Mai 31, 2006

Kino: THE WILD

Harmloser und freundlicher Familienspaß, der mit rund 80 Minuten Spielzeit relativ kurzweilig unterhalten kann. An die Filme aus der Pixar-Schmiede reicht der von Disney produzierte „Tierisch wild“ ebenso wie die Dreamworks-Abenteuer sowohl inhaltlich als auch formal nicht heran. Die Nähe zum Kinohit "Madagascar" ist nicht zu übersehen, allerdings soll das Drehbuch bereits vor mehreren Jahren verfasst worden sein, was ich an dieser Stelle nicht nachvollziehen und somit unbeurteilt lassen will. Der Stil beider Filme ist grundlegend anders, da in diesem Fall viel Wert auf eine naturalistische Animation gelegt wurde, die jedoch oftmals inkonsequent durchbrochen wird.

Trotz wunderbar naiver Komik und vielen gelungenen Gags muss dem Script konstatiert werden, eine austauschbare und unspektakuläre Geschichte aufblasen zu wollen, dabei jedoch den Fehler zu begehen, die Nebencharaktere bewusster auszubauen als eben die Hauptfiguren - ein Umstand, mit dem der auf sie zugeschnittene Plot stets zu kämpfen hat. Da sich in der Idee ohnehin nicht besonders viel Potential verbirgt, ist es besonders schade, dass der Film im Gegensatz zu anderen Animationsproduktionen doch relativ deutlich auf ein junges Publikum zugeschnitten ist.

Wertung: 5/10 - Kinostart: 01.06.06

Mai 30, 2006

Kino: THE SENTINEL

Das war nix. „The Sentinel“ ist ein äußerst dröge inszenierter, gänzlich unorigineller Thriller, der mit seiner konventionellen Thematik nicht nur etwa 15 Jahre zu spät daherkommt, sondern den ausgelutschten Plot mit reichlich neuzeitlichem Firlefanz zu garnieren versucht. Was beim Fernsehformat „24“ noch eindrucksvoll gelingen mag, verkommt auf der großen Leinwand trotz Kiefer Sutherland (der sich wohl nicht ganz zufällig hierein verirrte) zum billig uninspirierten 08/15-Krimi. Dabei mag der Film leidlich unterhaltsam, stellenweise sogar recht spannend daherkommen – doch wenn man „The Fugitive“, „Absolute Power“ oder „The Line of Fire“ kennt, glaubt man sich aufgrund der faden Vorhersehbarkeit förmlich mit fatalistischen Kräften ausgestattet. Den Maßstab eines soliden Copfilms verfehlt „The Sentinel“ aufgrund seiner belanglosen Figuren, die leblos und sichtlich unmotiviert dargestellt werden, den gelangweilten Aktricen wie Eva Longoria und Kim Basinger, die hier wie sexistisches Equipment regelrecht verpuffen und einer schlechten Regie, die spürbar mit der Tatsache zu kämpfen hat, dass es eben gar nicht so leicht ist, die Serienmechanismen von „The Shield“ und Co. für das Kino umzugestalten. Die beiläufigen politischen Einwürfe verkommen zudem aufgrund ihrer Oberflächlichkeit zur trivialen Pose und können das vor Ungereimtheiten strotzende Drehbuch ebenso wenig aufwerten, wie das auf Spannung getrimmte Finale überraschend ist. Bis dahin mag zwar alles in gewohnt konstruierten und – zumindest für ein durchschnittliches Publikum - einigermaßen erträglichen Bahnen verlaufen, doch spätestens gen Ende versinkt der Film förmlich in klischeehaftem Pathos. Und als hätte man es nicht geahnt, erfüllt Michael Douglas als Held und Retter das Schlussbild inklusive dem gewohnten Grinsen, dem Höhepunkt seiner gestischen Fähigkeit. Er ist der Produzent. Natürlich grinst er.

