November 06, 2006

Kino: WO IST FRED?

Der Trend hat sich auch in der neudeutschen Komödie durchgesetzt – nicht mehr die von "typisch" nationaler Mentalität geprägte Beziehungs- und Milieucomedy all der Doris Dörries, Rainer Kaufmanns oder Helmut Dietls gibt den Ton an, es sind zunehmend amerikanisierte Stoffe, die hierzulande zur Umsetzung gelangen. "Wo ist Fred?" springt beispielhaft auf den Zug der respektlosen Klamotte auf, der mit Filmen wie "There´s Something About Mary" und "Me, Myself and Irene" insbesondere von den Farrelly-Brüdern in den 90ern angetrieben wurde. Dieser Zug mag einst erfolgreich durch die Kinos dieser Welt gefegt sein, in jedem Fall ist er aber längst abgefahren, was Regisseur Anno Saul ("Kebab Conection") dennoch nicht abzuhalten schien, das – bezeichnenderweise aus Hollywood stammende – Drehbuch dieser mit vielen Behindertenwitzchen angereicherten Komödie umzusetzen.

"Aber um gleich allen Nörglern entgegenzuhalten: In unserem Film gibt es keine Witze auf Kosten der Behinderten! Alle Jokes, die gemacht werden, gehen voll auf meine Kosten.", warnt Hauptdarsteller Til Schweiger ("(T)Raumschiff Surprise - Periode 1"), der nach einigen bemühten Versuchen, in den USA Fuß zu fassen, nun wieder endgültig in heimischen Gefilden verweilt, das Publikum vor. Na so was! Da spielt Schweiger in mindestens zwei Dritteln des Films einen vermeintlichen Rollstuhlfahrer, der sich ständig irgendwo blamiert oder mit gekünstelten Gesten voller Verzerrung und undefinierbarer Lautsprache die Lacher auf seiner Seite hat, und möchte die Wirkung dieser Komik nicht als eindeutig auf die preisgegebene Lächerlichkeit der im Film dargestellten Behinderungen verstanden wissen? Das ist schon ein wenig seltsam, verspielt er sich nebenbei das bekanntlich günstige Argument, all diesen Humor als Zeichen einer Gleichwertigkeit zu deuten: Witze auf Kosten aller, das ist doch wahre Toleranz.

Tatsächlich sollte der diskriminierende Tenor des Films nicht überbewertet werden, vieles mag nicht so gemeint sein, wie es letztlich wirkt, und wird auch nicht bis zum bitteren Ende aufrechterhalten. Lustig sind die Momente, in denen Christoph Maria Herbst ("Stromberg") einen leidenschaftlichen Alba-Fan gibt, zuweilen sicherlich durchaus. Doch "Wo ist Fred?" kämpft über seine gesamte Spielzeit hinweg mit dem einen Problem: Dieser Stoff ist nicht nur wesentlich zu amerikanisch, er wird auch inkonsequent umgesetzt. Die deutschen Stammgesichter wirken angestrengt, beim dynamischen Geschehen mithalten zu können. Die erwähnten Klischees können leider kaum entwertet, sondern lediglich reproduziert werden, im Berliner Spielraum sind die bekannten Slapsticknummern nichts weiter als Fremdkörper, die durch fetzige Popnummern unterlegt lediglich übertriebene Effekte suchen.

Mit Blick auf die US-Konkurrenz ist das ganze allerdings in der Tat auf dem aktuellen Stand der Komödiendramaturgie: Da wird erst tief in die Kiste obszönen Humors gegriffen, um folglich turbulent verstrickte Zufälle aneinanderzureihen, ehe das Ende eine friedfertige Selbstfindung vorsieht – so und nicht anders ist es um die Komödie derweil geschehen. Schweiger und sein Alter Ego Jürgen Vogel (wie so oft: nett) sorgen für vielen unanständigen Unfug, doch schon die treudoofen Blicke der ewig gleich besetzten Alexandra Maria Lara ("Vom Suchen und Finden der Liebe") verraten, dass sich alles zum Guten wenden wird. Das heißt dann in etwa so viel: Schweiger entlarvt seinen Schwindel, findet sein wirkliches Ich, die wahre Liebe sowieso und hat die Welt obendrein eben ein klein wenig besser gemacht.

Es ist von daher irrelevant, dass sich der Film im Handlungsverlauf sehr vorhersehbar bewegt und nebenbei zahlreiche Kollegen – vorsichtig ausgedrückt – zitiert, wenn er wie seine Pendants den bissigen Zynismus einer duseligen Märchenmoral opfert und jeglicher anfänglichen Schärfe damit die Kraft nimmt. Ausgerechnet in Bezug auf die ewig gleich belehrende Harmlosigkeit geht "Wo ist Fred?" als Versuch, auch hierzulande sarkastische Blödelelemente zu etablieren, keine eigenen Wege. Und da wären wir wieder bei der neudeutschen Komödie. Irgendwie hat sie sich dann doch kaum verändert.


40%

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