Oktober 16, 2007

Kino: THE INVASION

Eine Szene in "The Invasion" ist besonders gelungen: Daniel Craig steht bei morgendlichem Sonnenschein in der Küche, bereitet in der Pfanne das brutzelnde Frühstück zu und macht der soeben erwachten Nicole Kidman als knuddeliger Hausmann schöne Augen. James Bond persönlich also kocht Essen, bringt das Kindlein zur Schule und managt selbstlos das Alltagsgeschehen. Dieses Bild besitzt ein gewisses etwas, eine Harmonie des Augenblicks, ein kurzer Ruhemoment in einem ansonsten ganz aufgeregt schnellen Film, wo eine außerirdische Macht sich in die Köpfe ahnungsloser Mitbürger einschleicht, um sie zu willenlosen Zombies mutieren zu lassen.

Don Siegel, Philip Kaufman und Abel Ferrara haben das bereits alle schon einmal erzählt, der Stoff selbst ist sogar noch weitaus älter als die erste Verfilmung, und so allgemein, universell und unspezifisch, dass er noch zahlreiche andere Variationen vorher und nachher, offiziell und inoffiziell erfuhr. Siegels 1956-Version ist sicher noch immer die eleganteste, die ursprünglichste; ein klassisches Kabinettstückchen in harten Kontrasten, mit wüster Logik und noch wüsteren Schauspielern besetzt. Aber selbst dieser Horror- und/oder Science Fiction-Klassiker muss ohne den smarten, blauäugigen und mit wunderbar britischem Englisch murmelnden Daniel Craig beim Frühstückmachen auskommen. Und ganz sicher ist das weniger Verlust, als es für die vierte Filmfassung des "Body Snatchers"-Stoffes einen Gewinn bedeutet: Denn abgesehen von den wenigen Craig-Auftritten und der hübsch soliden Kidman ist da ein gar scheußlich unbedeutender Film bei rumgekommen.

Dirigiert hat das Szenario der deutsche Oliver Hirschbiegel, der aus Hamburg, Regisseur von "Das Experiment" und "Der Untergang". Die haben Anklang gefunden, einige wichtige und viele unwichtige Preise gewonnen, und letzterer wurde für den Oscar nominiert. Hitler als Karikatur auf Messers Schneide, zwischen Größenwahn und menschelnder Empathie, vorgetragen mit bühnenhaftem Eifer von Bruno Ganz - das hat den Amerikanern gefallen. Hirschbiegels erster Hollywoodstoff ist gemessen am Brimborium um seinen Vorgänger eine eher undankbare Aufgabe, immerhin das Remake eines Remakes eines Remakes eines Remakes. Dass Siegels Original gern als Politparabel auf das zerrüttelte McCarthy-Amerika der 50er-Jahre verstanden wird, hat da vielleicht eine Rolle gespielt. Immerhin könnte ein deutscher profilierter Filmemacher aus dem Stoff nun so etwas wie eine zeitlich beschränkte Update-Metapher für die Politik einer gesellschaftlichen Gleichschaltung in der Bush-Ära basteln, das hätte doch Schmackes.

Hirschbiegel bekommt derartiges nicht hin, das wollte er womöglich auch nicht. Was er wiederum überhaupt im Sinn hatte, verrät der Film zwar auch nicht, es scheint aber immerhin seine bislang beste Arbeit zu sein: "The Invasion" nämlich ist weder so homophob, grotesk und weltfremd wie "Das Experiment", noch so verlogen, redselig und theatralisch wie "Der Untergang", vor allem aber geht ihm erfreulicherweise ein wenig die teutonische Steife verloren. Er ist letztlich lediglich schlecht inszeniert und bemerkenswert langweilig, das nun wenigstens. Es passiert viel und eigentlich doch gar nichts, der Reiz der Geschichte ist mittlerweile ohnehin relativem Unbelangen gewichen und irgendwo dazwischen rennt auch noch eine aufgebrachte Nicole Kidman umher, um ihren dümmlich grinsenden Sohn vor ausgebrannten Hirntoten zu retten.

Da passt nicht eine Szene an die nächste, wird wild von einem Schauplatz zum nächsten geschnitten und kommt zu keinem Zeitpunkt Spannung, Atmosphäre, ja wenigstens ungefähr so ein Gefühl der Bedrohung, der Paranoia, des Unbehagens auf, so wie es selbst noch Ferrara 1994 hinbekommen hatte. Waren die unschlüssigen Erklärungen und die mangelnde innere Logik des Originaldrehbuchs schon einst diskussionswert, so tun sich angesichts der enormen Plotholes in "The Invasion" gänzlich neue Abgründe auf. Teilweise wirkt der Film wie auseinander genommen und später falsch zusammengesetzt, ganze Figuren verschwinden irgendwann sang- und klanglos, andere wiederum tauchen aus dem Nichts auf. Die Inszenierung schwankt zwischen Sci-Fi-Thriller und Familiendrama, entwickelt nie einen eigenen Stil oder lässt irgendeine Handschrift ihres Regisseurs vermuten (womit nicht unterstellt werden soll, dass dieser eine besäße). Mitunter sind die Handlungssprünge so absurd, dass nur noch die Frage nach der Motivation des ganzen den Zuschauer vor hysterischem Gelächter bewahrt.