Wertung: 4/10 - Kinostart: 15.06.06

Kino: IMAGINE ME & YOU

"Eine Hochzeit zu Dritt" ist ein weitestgehend unorigineller Beitrag zum englischen Romantic Comedy-Genre. Bis auf die Tatsache, dass es sich um einen Mann und zwei Frauen, statt wie üblich zwei Männer und eine Frau handelt, dümpelt der Film auf gewöhnlichem "Tatsächlich Liebe" oder "Die Hochzeit meines besten Freundes"-Pfad, dabei stets vorhersehbar, abrupt in der Dramaturgie und reichlich zäh. Die wenigen wirklich schönen Momente sind viel zu rar gesät, als dass sie eine nachhaltige Wirkung hervorrufen. Über den „nett“-Faktor kommt der Film deshalb nie hinaus - und selbst dafür reicht es leider nur selten.

Wertung: 4/10 - Kinostart: 25.05.06

Kino: DA VINCI CODE

Abgesehen von der nicht gänzlich unreizvollen, aber oftmals zu albern aufbereiteten Ausgangstheorie läuft die Verfilmung des Bestsellers streng nach Schema F Buch bebildernder Durchschnittlichkeit ab. Das Drehbuch ist gähnend zäh und hangelt sich von einem (Mini)Ereignis zum nächsten (Mini-Mini)Ereignis. Die erste Hälfte geriet dabei trotz formelhaftem Ablauf erstaunlich spannend, doch dann zieht sich „The Da Vinci Code“ mehr schlecht als recht über die viel zu langen 150 Min. Spielzeit. Das völlige Fehlen atmosphärischer Dichte und die sich ermüdend selbst zitierende Berieselungsmusik Hans Zimmers stellen nur zwei der unzähligen Nenner dieses insgesamt gänzlich unspektakulären und unnötig aufgeblasenen Pseudo-Epos' dar.

Tom Hanks (mit seriösen Zotteln) und (der für gewöhnlich großartige) Ian McKellen agieren schwächer als je zuvor, doch im Vergleich zu gestandenen Größen wie Alfred Molina wirken diese weit weniger lustlos, was den Trauerspielcharakter des ganzen jedoch nur geringfügig zu tilgen vermag. „Amelie“-Audrey Tautou glänzt zumindest durch den erfreulichen Verzicht ihres unsagbar anstrengenden Kameragrinsens, während der heimliche Star des Films, Paul Bettany, als Albino im Dienste des Opus Dei, wahrlich erschreckend und suggestiv bestimmte Szenen im Alleingang meistert.

Fazit: Nicht völlig misslungene und in der ersten Hälfte noch fesselnde Adaption, die vom talentfreien Ron Howard aber erwartungsgemäß oberflächlich und bieder inszeniert wurde und mit den üblichen Rückblenden und pseudogewieften Dialogen die Oberfläche glättet. Die spürbar falschen Leute versuchen vergeblich, Dan Browns Mysterium originell auf Zelluloid zu bannen. Jeder, der sich schon einmal einen „James Bond“ oder „Indiana Jones“-Film zu Gemüte geführt hat, dürfte Besseres gewohnt sein.

40%

Kino: SILENT HILL

Das Konami-Spiel „Silent Hill“ sorgte mit einer verhältnismäßig sauber durchdachten Geschichte 1999 weltweit für gruseligen und intensiven Spielgenuss, dem bislang drei Sequels folgten (der fünfte Teil befindet sich in Vorbereitung). Es war tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis man dieses Game auf Zelluloid bannen würde – nicht zuletzt deshalb, weil vielen Fans schon beim Gedanken an eine Umsetzung die Mäuler feucht anlaufen. Nun waren Videospielverfilmungen schon immer eine Sache für sich: Von den kindgerechten „Super Mario Bros.“ (1993), über die reichlich platten „Mortal Kombat“-Teile (1995 und 1997) bis hin zu den wahrlich abenteuerlich drögen „Tomb Raider“-Filmen (2001 und 2003) – sie alle dürften wohl selbst bei hart gesottenen Fans einen etwas faden Geschmack hinterlassen haben. Neben dem Adventure-Genre sind mit „Resident Evil“ (2002 und 2004), Uwe Bolls „House of the Dead“ (2003) und „Alone in the Dark“ (2005) sowie „Doom - Der Film“ (2005) auch berühmte Survivalhorrorgames bzw. Shooter verfilmt worden, die jedoch ebenfalls letztlich alle daran scheitern, dass ein Videospiel nun einmal schlichtweg nahezu unmöglich adäquat umzusetzen ist. „Silent Hill“ bildet da keine Ausnahme, sondern unter den Major-Verfilmungen sogar einen gewissen Tiefpunkt.

