Juni 27, 2006

Kino: BANDIDAS

Für ihr Kinodebüt "Bandidas" wurden die beiden norwegischen Werbeclip-Regisseure Joachim Roenning und Espen Sandberg von niemand geringerem als Autor und Produzent Luc Besson ("Subway", "Léon") engagiert, dessen Stil den Film auch relativ deutlich bestimmt – nicht unproblematisch allerdings, ist dieser Versuch einer femininen Westernkomödie doch wenig sicher und vor allem völlig unindividuell inszeniert. Nicht nur, dass stets zwischen europäischem und amerikanischen Flair gewechselt wird, der Film weiß auch nicht immer, ob er Komödie, Abenteuer, Western oder eben einfach nur eine Genreparodie all dessen sein will. In jedem Fall ist "Bandidas" leicht goutierbare Kost, harmlos, nicht wirklich ernst gemeint, aber eben auch alles andere als gut.

Kurz und bündig: Dem Streifen krankt es gewaltig an einem guten Drehbuch, das einfach völlig ideenlos und ohne den kleinsten Hauch einer feurigen Inspiration daherkommt. Die Geschichte ist abgedroschen und besteht aus nicht mehr als einer dürftigen Abfolge sattsam bekannter Westernklischees. Die Regie unternimmt auch leider herzlich wenig, den relativ öden Mix aufzupäppeln, sondern unterwirft sich vielmehr einem technischen Einmaleins, denn durch eigenständiges Handwerk zu überzeugen. Der verzweifelte Versuch einer Innovation gen Ende wirkt dabei mehr traurig als cool: Der plötzliche Bullet-Time-Einsatz als Fremdkörper par Excellence, als optischer Beweis einer spürbaren kreativen Einengung des Regiegespanns durch Besson.

Bliebe tatsächlich nichts weiter zu sagen, wären da nicht Salma Hayek (Genre erprobt mit "Desperado" und "Wild Wild West") und Penélope Cruz ("Hi-Lo Country", "Sahara") als hinreizendes Leinwandduo, das diesen so schwach ins Leben gerufenen Film erheblich aufwertet, wenn auch nicht zu retten vermag. Nicht nur stimmt zwischen ihnen die Chemie, es ist auch der unheimlich sympathischen Interaktion beider zu verdanken, dass "Bandidas" trotz seiner formelhaften Erscheinung von – fast will man sagen - wunderbarer Leichtigkeit gekennzeichnet ist. Auch hier macht Besson dem ganzen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Neben unzähligen Drehbuchhängern (mindestens ein Banküberfall zu viel) versäumt es die Dramaturgie sträflich, dem spürbaren Knistern zwischen beiden nachzugeben und lässt sie stattdessen, freilich absolut unglaubwürdig, um den hampelnden Steve Zahn ("Out of Sight", "Joyride") streiten.

Darüber hinaus ist der sporadisch eingestreute, politische Ernst, den Besson mitunter zu verkaufen sucht, im Rahmen dieser vergnüglichen Blödelei nichts anderes als triviales, gänzlich unnötiges Beiwerk, ebenso wie Phrasen über Herkunft und Zugehörigkeit aus den Mündern von Cruz/Hayek zu deplaziertem Geplapper verkommen. Bestätigt wird dies durch die halbgare Musik aus der Feder von Eric Serra ("GoldenEye", "The Fifth Element"), die nichts anderes als bestenfalls nettes, aber absolut nicht stilechtes Geklimper darstellt. Abgerundet wird jene formale Oberflächlichkeit durch die nicht konsequente Photographie des augenscheinlich unterforderten Thierry Arbogast ("Nikita", "Ridicule").

"Bandidas" ist mitunter spritziges, aber völlig unentschlossen inszeniertes Popcornkino, das einzig und allein von seinen bestens aufgelegten Hauptdarstellerinnen lebt. Was bleibt, ist so staubtrocken wie die weite Wüste Durangos.


Wertung: 45% - Kinostart: 31.08.2006

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