Bedauerlicherweise kann man Hirschbiegel für das Desaster nicht einmal gänzlich zur Verantwortung ziehen. Seine ursprüngliche Version soll Warners Produzentenabteilung derart in Aufruhr versetzt haben, dass diese erst radikale Änderungen vornahm und schließlich sogar Nachdrehs unter Ausführung von James McTeigue ("V for Vendetta") in Auftrag gab. Das konfuse Finale scheint dabei gänzlich erneuert worden zu sein, hat mit dem Rest des Films allerdings auch nicht mehr viel zu tun. Kidman und Craig verlagern dann ihre bis dato eindrucksvolle Lustlosigkeit hin zu sichtlicher Verärgerung und starker Genervtheit, werden das ganze aber womöglich als primitive Probenarbeit für ihr gleich danach folgendes Abenteuer "The Golden Compass" abgeschrieben haben. So hätte "The Invasion" ja womöglich doch noch etwas halbwegs Nützliches gebracht – denn sicherlich wäre er auch in Hirschbiegels eigentlicher Fassung kein guter, zumindest aber vielleicht halbwegs erträglicher Film geworden.


30% - erscheint bei: Wicked-Vision

Kommentare:

  1. Oha, freue mich dennoch zumindest etwas auf den Film (vielleicht auch, weil ich keines der Remakes bisher gesehen habe). Aber meine eigentliche Frage ist etwas OT: Wo ist DAS EXPERIMENT, den ich übrigens für einen der wenigen guten deutschen Filme der letzten Jahre halte, homophob...?

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  2. Schon als ich den Trailer gesehen habe, dachte ich mir: Das wird Schund. Irgendwie muss ich bei diesem "Invasoren"-Thema immer an irgendwelche billigen TV-Produktionen denken ... gab es denn schon mal irgendeine gute Verfilmung dieses Themas? Also nicht sowas wie E.T. sondern Filme in denen Menschen zu Invasoren werden. .... hey, ich vergaß "Sie Leben" :D

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  3. Es ist einfach zum heulen. Dieses Jahr noch kein ordentlicher Sci-Fi Knaller.

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  4. Ich konnte ja dem Experiment durchaus was abgewinnen, zumindest der Idee her. Schade schade was die Weinsteins aus Invasion gemacht haben...

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  5. @Cleric:

    Das kann ich dir gar nicht sagen, mir gefällt nur das Wort so gut.

    @anonym:

    The Thing, Puppet Masters, Night of the Creeps...

    @tumulder:

    Sunshine?

    @TheRudi:

    Idee ist das eine, Umsetzung das andere. Aber die Weinsteins haben ja auch HALLOWEEN noch schlechter hinbekommen, als er es womöglich sonst hätte sein müssen.

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  6. @Cleric:

    Das kann ich dir gar nicht sagen, mir gefällt nur das Wort so gut.


    Im Ernst? :D :P

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  7. Mr. Hankey17/10/07 16:45

    Aber die Weinsteins haben ja auch HALLOWEEN noch schlechter hinbekommen, als er es womöglich sonst hätte sein müssen.

    Das glaub ich nicht! ;)


    Und was "Das Experiment" angeht, naja, solange du mir nicht eine ordentliche Kritik zu diesem Film bietest, in der du mir erklärst, was an diesem genialen deutschen Film so schlecht sein soll, bleib ich bei meinen 10/10! ;)

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  8. Sunshine an den habe ich schon gar nicht mehr gedacht. Stimmt, der war wirklich nett.

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  9. Mr. Hankey22/4/09 14:03

    Habe den nun gestern gesehen und kann nun nur zustimmen. Mag ja Hirschbiegels Werke sonst, aber das was er hier abgeliefert hat ist wirklich der hinterletzte Mist. (was aber auch mit an den Produzenten liegt) Schnarchlahm, innovationslos, dürftig inszeniert und schrecklich geschauspielert. Hab die letzten 30 Minuten verpennt und bin gar nicht scharf darauf sie noch zu sehen. Das bisher gesehene kriegt bei mir ebenfalls 30%. Soll McKenzie seinen Spaß daran haben! ;)

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