Der französische Regisseur Christophe Gans ist dabei keine allzu schlechte Wahl, ist er durch seine ästhetisch glanzvollen, aber inhaltlich eher mauen Werke wie „Crying Freeman“ (1995) oder „Der Pakt der Wölfe“ (2001) doch bereits prädestiniert für optisch betonte Unterhaltung, über deren tiefere Bedeutung man lieber den Mantel des Schweigens hüllen sollte. Niemand erwartet von einer Videogameverfilmung, dass sie ihren Schwerpunkt inhaltlich ausrichtet und mit einer komplexen und ausgereiften Dramaturgie aufwartet. Roger Avary („Killing Zoe“), der an so meisterlichen Scripts wie „Pulp Fiction“ mitwerkelte, präsentiert mit „Silent Hill“ jedoch ein so grauenhaftes Drehbuch, dass selbst oder gerade eingefleischte Fans darüber aufschrecken werden, wie unoriginell hier die Elemente eines Spiels adaptiert wurden. Avary änderte Vater Harry Mason für den Film zu einer Frau ab, die auf der Suche nach ihrer Tochter nach und nach hinter das Geheimnis der Kleinstadt kommt, während bekannte Figuren wie die Polizistin Cybil Bennett oder Dhalia unangetastet blieben. Gans dazu: „Wenn man eine so verstörende und Furcht einflößende Geschichte erzählt, muss man eine Art friedlichen Rettungsanker, einen ruhenden Pol mit einbauen. Ich habe mich dazu entschieden, dies dadurch zu erzielen, indem ich viele Frauencharaktere in die Handlung einbaue. Auf diese Weise wird die Geschichte komplexer und zur gleichen Zeit auch zweideutiger.“ Im ersten Drittel kann der Film dabei nicht viel falsch machen: Zwar reichlich seltsam, aber zuweilen ganz nett photographiert werden uns ziemlich hektisch Papa Christopher (Sean Bean, der hier seine Rolle aus „The Dark“ ähnlich blass fortsetzt), Mama Rose (routiniert: Radha „Man on Fire“ Mitchell) und Kindchen Sharon (überzeugend von Jodelle Ferland verkörpert) vorgestellt, um sich dann rasch dem Wesentlichen zu widmen: So befinden wir uns schon nach gut 15 Minuten im verlassenen Städtchen Silent Hill, in dem sich allerhand Kreaturen tummeln und nach dem Leben von Rose trachten. Das Problem: Der Film wird noch knapp zwei Stunden dauern.

