Januar 06, 2007

DVD: BULLFIGHTER (2000)

Was kann schon schief gehen, wenn man eine mit der elegischen Musik von Vince Clarke (Depeche Mode-Gründer und kreative Hälfte des Erasure-Duos) unterlegte Western-Ballade über Outlaws irgendwo in der staubigen Wüste vorträgt, die zudem mit so brillanten Schauspielern wie Willem Dafoe oder Michael Parks aufwartet und darüber hinaus durch die Genre-Größen Robert Rodriguez und Guillermo Del Toro gefördert scheint? Die Antwort ist leider ernüchternd: Ausnahmslos alles. Denn "Bullfighter", hierzulande mit dem bemüht geschickten Untertitel "Irgendwo in Mexiko" versehen, um auf die vermeintliche Nähe zum Rodriguez-Hit "Irgendwann in Mexiko" zu verweisen, stößt in neue Dimensionen des Unerträglichen vor – Schlechtigkeit mit neuem Antlitz und eigentlich doch so alter Prämisse: Hauptsache cool und gestylt, ein paar Shoot-Outs hier und da, und ganz viel schludrige Dialoge sollen verzweifelt den nächsten Kultfilm imitieren.

Doch tatsächlich ist der von Rune Bendixen, ehemals Mitglied der dänischen Band The Overlords, inszenierte Film nicht einfach nur uninteressant, nicht lediglich schlecht übernommenes Videothekenfutter oder post-postmodernes Geplänkel im Stile eines "The Boondock Saints", sondern schlicht und ergreifend – wenn diese persönliche Note gestattet sei – der langweiligste Film, den ich jemals gesehen habe. Das ist zweifellos eng mit dem zerknitterten Notizblock, den man am Set wohl Drehbuch benannt haben dürfte, verbunden: Denn man stelle sich bitte vor, ein dahergelaufener Franzose irrt, nachdem seine Freundin durch einen Stier ums Leben kam (!), als sich beide des Nachts in einer Arena vergnügten (!!), quer durch Mexiko, um nicht in die Fänge jenes erzürnten Vaters zu gelangen (dem fortan das tote Töchterchen erscheint), der nun Rache an deren Freund üben will. Dabei trifft er auf eine schöne Frau, die ihm bei der ziellosen Odyssee als Fahrerin behilflich ist.

Nun muss erwähnt werden, dass diese junge Schönheit Mary heißt, denn ihr namentlicher Ursprung verweist nicht zufällig auf die heilige Maria: Jacques, geplagt durch Visionen, muss unverhofft seinen Josef stehen und die werte Frau schwängern. Die Geburtswehen setzen allerdings bereits nach zwei Tagen ein (!!!), sodass nur noch wenig Zeit bleibt, die Erde zu retten (oder so ähnlich) und den dämonischen Ausgesandten Satans zu eliminieren. Im Übrigen meint der Film das alles durchaus ernst, da suchen Trashfreunde vergeblich nach dem ironischen Augenzwinkern. Nur dazu ist dieser komplett uninspirierte Schwachsinn auch noch dilettantisch inszeniert, Bendixen hat keinen blassen Schimmer von Timing, seine Schnitte sind unrhythmisch und stillos, die Bilder katastrophal komponiert. Unsäglich auch die Dialoge und Darstellung derer, sie sie sprechen dürfen (müssen?), von katastrophalem Over-Acting, das nur mit der Einnahme illegaler Substanzen erklärt werden kann, gar nicht zu reden (Willem Dafoes Worte in den Interviewschnipseln auf der DVD werden als ewiges Mysterium in die Annalen der Bonusmaterial-Geschichte eingehen).

Und so ist dieser Film eine reine Zumutung, eine bodenlose Frechheit, eine Ansammlung von Abschaum, Dreck und Schrott, einfach so grauenhaft dumm, so grundlos blöd, sinnlos und bekloppt, so hanebüchen, irrational und armselig, dass jeder gesunde Mensch einen großen Bogen darum machen sollte. "Bullfighter" ist nichts weiter als gewaltiger Bullshit.

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