November 25, 2007

Retro: THE STAR WARS HOLIDAY SPECIAL (1978)

Es dürfte das mit Abstand meistverbreitete Bootleg in den Weiten des World Wide Web sein, denn nach der einmaligen Ausstrahlung im Spätherbst 1978 auf NBC erblickte das "Star Wars Holiday Special" nie wieder das Licht der Welt. Keine einzige Wiederholung wurde gesendet, keine einzige legale Veröffentlichung hat es gegeben. George Lucas, in den Credits nicht einmal erwähnt, aber für die Geschichte des TV-Specials verantwortlich, leugnet mittlerweile sogar, dass es überhaupt existiert!

Als Fan-Relikt ist diese eineinhalbstündige Show selbstredend über jeden Zweifel erhaben. Was uns, abgesehen von Sir Alec Guinness, die komplette Hauptbesetzung des ersten "Star Wars"-Films hier vor – und so talentierte Leute wie Steve Binder oder Stan Winston hinter der Kamera präsentieren, ist sicherlich nicht weniger als das schrägste, schlechteste und gleichzeitig liebenswürdigste Kuriosum innerhalb des "Star Wars"-Imperiums. Diese bizarre Mischung aus Live Action-Entertainment, Musical-Kitsch, Sci-Fi-Soap und Zeichen- trick spielt qualitativ in einer so derart weit, weit entfernten Galaxis, dass jede Negation seiner Produzenten nur konsequent erscheint. Doch das "Star Wars Holiday Special" sollte in seiner unbeholfenen Art nicht unterschätzt werden: Das sind 90 absurde Minuten, die man nicht missen möchte.

Ausgangspunkt des Specials ist das gemütliche Heim einer Wookie-Familie, nein, DER Wookie-Familie: Chewbaccas kleiner dicker Sohn (?), seine Ehefrau (?) und der werte Großvater (ohne Fragezeichen) sitzen hier beisammen, backen Wookie-Kekse, spielen virtuelle Holo-Games und warten auf die Ankunft ihres zotteligen Freundes (remember: "Will someone get this big walking carpet out of my way?"). Der befindet sich jedoch noch inmitten tumber Sternenduelle, gemeinsam mit Partner Han Solo. Die eingestreuten Sequenzen des Originalfilms werden durch extra gedrehte Einstellungen ergänzt, in denen Harrison Ford und Peter Mayhew im Cockpit sitzen und etwas angestrengt hin- und herwackeln.

Um sich die Wartezeit zu verkürzen, schaltet die Wookie-Familie wahlweise rüber zu Luke Skywalker, der mit R2 gerade an irgendetwas herumrepariert und wie irre in die Kamera starrt (man muss Mark Hamills Make-Up gesehen haben, um es zu glauben), zu Prinzessin Leia, die sich mit C3P0 ein paar schöne Stunden macht, oder zu einigen der anderen Figuren, die speziell für die Show ‚entwickelt’ wurden. Überraschenderweise aber klopfen auch noch imperiale Befehlshaber und Sturmtruppen an die Wookie-Tür und fordern die Herausgabe wichtiger Informationen der Allianz. Stattdessen jedoch vergnügen sich Vaders Gehilfen erst einmal mit dem Musikvideo "Light the Sky on Fire" von Jefferson Starship, einer mindestens so deplatzierten wie komischen Synthie-Combo. Das ist im Übrigen weniger Schleichwerbung als so manch andere dezente Utensilien, z.B. eine Bantha-Stoffpuppe, mit der Chewies Sohn ganz aufgeregt spielt.

Dass vieles von dem, was hier gezeigt wird, auch ein wenig dem offiziellen ‚SW-Canon’ widerspricht, ist noch das geringste Problem. Vielmehr verwirrt, dass Chewies Familie auf Kashyyyk in Baumhäusern wohnt, die eher an die heimischen Gefilde der Ewoks erinnern, denn an die viele Jahre später in "Episode III" vorgestellte Heimat der Wookies, auch wenn das vor allem hinter die Tatsache tritt, dass alle Außenansichten des Spielorts stets gezeichnet sind! Für mittelschwere Lachkrämpfe dürften darüber hinaus die Tätigkeiten der Familie sorgen: Die Hausfrau, die als solche nur ihrer Küchenschürze wegen zu erkennen ist (stimmlich unterscheidet sie sich indes nicht von ihren männlichen Artgenossen), schaut sich hysterische Kochprogramme an, die von einem seltsamen, vierarmigen Transvestiten moderiert wird. Ihre Begrüßung mit Chewie fällt ebenfalls recht komisch aus (ein bemühter Kuss klappt nicht recht und so muss eine Umarmung genügen) und überhaupt ist die ganze Asexualität des "Star Wars"-Universums hier in seltsam biedere, aber nicht minder witzige Verhältnisse gerückt.

Interessant fällt natürlich die eingeschobene Comicpassage aus. Boba Fetts erster Auftritt verleiht dem "Star Wars Holiday Special" in gewisser Hinsicht auch eine ernsthafte Legitimation (also auf Nerd-Ansprüche übertragen), und die eigenwillige Zeichnung hat zweifellos auch was für sich, insbesondere im Vergleich zu "Clone Wars". Weiterhin gibt es auch einige deleted scenes aus "Episode IV" zu sehen, zwar nur unbedeutende Zusatzaufnahmen aus Mos Eisley, aber für den geneigten Fan ist das wahres Gold. Die Episode in der Bar wartet mit einigen bekannten Gesichtern auf, die allerdings ungleich schlechter zurechtgemacht sind als im Film. Die Sinnlosigkeit der Szene mal außen vor gelassen, weiß die Musicalnummer der Bardame Ackmena sogar zu gefallen, vor allem da Fernsehkomponist Ian Fraser hier das berühmte Williams-Cantina-Motiv variiert (wenngleich die gesamte Musik der Show wie die von einem Billigorchester interpretierte Version des Originalscores klingt).

Da Han und Chewie das vertraute Heim schließlich doch noch erreichen und die Wookie-Familie somit wieder vereint ist, darf schlussendlich sogar noch meditiert werden (oder so etwas ähnliches zumindest). Das mündet in den letzten Einstel- lungen, die alle Beteiligten noch einmal vereinen. Was dann folgt, ist eine hoffnungslos überkandidelte, aber trotz aller Banalität und ungewollten Selbstparodie auch sehr schöne Gesangseinlage von Carrie Fisher zu der Musik des obligatorischen Titelthemas. Und mit ihrer doch beachtlichen Stimme erinnert sie in der Tat an ihre Mutter, der wunderbaren Debbie Reynolds aus "Singin’ In The Rain". Deshalb sei ganz ironiefrei gesagt: Das "Star Wars Holiday Special" lässt sich nicht in Punktbewertungen fassen, es ist nie und nimmer das, was es sein sollte und wollte, aber wer braucht all die offiziellen und inoffiziellen "Star Wars"- Ableger, wenn die Serie das beste Trash-Ripp-Off gleich selbst liefert?!


Kommentare:

  1. Asexualität? Immerhin guckt sich Opa Wookie einen Virtual Reality Porno an und gibt dabei ziemlich widerliche Stöhnlaute von sich... Interspecies Sexuality. *würg*

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  2. Entweder habe ich diesen Moment vergessen oder das war die Stelle, bei der ich kurz eingepennt war. ;)

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