So wird eine zumindest anfangs nett konzipierte Spannung schnell von gähnender Langweile abgelöst, die bis zum Finale noch ungeahnte Ausmaße annehmen wird. Immer und immer wieder entkommt die junge Mutter den seltsamen Wesen, die mit diesem durchschaubaren Prinzip vorgestellt und krampfhaft in den Film integriert werden sollen. Wie so oft bei Videospielverfilmungen hangelt sich die Story quasi im wahrsten Sinne des Wortes von Level zu Level und versucht dies dramaturgisch einigermaßen aufzupeppen, um die fehlende Interaktivität eines Films im vergleich zum Game zu ersetzen. Leider ist das ganze gleichermaßen unspektakulär wie zäh, wenn Bughorden schlechter als im 7 Jahre zuvor inszenierten „Die Mumie“ über eine maskuline Polizistin und unfreiwillig toughe Mutter herfallen und der im Game vielleicht bedrohliche Red Pyramid ebenso wie der Janitor zur illustren CGI-Schau verkommen, die weder gruselig, noch brutal anzuschauen ist, auch wenn die Make-Up-Effekte um die Grey Children, Cockroaches und Dark Nurses dabei teilweise noch recht ansehnlich sind. Aus dem 50 Mio. Dollar Budget hätten die VFX-Künstler um Patrick Tatopoulos („Underworld“) aber sicherlich noch wesentlich mehr herausholen können, auch wenn der durchgehend ungeschickte Einsatz der Monster natürlich dem schlechten Script zuzuschreiben ist. „Wir hielten uns sehr eng an die Vorlagen aus dem Spiel, aber ich wollte, was die Proportionen und die Eleganz der Figuren betrifft, etwas variieren“, erklärt Tatopoulos in diesem Zusammenhang. „Es ist ganz einfach: Schön ist nicht gleich hübsch. Wenn das Design die Eleganz der Kreatur widerspiegelt, aber auch zu einem gewissen Grad menschenähnlich wirkt, ist die Wirkung dieses Wesens wirklich hypnotisierend.“

„Silent Hill“ demonstriert auch abermals, dass es keineswegs ein leichtes ist, ein Videospiel fürs Kino zu adaptieren und darüber hinaus ein fundamentaler Unterschied zwischen einer Vorlage wie Buch oder Bühnenstück und eben einem Game besteht. Denn wo man beispielsweise im Literaturbereich im Laufe des Entstehungsprozesses kürzen und verdichten muss, gilt es hier kinogerechte Elemente hinzuzufügen, um in erster Linie ein einigermaßen stabiles Storygerüst zu entwerfen. Wie schon erwähnt liegt dabei aber das Problem: Ein Videospiel bezieht seinen Reiz nicht nur daraus, in eine Welt eintauchen zu können, sondern eben diese auch weitestgehend zu beeinflussen. Ein vorgefertigter Film kann da im Gegenzug nur berieseln – und dafür genügt das meist sehr dünne Potential vieler Games, wenn man den Spielcharakter subtrahiert, nicht, basiert doch die überwiegende Mehrheit aller Videospiele schon (mehr oder weniger) auf Filmstoffen. Gerade die Serien „Resident Evil“ oder „Silent Hill“ sind primär von den Romeroesken Zombiefilmen beeinflusst, garniert mit diversen Science-Fiction und Western-Zutaten - somit sind die Kinoadaptionen quasi inspiriert vom bereits Inspirierten. Dieser Tatsache sind oder werden sich die Verantwortlichen des Films sicherlich bewusst und versuchen diese Diskrepanz krampfhaft zu umschiffen: So wechselt Avary nach gut zwei Dritteln ähnlich hastig und unnuanciert wie zu Beginn die Erzählweise und baut auf Flashbacks, die eine Storywende in Richtung mystische Inquisitions- und Hexenkultthematik herbeiführen sollen. Das alles gerät derart konfus und produziert, vor allem aber so langatmig und dahinsiechend, dass sich ein richtig gehend ärgerliches Gefühl breit macht: Wo man einfach nur gut unterhalten werden möchte, wollen Gans/Avary komplexen Horror mit Fantasy und Dramatik mischen.

