eindrucksvollste Antikriegsfilm aller Zeiten. Höchst einfühlsam inszeniert und ohne jegliche Polemik.

4. Zodiac

David Fincher ist zurück, auch wenn er nie wirklich weg war. "Zodiac" ist womöglich sein bislang reifster Film, unglaublich dicht inszeniert, höchst atmosphärisch und fesselnd. Ohne visuelle Eitelkeiten, verspielte Gimmicks und Selbstzweck auf die Leinwand gebracht, unglaublich spannend und konzentriert: Der beste Thriller des Jahres.

3. Spider-Man 3

Sam Raimis unterschätzter Comicstrip: Eine mitreißende, elegant zwischen dezent und too much ausbalancierte Geschichte vom Erwachsenwerden, mit viel Gefühl, Melancholie und dem richtigen Gespür für die Vorlage erzählt. Selbst die dramaturgischen Schnitzer können den Wohlfühl-Charakter des besten Spiderman-Films nicht schmälern – einfach großartig.

2. Pan’s Labyrinth

…habe ich zwar schon im letzten Jahr gesehen, darf jetzt aber in der Endauswertung Platz finden. Eine wunderschöne Märchenfabel, die nicht nur ganz neue Genreansätze offenbart, sondern auch das Wesen der Fantasy zu ergründen versucht. Wunderbar gefilmt, poetisch erzählt und großartig in Szene gesetzt. Einer der wenigen Filme des Jahres, die das Zeug zum Instant Classic haben.

1. Auf der anderen Seite

Ein deutscher Autorenfilm auf Platz 1, das ist keine leichtfällige Entscheidung. Fatih Akins letzte Regiearbeit ist ein ungeheuer komplexes Werk, eine episodische Verflechtung kleiner und großer Themen über das Suchen nach Liebe, über zwischenmenschliche Begeg- nungen, Tod und Verlust, Migration, Immigration, Globalisierung, den Clash der Kulturen. Das alles eingewoben in eine höchst sorgfältige Gesamtstruktur, die sich trotz ihrer Konstruktion nie selbst ausstellt. Brillant besetzt, kongenial gespielt, meisterlich erzählt – ein zutiefst menschliches, bewegendes Stück Erzählkino. Mit Abstand der beste Film des Jahres.


Die knapp gescheiterten – Runner Ups (7-8/10):

Sunshine, Little Children , Sicko, Flags of our Fathers, Hostel 2, Geliebte Jane, Der Fluch der goldenen Blume, Harry Potter und der Orden des Phönix, Kings of Rock: Tenacious D, No Regret – Ohne Reue, Ratatouille, Von Löwen und Lämmern, Tagebuch eines Skandals

Gehobenes Mittelfeld (6/10):

The Queen, Paris je t’aime, Bridge to Terabithia, Die Fälscher, Robert Altmans Last Radio Show, DunkelBlau FastSchwarz, Shoot ‘Em Up, Disturbia, Abbitte, Eastern Promises

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Drehbücher des Jahres:

10. Die Ermordung des Jesse James…
9. The Simpsons-Movie
8. Tagebuch eines Skandals
7. Abbitte
6. Ratatouille
5. Pan’s Labyrinth
4. Little Children

3. Die Queen
2. Auf der anderen Seite
1. Zodiac

Scores des Jahres:

10. Der Goldene Kompass (Alexandre Desplat)
9. Auf der anderen Seite (Shantel)
8. Dreamgirls (Henry Krieger)
7. Pan’s Labyrinth (Javier Navarrete)
6. Abbitte (Dario Marianelli)
5. Die Ermordung des Jesse James… (Nick Cave)
4. Ratatouille (Michael Giacchino)
3. Geliebte Jane (Adrian Johnston)
2. Hairspray (Marc Shaiman)
1. Gefahr und Begierde (Alexandre Desplat)

Performances des Jahres:

10. Cate Blanchett in: The Good German
9.
James McAvoy in: Abbitte
8. Kurt Russell in: Death Proof
7. Jake Gyllenhaal in: Zodiac
6. Judi Dench in: Tagebuch eines Skandals
5. Jennifer Hudson in: Dreamgirls
4. Hanna Schygulla in: Auf der anderen Seite
3. Casey Affleck in: Die Ermordung des Jesse James…
2. Michelle Pfeiffer in: Hairspray
1. Helen Mirren in: Die Queen

Szenen des Jahres:

10. Jaws (Little Children)
9. Mann über Bord (Flags of our Fathers)

8. Okklumentikalarm (Harry Potter und der Orden des Phönix)
7. The Omen-Zitat (Hot Fuzz)
6. Cannes-Preisverleihung (Mr. Bean macht Ferien)
5. Meeresblick (Auf der anderen Seite)
4. Duell im Scherzartikelladen (Hairspray)
3. Kritikerrede (Ratatouille)
2. Schnipp Schnapp und ab (Hostel 2)
1. Saunakampf (Eastern Promises)