„Ist es ein Beziehungsdrama? Ist es Science Fiction? Ist es spannungsgeladener Horror? Ist es eine Endzeitsaga? Was Christophe da geschaffen hat, ist eine absolute Neuheit auf der Leinwand. ‚Silent Hill’ kann nicht in irgendeine Genre-Schublade gesteckt werden, der Film hat seine eigene Kategorie geschaffen.“, erklärt Autor Avary. Dass hier jedoch Einfallslosigkeit zu Vielfalt erklärt werden möchte, ist allzu offensichtlich, denn „Silent Hill“ ist nicht mehr als ein unausgegorenes Switchen der Genreelemente, die kein stimmiges Ganzes ergeben wollen, sondern nur für reichlich Wirrwarr sorgen und in einem wirklich superb schlechten Finale kulminieren. „Die Idee, dass wir mit diesem Film viele verschiedene zeitliche, räumliche und manchmal sogar metaphysische Dimensionen erforschen konnten, gefiel mir besonders gut“, so Gans – Am wahrscheinlichsten ist angesichts solcher Statements eher, dass die Beteiligten einfach auch selbst in einer dieser Dimensionen verloren gegangen sind. Da hilft es auch nicht, dass der Film atmosphärisch stellenweise an die Spielvorlage erinnert und sich in seinen Kamerabewegungen daran orientiert: Optischer Firlefanz ist das eine, ein belangloser und völlig spannungsfreier Inhalt das andere. Schlecht geschrieben, schlecht inszeniert und eigentlich schon wieder vergessen.

3/10

DVD: WOLF CREEK

Mit seinem ersten Spielfilm "Wolf Creek" präsentiert Autor und Regisseur Greg McLean einen erstaunlich gelungenen Horrorfilm aus Down Under, der im Rahmen seiner routinierten Inszenierung mit sicherer Hand das Nervenkostüm strapaziert und zuweilen durchaus spannend zu fesseln vermag. Nach dem britischen Faustschlag "The Descent" beweist abermals ein kleiner Independentfilm, dass guter Survivalhorror mit Backwood- bzw. Outback-Einschlag nicht unbedingt aus den USA stammen muss - so lässt "Wolf Creek" auch Kollegen wie "Wrong Turn" hinter sich.

Die Zahl der Vorbilder mag dabei lang sein: "Hitcher", "Race with the Devil", "The Texas Chainsaw Massacre", sie stehen mehr oder weniger Pate für ein Drehbuch, das die verschiedenen Zutaten – leere Highways, Dead-Ends und wahnsinnige Hillbillys – jedoch recht geschickt kombiniert und zu einem sehr gradlinigen, sich auf das Wesentliche konzentrierenden Genrefilm zu vermischen versteht. "Wolf Creek" ist dabei so erstaunlich simpel, so angenehm ungezwungen, originell zu sein, dass er nie Gefahr läuft, sich zu blamieren und durch vermeintlich logische Strickmuster den vielerorts geforderten Sinn herstellen zu müssen, was dann zumeist ohnehin nach hinten losgeht.

Zunächst einmal lässt sich der Film Zeit, viel Zeit. Und das ist eine wesentliche Stärke. So führen uns die angenehm klischeefreien Hauptdarsteller, die einmal nicht die Sprüche klopfenden Pimps und Bitches darstellen, durch die wenig spektakulären, aber keinesfalls langwierigen ersten zwei Drittel, ohne sich allzu deutlich dem üblichen "Sex, Drugs und so ungeschickt wie möglich verhalten"-Schema zu bedienen. Das ganze soll auf einem wahren Fall basieren, eine Tatsache, die den Film zunächst nicht unbedingt interessanter gestaltet, als er ohnehin schon ist, sich zum erfreulich pessimistischen Ausklang hin jedoch als angenehme Zutat entpuppt. Die weite Einöde der australischen Outbacks und die gleichermaßen wundervollen wie auch gefährlich weiten Landschaften schafft "Wolf Creek" erstaunlich eindrucksvoll einzufangen. Die Atmosphäre erinnert nicht selten an zitierte Vorbilder, mischt diese jedoch im Schlussdrittel mit drastischen Nuancen, die an moderne, ähnliche Vertreter wie den französischen "Haute Tension" erinnern. Der manches Mal etwas zu viel von Filtern durchtränkte Look kaschiert dabei in jeder Minute eindrucksvoll, um was für eine Low Budget-Produktion (Budget unter 1 Mio. Dollar) es sich hierbei eigentlich doch handelt (der Film wurde übrigens auf Video gedreht).

"Wolf Creek" lässt es mit seiner anfangs ruhigen und eleganten Erzählung nicht von ungefähr verhältnismäßig ruhig angehen, wenn Mick Taylor sich plötzlich als durchgedrehter Redneck entpuppt, dann wechselt der Film gekonnt schlagartig das Tempo und reißt den Zuschauer in jenen Strudel aus Gewalt und Ausweglosigkeit, in dem sich fortan auch die Protagonisten befinden. Erfreulicherweise wird dabei nicht auf allzu graphische Details gesetzt, sondern ordnen sich wüste F/X eher einer sadistischen, teils beklemmenden Grundstimmung unter. Dabei spart auch McLean nicht immer mit den etwas ausgelaugten Klischees, die sich insgesamt jedoch in tolerierbaren Gefilden tummeln - denn das Rad wird hier erwartungsgemäß auch nicht neu erfunden. Ein wenig vermisst man das letzte Quintchen stringente Härte, die sich bedrückend breit macht und ein Ende nicht erahnen lässt, die Terroreinschübe im letzten Drittel des Films sind doch etwas zu großzügig gesät, um jene Daueranspannung zu forcieren, die beispielsweise den durchaus vergleichbaren "The Descent" auszeichnete. Hier verlässt sich McLean etwas zu sehr auf solide Konventionen, um den letzten Rest aus einem mehr oder weniger verwöhnten Adrenalin-Publikum herauszukitzeln und dem Motto "The Thrill Is In The Hunt" vollends gerecht zu werden. Ansätze sind diesbezüglich aber reichlich vorhanden: So verfehlt insbesondere die Sniper-Attacke des Killers nicht ihre Wirkung.

Der Film erregte aufgrund seiner im Heimatland tatsächlich brisanten Thematik vom jährlichen, unerklärlichen Verschwinden zahlreicher Menschen bereits vor seiner ersten Aufführung in Australien erstes Aufsehen und verkaufte sich, aufgeblasen auf 35mm, mehrfach in verschiedene Länder (für die US-Auswertung schlugen die Weinstein-Brüder mit Dimension Films zu). Auf dem Sundance-Festival wurde „Wolf Creek“ für den Großen Preis der Jury nominiert, weitere Nominierungen gab es für den Saturn Award, den Empire Award sowie in mehreren Kategorien vom Australian Film Institute. Bislang hat der Streifen weltweit fast 30 Mio. Dollar eingespielt, in vielen Ländern läuft er sogar noch an. Ein berechtigter Erfolg für einen Independentfilm, der vielleicht nicht so gänzlich originell daherkommt und sein Potential auch nie so richtig ausschöpfen will, im Rahmen der Subgenre-Gegebenheiten aber erstaunlich gut funktioniert. Und das ist wohl bemerkt mehr, als einem vielerlei andere Vertreter der postpopulären Abteilung bieten können.

7/10

Willkommen

… in den unergründlichen Sphären unkultivierter Filmreflexion.


Dieser Blog (ein Unwort von einem Wort) wird vorwiegend diverse Filmkritiken aus den Kategorien Kino, DVD und Retro enthalten, die den Leser vor den Heimtücken Werte zersetzender Zelluloidproduktionen bewahren sollen. Da ich in erster Linie bei den Jungens und Mädels von www.wicked-vision.com zu Hause bin, wird es auch „Zweitverwertungen“ meiner bereits dort hingerotzten Reviews geben.

Zu meiner Person: Jung, hübsch, gebildet. Hang zu polemischer Ironie, sowie grenzenloser Selbstüberschätzung. Als Student der Informations- und Sozialwissenschaften schlage ich mich nebenbei als Hobby-Journalist durchs Leben.

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Quelle: eRecht24.de - Rechtsberatung von Anwalt Sören Siebert