Special Effects des Jahres:

10. Letters from Iwo Jima
9. 300
8. Zodiac
7. Pans Labyrinth
6. Hostel 2

5. Stirb Langsam 4.0
4. Spider-Man 3
3. Sunshine
2. Ratatouille
1. Transformers

Kommentare:

  1. Ich erspare mir einen Kommentar zur Top Ten und stelle lieber eine Frage zu den Szenen des Jahres: Was ist denn am "Okklumentikalarm" so toll? Ich fand, wie Rudi in seiner Rezension sehr treffend beschrieben hat, dass die Okklumentiklektionen regelrecht verschenkt worden sind.

    Ansonsten kann ich (soweit gesehen) in den einzelnen Unterkategorien überwiegend zustimmen. Auf die allseits angepriesene Saunaszene freue ich mich schon ungemein ;-) Morgen werde ich dann wohl in den Genuss kommen...

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  2. Die Okklumentikszene hatte für mich als Potter-nur-Kino-Gernhaber eine magische Dimension, ich bekam richtige Gänsehaut. Und mein Faible für Alan Rickman könnte da auch was mit zu tun haben. ;)

    Immer noch besser, als den selbstgefälligen Autocrash in DEATH PROOF zu benennen. *g*

    (*an Cronenbergs CRASH denk und wie man's richtig macht*)

    Wenn man jetzt schon so angeteast ist auf die Saunegeschichte, wird sie wohl enttäuschen.

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  3. Rajko, Rajko, Rajko - der Fehler liegt im Detail, denn DREAMGIRLS liegt mit 75% vor JESSE JAMES, der 80% erhielt. Auch LETTERS schiebt sich mit 85% vor die SIMPSONS mit 90% - nun? :D

    DREAMGIRLS und SIMPSONS haben meiner eigenen Ansicht nach nichts verloren in den Top-10, mit dem Rest kann man sicherlich leben.

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  4. Klasse Rückblick! Hätte zwar überall ein paar Korrekturen vorgenommen, z.b. die beiden Musicals in den Top-10 mit "Das Bourne Ultimatum" und "Ratatouille" getauscht, aber ansonsten Zustimmung. 'Ne Flop-10 Liste wär aber auch interessant gewesen. *g* 3:10 to Yuma fehlt mir da auch noch irgendwie. Russel Crows Darstellung in dem Film würde ich auf jeden Fall noch in die Liste "Performances des Jahres" packen, sowie den Score von "Das Bourne Ultimatum" zu den Scores.

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  5. welches Omen-Zitat bei Hot Fuzz?! Hab ich da was verpasst?

    Aber sonst ist doch soweit alles in Ordnung. Weitermachen:-)

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  6. @TheRudi:

    An den Wertungen kann man das so genau nicht ausmachen, da bei der Jahres-Top10 die persönlichen über die "objektiven" Gesichtspunkte siegen. DREAMGIRLS ist gegenüber JESSE JAMES also z.B. der etwas schwächere Film, hat mir aber doch persönlich noch einen Tick mehr gegeben.

    @st1nr:

    BOURNE habe ich ja leider, LEIDER noch nicht gesehen, wohl wissend, dass der nur gut sein kann. RATATOUILLE mochte ich, aber der hatte doch einige eklatante Schwächen und punktet dafür in den Unterkategorien.

    3:10 YUMA interessiert mich ehrlich gesagt nicht die Bohne, vor allem wegen Crowe und Bale. Eine Flop-Liste kommt übrigens noch, so wie letztes Jahr auch.

    @j.m.k.:

    Die Kirchenspitze zur Goldsmithschen Orgelmusik. ;)

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  7. So, es ist doch noch passiert. Meine persönliche Top 5 2007 wurde durch die Sichtung eines kleinen Meisterwerks anfang 2008 nun doch noch durchgewirbelt. ZODIAC ist somit bei mir offizell auf Platz 3, und trotz meiner Abneigung gegenüber Fincher kann ich nur meinen Hut ziehen. Wieso weshalb warum? Später...

    Chapeau!

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  8. Dann ist ja Hopfen und Malz noch nicht verloren bei dir. Obwohl: Da nähern wir uns schon wieder an bei moviepilot. *grummel*

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  9. Nee, es sind leider immer noch nur 88% :(

    Ich arbeite dran und befasse mich jetzt mit Waters und ich habe das gewisse Gefühl, dass ich den gaaaanz toll finde ;)

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  10. Sein Frühwerk bestimmt nicht. Da fehlen dir Identifikationsangebote und Unterhaltungsfaktoren. ;)

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